Kurpfalz Regional Archiv

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* Kaisersaal als "Schnittstelle zwischen Kirche und Welt"

29.10.12 (Speyer)

Kaisersaal und Aussichtsplattform des Doms feierlich eröffnet / Ausstellung der Schraudolph-Fresken und Aussichtsplattform stoßen bei den Besuchern der Eröffnungsfeier auf begeisterte Resonanz
Im Rahmen einer Feierstunde mit zahlreichen hochrangigen Persönlichkeiten aus Kirche, Gesellschaft und Politik wurden jetzt der neu gestaltete Kaisersaal und die Aussichtsplattform im Südwest-Turm des Domes eröffnet. Im Kaisersaal über der Vorhalle des Doms werden neun großformatige Fresken des Künstlers Johann Baptist Schraudolph gezeigt. Sie waren bei der Domrestaurierung ab 1957 entfernt worden und kehren nach über 50 Jahren in den Speyerer Dom zurück.Bereits im Gottesdienst spannte Weihbischof Otto Georgens einen Bogen vom Evangelium zum neu gestalteten Kaisersaal. Ausgangspunkt dafür war der Bericht von der Heilung des blinden Bartimäus. Georgens beschrieb Bartimäus als den „Prototyp des Menschen, der Jesus nachfolgt.“ Bekehrung und Nachfolge seien einem „Durchbruch von Blindheit zum Licht“ vergleichbar. Das zeige sich in vielen Biographien im Lauf der Kirchengeschichte, angefangen vom Apostel Paulus bis hin zu Madeleine Delbrel. Er warb für eine „Kirche mit dem offenen Blick auf die Welt und die Menschen heute, denen wir die befreiende Botschaft des Evangeliums nicht vorenthalten dürfen.“ Auch der neugestaltete Kaisersaal könne einen neuen Blick auf „den Reichtum und die Schönheit unseres Glaubens“ eröffnen.
Der Kaisersaal als Übergang zwischen Kirche und Welt
Bei der anschließenden Feier im Kaisersaal würdigte Weihbischof Georgens die Ausgestaltung des Kaisersaals als „einmalige Meisterleistung“. Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann kennzeichnete den Kaisersaal als „Schnittstelle zwischen Kirche und Welt“. Die ursprünglich in den beiden Querhäusern des Doms angebrachten Fresken zeigten in Gestalt der Heiligen das Wirken der Kirche in der Welt. Auch der Westbau des Doms markiere einen Übergang und schaffe, entsprechend dem Auftrag des Zweiten Vatikanischen Konzils, eine Verbindung zwischen Kirche und Welt. Dem Kaisersaal als einem „Ort, in dem Geschichte, Frömmigkeit und Evangelisierung“ vereint sind, wünschte der Bischof, dass „er vielen Menschen ans Herz wächst.“ Domkustos Peter Schappert brachte den Dank des Domkapitels an alle Beteiligten zum Ausdruck und ließ die Entstehungsgeschichte des Projekts Revue passieren. „Ausstellung, nicht Museum“: So beschrieb Schappert die Grundidee, um den geistlichen Charakter des Raumes zu wahren. Die Gestaltung des Kaisersaals beziehe ihre Kraft aus der fruchtbaren Spannung zwischen Erhalt und Entwicklung des romanischen Gotteshauses.
„Ich bin schlichtweg begeistert“, zollte Ministerpräsident Kurt Beck dem Werk seinen Respekt. „Hier ist etwas Großartiges entstanden.“ Die neue Ausstellung der Schraudolph-Fresken zeuge von großer Kunst und kunsthandwerklichem Geschick. „Es erfüllt mich mit großer Freude und Dankbarkeit, dass es nicht nur in früheren Jahrhunderten, sondern auch in unserer Zeit möglich ist, eine solche Aufgabe im Miteinander von Kirche und Staat zu bewältigen.“ Der Speyerer Oberbürgermeister Hansjörg Eger sprach in seinem Grußwort von einem „gelungenen Werk und großen Erfolg“. Der Dom als „stärkster Besuchermagnet der Stadt Speyer“ habe damit noch mehr Attraktivität gewonnen.
