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Das Werk eines großen Baumeisters

18.09.02 (Kirchen & Klöster)

Die Jugendstilkirche in Neulußheim war das letzte Werk von Hermann Behaghel
Nach nahezu 16 Monaten ist die Innen-Restaurierung der evangelischen Kirche in Neulußheim weitgehend abgeschlossen. Das gewohnte Bild der letzten vier Jahrzehnte erfuhr nicht nur eine farbliche Veränderung, weg von der nüchternen weißgrauen Tönung, hin zu dem freundlichen, warmen Grundton in ocker, der durch farbliche Absetzungen die Formen der Pfeiler und Leibungen an Bögen und Fenstern hervorhebt. Vor diesem Hintergrund treten die schmückenden Blumen-, Glocken- und Rankenornamente an Gurt- und Rundbögen, an Fenstern und Kassetten wirkungsvoll hervor und lassen das stimmungsvolle Bild am Tage der Einweihung, 28. November 1909, erahnen.


Selbst bei älteren Neulußheimern sind kaum Erinnerungen an die ursprüngliche Farbgebung und an die malerischen Verzierungen vorhanden gewesen, die mit Hilfe einer vorausgegangenen Bestandsaufnahme der Restauratorin, Iris Uhrig, unter Farbschichten verborgen waren. Wegen der Besonderheit, dass im Laufe dieses Jahrhunderts – nicht wie andernorts üblich – beeinträchtigende Veränderungen weder im Innern der Kirche erfolgten noch Teile des Inventars entfernt wurden, drängte das Landesdenkmalamt auf eine ganzheitliche Lösung und verwarf das Ausbessern einzelner Teile.
Das von dem Baurat und Kirchenbauinspektor Hermann Behaghel, der von 1839 bis 1921 lebte, entworfene und in den Jahren 1908/09 errichtete Bauwerk sollte als Vertreter des Jugendstils mit seinen historisierenden, geschichtlich nachempfundenen Stilelemente durch Wiederherstellung der Originalfassung den künftigen Generationen erhalten bleiben, weil das Bauwerk zeittypisch in einer ganzen Reihe von Elementen war. Behaghel sei nicht nur am Zeitgeschmack orientiert gewesen, so die zuständige Konservatorin und Gebietsreferentin beim Landesdenkmalamt in Karlsruhe, Kathrin Ungerer-Heuck, sondern habe eigene Ideen miteinfließen lassen.
Nachweislich ist die Neulußheimer Kirche das letzte Bauwerk, in das der Baumeister Hermann Behaghel seine ganze Erfahrung einbringen konnte. Über die Großherzogliche Bezirksbauinspektion Mannheim kam Hermann Behaghel in die evangelische Kirchenbauinspektion in Heidelberg und stand seit 1869 als Leiter dieser Behörde vor, die den gesamten Bezirk zwischen Mannheim und Wertheim zu betreuen hatte.
Fünfzig Jahre lang stellte Hermann Behaghel seine Schaffenskraft in den Dienst der Evangelischen Landeskirche Baden. Sehr vieles hat er in dieser Zeit bewirkt. Unter seiner Leitung wurden nicht nur zahlreiche Kirchen landauf und landab restauriert so die Heiliggeist- und Providenzkirche Heidelberg und umgebaut wie die Rohrbacher Melanchthon-Kirche oder Stadtkirche in Schwetzingen, sondern Behaghel errichtete in dieser Zeit 18 Kirchen in Nordbaden. So die Erlöserkirche in Seckenheim im neugotischen Baustil, die Petruskirche in Mannheim-Wallstadt und nicht zu vergessen die neubarocke Stadtkirche in Hockenheim in den Jahren 1905/07, um nur einige aufzuzählen.
Aber auch als Privatarchitekt machte er sich durch seine Baudenkmäler wie beispielsweise die Synagoge in Heidelberg die Villen Schifferdecker und Czerny in Heidelberg, einen Namen als Meister seines Faches. Es ist überliefert, dass er wichtige Termine immer selbst vor Ort wahrnahm, obwohl eine Anreise von Heidelberg nach Neulußheim vor 88 Jahren bestimmt nicht so einfach wie heute war. Seine Bauwerke reden eine deutliche Sprache und sind Zeugen seines Könnens, seines Fleißes und seiner künstlerischen Begabung. Hermann Behaghel, der 1839 in Mannheim geboren wurde und in Leipzig 1921 starb, wurde schließlich in seiner kurpfälzischen Heimat, nämlich in Heidelberg auf dem Bergfriedhof, beigesetzt.
Quelle: unbekannt

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