Kurpfalz Regional Archiv

Geschichte(n) und Brauchtum aus der (Kur-)Pfalz

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Von Mosbach nach Heidelberg immer am Neckar entlang

01.04.96 (Landschaft & Orte)

Wie Perlen an einer Kette empfindet man die Ortschaften. Fast
jedes Dorf hat eine Burg oder zumindest eine Ruine, hübsche
Fachwerkgebäude, malerische Winkel und stets an diesem
verführerischen Fluß entlang. Aber der Reihe nach …

Nicht selten werden die besten Ideen am Stammtisch geboren. So
auch in unserem Fall. Jeder hatte einen besseren Gedanken, wie
man das verlängerte Wochenende hätte verbringen können. Plötzlich
stand sie im Raum: die Fahrradtour von Kurpfälzern vom östlichen
Ende der Kurpfalz bis zur alten kurpfälzischen Residenzstadt. Und
das schöne an der ganzen Sache wäre, daß es immer bergab gehen
sollte  immer dem Neckar entlang. Quasi auf den Spuren von Mark
Twain und den deutschen Romantikern, die diesen Teil des
Neckartales besonders liebten. Und dann ging es doch tatsächlich
auch los:

Gestartet sind wir in Mosbach am Südrand des Odenwaldes und im
Osten der ehemaligen Kurpfalz gelegen. Hier begegnet einem
Geschichte auf Schritt und Tritt. Am meisten beeindruckte uns der
Marktplatz mit dem fünfgeschossigen Palm’schen Haus aus dem Jahre

  1. Es ist nicht umsonst eines der bekanntesten Fachwerkgebäude
    aus der Renaissance in BadenWürttemberg. Die Stiftskirche im
    Zentrum der historischen Altstadt steht schon seit 1390 und wird
    seit über 250 Jahren simultan benutzt, also von Katholiken und
    Protestanten gemeinsam. Beim Rundgang durch die idyllische
    Kreisstadt entdeckten wir etwas außerhalb das Gutleuthaus, das
    Elendshaus und die Gutleutkapelle. Es ist eine sehenswerte, weil
    sehr gut erhaltene, geschlossene Anlage aus dem 15. Jahrhundert.
    Im Elendshaus wurden einst Fremde untergebracht, die abends nicht
    mehr in die Stadt eingelassen wurden.

Nur wenige Kilometer der Elz folgend, kamen wir an die Stelle, wo
das kleine Flüßchen in den Neckar mündet. Nahebei liegt der Ort
Neckarelz, wo früher mit Wasserkraft Getreide gemahlen wurde. Die
Strecke geht gemütlich weiter und wir radelten immer am Neckar
entlang, der sich langsam durch den Vorderen Odenwald windet. Bei
Binau beschreibt der Fluß eine enge Schleife. Zuvor aber waren
wir in der Nähe von Obrigheim am ältesten deutschen Atomkraftwerk
vorbeigekommen, das seit über 25 Jahren nun Strom liefert.

Hinter Neckargerach kam dann  von Wald umgeben  Schloß
Zwingenberg in Sicht. Wir gönnten uns eine Pause und wanderten zu
Fuß durch die Wolfsschlucht. Hier soll Carl Maria von Weber
Eindrücke gesammelt und einen Teil der Oper „Der Freischütz“
komponiert haben.

Es folgte ein besonders romantischer Abschnitt, eingeklemmt
zwischen dem Neckar auf der einen und dem steil nach oben
steigenden Odenwald auf der anderen Seite. Nach nicht einmal 26
Kilometern erreichten wir Eberbach, eine Stadt mit reicher
Tradition. Von der einstigen Stadtmauer ist leider nicht mehr
viel zu erkennen. Zu erkennen sind aber noch die vier Wehrtürme
der Stadtbefestigung. Der schönste ist sicher der „Blaue Hut“ aus
dem 15. Jahrhundert. Zahlreiche Fachwerkhäuser fallen durch ihre
reiche Bemalung auf.