„Ein Werk mit überwältigender Wirkung“, so fasste Dr. Manfred Fuchs, der Vorsitzende der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer, seine Eindrücke zusammen. „Ich bin glücklich und stolz, dass wir dazu unseren Beitrag leisten durften.“ Dr. Wolfgang Hissnauer, der Vorsitzende des Dombauvereins, beschrieb den Kaisersaal als ein „Geschenk an die Zukunft“. Er würdigte besonders den Blick durch die zwei Glastüren in „die Stille und Erhabenheit dieses einmaligen Gotteshauses.“ Mit einem Gedicht setzte Weihbischof Otto Georgens den Schlusspunkt der offiziellen Feier, die von einem Dombläser-Ensemble musikalisch gestaltet wurde. Anschließend hatten die Gäste Gelegenheit, die Aussichtsplattform zu besteigen und bei sonnigem Wetter den einzigartigen Rundblick zu genießen.
Der Kaisersaal im Westbau des Domes
Der in 22 Metern Höhe gelegene Kaisersaal im 1857 vollendeten Westbau erhält durch die Dauerausstellung der Schraudolph-Fresken erstmals eine konkrete Bestimmung. Die Entwürfe zur Ausgestaltung des dreijochigen Raums stammen von Mario Colletto, der im Januar die Nachfolge von Dombaumeister Alfred Klimt antreten wird. Bei der Farbgebung und der ornamentalen Gestaltung hat er sich an Vorlagen Joseph Anton Schwarzmanns aus der Mitte des 19. Jahrhunderts orientiert. Leitend war für Colletto die Idee eines Bildraums mit moderner Formensprache, der verschiedene Blick- und Zeitebenen zusammenführt. Die Fresken, die ein Ausmaß bis zu sieben Metern haben, werden auf stehenden Bildträgern gezeigt, deren Stützen aus Holz gefertigt sind.
Durch eine Glastür zur Empore öffnet sich für den Besucher der Blick in den Innenraum des Domes. Das mit einer Glasplatte abgedeckte Glockenloch im Fußboden ermöglicht die Durchsicht in die darunter gelegene Vorhalle des Domes. Das Glockenloch in der Kuppel des Kaisersaals ist mit einer Goldplatte gestaltet worden, die – in der Weiterführung der „Marienkrönung“ – als Symbol für Gottvater steht. Um ein im gesamten Tagesablauf gleichmäßiges Raumlicht zu erreichen, wurden die Fenstergläser der nach Westen gerichteten Rosette wie auch der übrigen Fenster des Kaisersaals durch neue mundgeblasene und mit Schwarzlot beschichtete Scheiben ersetzt. Die Beleuchtung des Raums erfolgt indirekt, dazu wurden Lichtleisten in die Bildträger der Schraudolph-Fresken integriert. „Das Licht strahlt über die Heiligen in den Raum der Kirche“, wie Mario Colletto erklärt. Der Kaisersaal erstreckt sich über die gesamte Breite des Westbaus und bietet Platz für bis zu 200 Personen. Er hat eine Grundfläche von knapp 500 Quadratmetern und misst 25 Meter in der Höhe.
Die Ausstellung der Schraudolph-Fresken
Im Rahmen der Domrestaurierung ab 1957 waren die in der Mitte des 19. Jahrhunderts geschaffenen Fresken von Johann Baptist Schraudolph aus dem Dom entfernt worden, um die romanische Bauweise des Doms wieder stärker zu betonen. Im Dom verblieb lediglich der 24-teilige Marienzyklus, der bis heute in den Bögen des Mittelschiffs zu sehen ist. Im Kaisersaal werden jetzt neun der Fresken, deren künstlerischer Wert und religiöse Aussagekraft von Fachleuten unbestritten sind, der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Es handelt sich um vier Fresken aus dem Bernhards-Zyklus („Ankunft des Heiligen Bernhard in Speyer“, „Gebet des Heiligen Bernhard im Speyerer Dom“, „Überreichung der Kreuzesfahne an Konrad III.