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Ein schier nicht mehr zu überblickendes Top-Ereignis

20.07.05 (Hockenheim)

Der Große Preis von Deutschland schlägt auch im Internet Kapriolen / Seriöse und auch andere Angebote entdeckt / Bettenverkauf zu Spitzenpreisen
Die heiße Phase für den Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring hat begonnen. Mit den Formel 1-Boliden und den Teams ist inzwischen auch der gesamte Grand Prix-Zirkus mit seinen vielen Souvenirhändlern und Fanartikelverkäufer in der Rennstadt eingetroffen. Rund um das Motodrom, aber auch immer mehr im ganzen Stadtgebiet werden heute und morgen die Verkaufsstände aufgeschlagen und die Waren angeboten. Doch die Verkaufsaktivitäten rund um das Formel 1-Rennen beschränken sich längst nicht mehr nur auf Hockenheim und die Zeltplätze rund um die Stadt. Ein Blick in das Internet zeigt, dass selbst wenige Tage vor dem großen Ereignis noch Hunderte versuchen, Eintrittskarten, Parkscheine oder Fanartikel an den Mann oder die Frau zu bringen.
Bereits seit Wochen geht es bei Ebay in Sachen Formel 1-Rennen rund. Tausende von Angebote waren auf der weltgrößten virtuellen Verkaufsplattform zu finden, und wechselten auch größtenteils den Besitzer.
Vor allem die begehrten Tickets für die Südtribüne, die Haupttribüne, mehr noch aber für den Fahrerlagerbereich wurden teilweise zu Höchstpreisen von Rennsportfans aus ganz Europa ersteigert.
Auffallend aber das ungewöhnliche große Angebot an scheinbar frei verfügbaren Karten und Zugangsberechtigungen für die verschiedenen VIP-Bereiche in und rund um das Motodrom. Wer die verschiedenen Versteigerungen aufmerksam verfolgte, der konnte sich dabei recht günstig in das „Herz der Promiwelt“, den exklusiven Formula 1 Paddock Club einkaufen. So wurden dieser Tage vier Tickets für etwas mehr als 2000 Euro an einem Bieter aus Mühlheim vergeben – ein echtes Schnäppchen. Bei Ebay landeten aber auch viele Sondertickets, die erst gar nicht in den Handel gekommen waren. So wurden unzählige ADAC-VIP-Tickets für den Bereich des Verkehrssicherheitszentrums und der dort stehenden Tribüne an der Parabolika ebenso angeboten wie Dutzende von VIP-Parkscheine für den Parkplatz hinter der Mercedes-Tribüne. In wie weit nun alle Angebote auch wirklich seriös waren und nicht von Betrügern oder Geschäftemachern in das Versteigerungssystem eingestellt wurden, war nur schwer nachvollziehen. Das testweise Mitsteigern brachte jedenfalls keine entscheidende Erkenntnisse, da gerade bei den VIP-Karten und den Parkscheinen grundsätzlich jedes Angebot mit einem hören Gegenangebot weiter nach oben getrieben wurde. Der Versuch, mit den Verkäufern in direkten Kontakt zu treten, blieb bis auf einen Fall ohne Antwort – und dieser entpuppte sich als ein Mitarbeiter des offiziellen Anbieters. „Wir nutzten Ebay als eine ideale Verkaufsplattform“, erklärte der Mann am Telefon, der aber darauf bestand, nicht namentlich zitiert zu werden. „Die Karten erhalten so der Wert des Besonderen, und dafür geben manche Fans gerne auch etwas mehr aus.“ Genutzt wurde Ebay aber auch von vielen glücklichen Menschen, die in den Genuss von Ehren- oder Freikarten gekommen waren – und diese jetzt für viel Geld „verscherbelten“.
Angeboten wurden bis Ende letzter Woche aber nicht nur Eintrittskarten oder Parkscheine, auch Übernachtungsangebote waren im Internet zu finden. Zeltplatzkarten wurden dabei ebenso verkauft wie einzelne Betten in Hockenheimer Privatfamilien. Überraschend dabei, wie groß manche Häuser und Wohnungen in der Rennstadt sein müssen. So führte beispielsweise die Recherche in ein Einfamilienhaus im Bereich des Birkengrunds. Der Hauseigentümer, der ebenfalls nicht namentlich erwähnt werden wollte, nutzt nach eigenen Angaben bereits seit Jahren der Bettenengpass um den Großen Preis, um die vorhandenen fünf Zimmer, den Keller und den Speicher als Übernachtungsmöglichkeit anzubieten. „Daran hat sich noch nie jemand gestört“, erklärte der in der Rennstadt bekannte Mann gegenüber unserer Zeitung. „Es ist vielmehr so, dass alle seit Jahren immer wieder gerne zu uns kommen.“ Die Frage nach dem Zimmerpreis wollte er dann doch nicht beantworten. Ein Blick in Ebay zeigte wenig später dann aber, dass „eines der letzten Betten“ für 82 Euro pro Nacht und ohne Frühstück von einem Rennfan aus Thüringen ersteigert wurde.
Wenn man sich so durch das weltweite Netz klickte, entdeckte man aber auch Kuriositäten am Rande. So wollte ein Anbieter aus Delmenhorst eine rote Ferrarimütze verkaufen, die „garantiert von Schumi getragen“ worden sei. Andere hatten wiederum von den Formel 1-Rennfahrern getragene feuerfeste Unterwäsche im Angebot, auf die aber ebenso gesteigert wurde wie auf angebliche Rennreifen, Wrackteile von schweren Rennunfällen oder Filmaufnahmen davon. Dass zwischen den vielen Ebay-Angeboten auch ganz „spezielle Dienste“ für Damen und Herren, die dafür schon immer mal die Rennatmosphäre nutzen wollten, angepriesen wurden, sei nur am Rande vermerkt.
Bei allen seriösen, erst gemeinten, vielleicht auch betrügerischen und komischen Angeboten wurde beim Blick in das Internet deutlich, dass der Große Preis von Deutschland längst viel mehr ist als nur ein Weltmeisterschaftslauf der Formel 1 – eben ein schier nicht mehr zu überblickendes Top-Ereignis mit allen nur denkbaren Erscheinungen.

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