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Die Tanzgarden sorgen für die Höhepunkte

01.02.10 (Reilingen)

Nachklang zu einer Prunksitzung, die beim Publikum, aber auch den Aktiven für wechselhafte Stimmung und Eindrücke gesorgt haben dürfte / KVR hatte in die Mannherz-Halle eingeladen / Winterwetter wirbelt Programmablauf durcheinander
Reilingen.- Reilingen gehört, zumindest von Fasnachtern durch die karnevalistische Brille betrachtet, sicher nicht zu den Hochburgen des rheinischen Frohsinns oder gar des literarischen Kokolores. Aber dennoch kann sich das, was sich seit fast fünf Jahrzehnten in der Spargelgemeinde so auf der närrischen Rostra abspielt, im weiten Umkreis sehen lassen. Längst sind sich die Prunksitzungen so ähnlich, dass es mancher Büttenredner schwer hat, bei seinem vierten oder fünften Auftritt am Abend auch im Nachbarort den passenden Namen dazu zu finden. Also beschränkte sich der Karnevalsverein „Die Käskuche“ in diesem Jahr während seiner 49. Prunksitzung auf ein Minimum auswärtiger Programmnummern, um vor allem einheimischen Rednern und Gruppen die Gelegenheit zum Auftritt zu bieten. Und der erneute Wintereinbruch mit reichlich Schneefall wirbelte das fast fünfstündige Programm noch einmal so durcheinander, dass von den vier auswärts gebuchten Solisten und Gruppen auch noch zwei ausfielen. Dank der Redner und Gruppen aus der Spargelgemeinde wurde es dennoch für die meisten der über 500, zum größten Teil bunt und närrisch gekleideten Zuschauer, ein vergnüglicher Abend.
Wie groß die närrische Streitmacht in Reilingen ist, wurde einem nach dem Prolog von Ehrensitzungspräsident Siegfried von Sagunski wieder einmal bewusst: Mit Ihrer Lieblichkeit Sabrina I. an der Spitze, begleitet von allen Garden, zogen die Elferräte der Spargelgemeinde gemeinsam mit ihren Gästen aus Schwetzingen und einer großen Schar von Ehrensenatoren in die Mannherz-Halle ein. Nachdem Bürgermeister Walter Klein mit gereimten Worten das närrische Publikum gegrüßt hatte, übernahm der Musikprofessor Werner Beidinger die an sich undankbare Rolle des „Eisbrechers“. Für den kurpfälzischen Fasnachtsprofi aber kein Problem, mit bewährten Kalauern, spitzen Bemerkungen und passenden Liedtexten seine Treffer zu landen. Und als der Clown (Andreas Heinrich) und sein Äffchen (Yvonne Ries) ihren verbalen Schlagabtausch über die Schwierigkeiten der Generationen miteinander beendet hatten, war es an Peter Geng, um in der Rolle des legendären Reilinger Ortsbüttels Geschichten und Anekdoten aus dem Dorfalltag bekannt zu geben.
Großartig in Kostüm, Gesang und Wort der Beitrag der „Wersauer Burgsänger“ vom MGV 1902 mit Dr. Klaus Geng am Flügel. Dass dieser erstmalige Auftritt dann aber beim Publikum leider nicht die ihm zustehende Beachtung fand, lag einzig allein daran, dass die Sängerinnen und Sänger im Saal so gut wie gar nicht zu hören waren. Wer aber in den vorderen Reihen saß, der hatte sein Vergnügen an den Texten und Liedern rund um das Leben auf der Burg, im Dorf und in der ganzen Welt.
Für so richtig Stimmung im Saal sorgten vor allem die Musikbeiträge. Das Trio Jukebox (Verena Steidl, Daniela Virzi und Jürgen Abel) bot ein Feuerwerk von Gesang, Schauspiel und Comedy – und dies in einer atemberaubenden Geschwindigkeit und stets wechselnden Kostümen. Nicht minder beschwingend der swingende Sound der Dixieland-Band vom Musikverein „Harmonie“. Renate Hartmann (Klarinette), Peter Ehringer (Trompete), Willi Krüger (Posaune), Richard Hartmann (Banjo), Alfred Schwarz (Tuba) und Rudi Askani (Schlagzeug) entführten kurz vor Mitternacht nach New Orleans, wo die Fasnacht als Mardi Gras alljährlich der närrische Höhepunkt des Jahres ist. Bernd Birkle sang sein Loblied auf die Fasnacht und dank dem Alleinunterhalter Jan Nemec kam in den oft längeren Programmpausen im Saal keine Langeweile auf: Es wurde gesungen, geschunkelt und getanzt.
Den größten Trumpf des KVR stellen aber ohne Frage die Garden dar. Dank einer ausgezeichneten Jugendarbeit zeigten sich die Tänzerinnen von der dreijährigen Maya Schenk bis hin zu Adrian Balzer als einzigem Jungen von ihrer besten Seite. Das Publikum hatte an den Auftritten der Krümel, der Jugend-, Junioren- und Aktivengarde ebenso ihre Freude, wie den Tanzmariechen Selina Schuler und Jessica Dilger der verdiente Applaus für die lange Trainingsarbeit zuteil wurde. Und was drei Generationen von Gardemädels heute noch in der Lage sind, gemeinsam auf die Bühne zu bringen, zeigte der Jubiläumstanz „4 x 11 Jahre Garde Schwarz-Gold“.
Höhepunkte des Abends aber waren mit Sicherheit die Schautänze der Junioren und Aktiven. Die Tanz- und Spielfreude der jungen Damen übertrug sich auf das Publikum, das begeistert applaudierte. Nach dem Auftritt des obligatorischen Männerballetts sorgten die „Hendsemer Herolde“ lautstark für den passenden Ausklang einer Prunksitzung, die beim Publikum, aber auch den Aktiven für wechselhafte Stimmung und Eindrücke gesorgt haben dürfte.

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