“ und „Krankenheilung und Abreise des Heiligen Bernhard“) und vier Fresken aus dem Stephanus-Zyklus („Diakonweihe des Heiligen Stephanus“, „Der Heilige Stephanus vor dem hohen Rat“, „Märtyrertod des Heiligen Papstes Stephanus“ und „Gebet des Heiligen Papstes Stephanus“). Höhepunkt der Ausstellung ist die „Marienkrönung“, die bis 1957 in der Apsis des Chorraums angebracht war. Für dieses Kunstwerk wurde im Kaisersaal eine eigene Kuppelkonstruktion angefertigt, die der Wölbung in der Apsis nachgebildet ist. Die Fresken wurden von Restaurator Vitus Wurmdobler seit den 80er-Jahren in mühevoller Kleinarbeit instand gesetzt.
Die Aussichtsplattform: 304 Stufen himmelwärts
Insgesamt 304 Stufen führen auf der Westseite des Domes vom Eingang des Südturms bis zu der neu geschaffenen Aussichtsplattform in rund 60 Metern Höhe. Dort erwartet die Besucher ein einzigartiger Rundblick über die Stadt Speyer, die Vorderpfalz und in die badische Nachbarschaft. An Tagen mit guter Fernsicht überblickt man eine Entfernung von mehr als 50 Kilometern. Für den Aufstieg zur Aussichtplattform wurde in den Turm eine neue Betontreppe eingebaut, die sich nach oben in einer Stahltreppe fortsetzt. Die Betontreppe wirkt wie eine Art Rückgrat des Turms und sorgt für zusätzliche Stabilität und Festigkeit. Die Aussichtsplattform unterhalb des Turmhelms hat eine Grundfläche von etwa 20 Quadratmetern. Sie ist nach allen Seiten offen und bietet etwa 50 Personen Platz. Aus Sicherheitsgründen werden die Besucher in Gruppen auf den Turm geführt und dabei von einem Turmführer begleitet. Die Besichtigung dauert etwa eine halbe Stunde. Sie beginnt jeweils zur vollen und zur halben Stunde am Ausgang des Kaisersaals.
Mehr als 125 Architekten, Ingenieure und Handwerker beteiligt
Die Arbeiten im Kaisersaal und am Südturm mit der neuen Aussichtsplattform haben im Jahr 2010 begonnen. Beteiligt waren rund 25 Architekten und Ingenieure und mehr als 100 Handwerker. Die Kosten beliefen sich auf 4,35 Millionen Euro und wurden über das 2009 von der Bundesregierung verabschiedete Konjunkturpaket 2 finanziert. Antragsteller für die Fördermittel war die Stadt Speyer. Der Gesamtbetrag wurde zu einem Drittel vom Bund, zu einem Drittel vom Land Rheinland-Pfalz und zu einem weiteren Drittel von der Stadt Speyer, dem Dombauverein und der Europäischen Stiftung Kaiserdom finanziert. (is)
Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag: 9.00 bis 17.00 Uhr (letzter Einlass: 16.00 Uhr)

Sonn- und Feiertage: 12.00 bis 17.00 Uhr (letzter Einlass: 16.00 Uhr)
Der Kaisersaal und der Südwestturm sind in diesem Jahr vom 28. Oktober bis zum 30. November geöffnet. Im Winterhalbjahr bleiben der Kaisersaal und die Aussichtsplattform geschlossen. Die Öffnung im kommenden Jahr ist Anfang April geplant.
Eintrittskarten:
Die Eintrittskarten sind beim Kartenverkauf auf der Nordseite des Domes erhältlich.

Öffnungszeiten des Kartenverkaufs:
•    Montag bis Samstag: 8.30 bis 16.00 Uhr
•    Sonn- und Feiertage: 11.30 bis 16.00 Uhr
Eine telefonische Vorbestellung ist möglich unter der Telefonnummer 0 62 32/102-525. Die Eintrittskarten berechtigen zum Besuch des Kaisersaals und des Turms.
Eintrittspreise:
Eintritt für Erwachsene: 6 Euro

Ermäßigter Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre und für  Menschen mit Behinderung: 3 Euro
Eintritt für Familien mit mehreren Kindern: 15 Euro

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