Bei einem herrlichleckeren Stück von der berühmten
ViktoriaTorte, mit der der englischen Königin Viktoria zur
Krönung gratuliert wurde und seitdem aus den Cafés in Eberbach
nicht mehr wegzudenken ist, beschlossen wir dann, einen weiteren
Teil der Strecke auf dem Neckar zurückzulegen. Wir mieteten uns
drei Kanadier und tauschten so die Fahrradlenker gegen Paddel
aus. Ein echtes Erlebnis, so langsam dahinzugleiten, vorbei an
Blumenwiesen, Graureihern und Schwertlilien. Kurz vor Hirschhorn
setzten wir wieder aus, und zwar genau dort, wo sich dicht am
Ufer die Ersheimer Kapelle befindet. Sie ist die älteste Kirche
im Neckartal und wurde bereits 773 gebaut.

Ohne Eile ging es jetzt mit den Rädern weiter, zum Teil auf alten
Treidelpfaden neben dem Neckar, auf denen früher die Lastkähne
flußaufwärts von Pferden gezogen wurden. Schon von weitem ist das
Schloß Hirschhorn zu erkennen. Darunter liegt der Ort, eine
außergewöhnlich gut erhaltene mittelalterliche Stadt. Sie
befindet sich übrigens auf einem zu Hessen gehörenden Landzipfel.
Vom Schloßberg aus gab es viel zu sehen, denn an dieser Stelle
beschreibt der Neckar eine doppelte Schleife.

Weiter neckarabwärts erreichten wir Neckarsteinach, das gleich
von vier Burgen bewacht wird: die Vorder, Mittel und Hinterburg
sowie die Schadeck, im Volksmund nur Schwalbennest genannt. Links
des Neckars liegt hoch oben auf dem Berg die Bergfeste Dilsberg.
Von ihr ist auf dem 330 Meter hohen Bergkegel zwar nur eine Ruine
übriggeblieben, aber der mittelalterliche Ort mit seiner
gewaltigen Ringmauer ist besonders sehenswert. Beeindruckend auch
der 47 Meter tiefe Burgbrunnen und ein unterirdischer Fluchtgang.
Erinnerungen an die Kinderzeit, an Sagen und Märchen wurden
wieder lebendig.

Unten im Tal liegt Neckargemünd, das auf eine tausendjährige
Geschichte zurückblicken kann und ein sehenswertes Stadtbild
bewahrt hat. Nach kurzer Fahrt trafen wir in jener einzigartigen
Stadt ein, die auf der ganzen Welt für Deutschland steht und beim
Nennen des Namens die Herzen aller Romantiker höher schlagen 
Heidelberg. Obwohl alle im Umkreis von Heidelberg zu Hause,
schlossen wir uns einer Stadtführung an. Am Weg lagen die Alte
Universität, der berühmte Studentenkarzer und natürlich die Alte
Brücke mit einem Bilderbuchblick über die Altstadt und das
darüber liegende Schloß. Zwar ist die einst mächtige Residenz der
Kurfürsten von der Pfalz nur noch als Ruine erhalten, doch sind
Glanz und Macht noch heute zu spüren.

Wir wären noch gerne länger in der Perle am Neckar geblieben,
aber noch galt es, die letzte Etappe unserer Radtour zu
bewältigen. Die zwanzig Kilometer nach Mannheim, der barocken
Residenzstadt der Kurfürsten, bewältigten wir recht schnell,
ließen das allein einen Ausflug werte römischmittelalterliche
Ladenburg mit seiner Neckarfähre rechts liegen. Für einen, der
zum ersten Mal nach Mannheim kommt, ist es zunächst nicht leicht,
sich zu orientieren, denn das Zentrum ist in 144 Quadrate
eingeteilt. Für uns aber kein Problem, galt doch unser letzter
Besuch zum Abschluß der an Erinnerungen reichen Tour dem
Museumsschiff am Neckar. Direkt an der Kurpfalzbrücke liegt
dieser alte Personenraddampfer, in dem es nicht nur ein
lobenswertes Restaurant untergebracht ist, sondern auch ein
kleines Museum, daß die Entwicklung der Schiffahrt auf Neckar und
Rhein darstellt.

Und bei der untergehenden Sonne, in der Hand ein kühler Riesling
 entweder von der nahen Bergstraße oder aus der Pfalz , kam uns
so der abschließende Gedanke: „Warum in die Ferne schweifen, wenn
die Kurpfalz liegt so nah!“

Quelle: unbekannt

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