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Der alte Glanz ist zurückgekehrt

03.05.17 (Burgen & Schlösser)

ThronsaalDas im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörte Bruchsaler Schloss bietet nach 70-jähriger Wiederherstellung einen suggestiven Blick in die Geschichte der einstigen Residenz der Fürstbischöfe von Speyer
Darauf haben viele Menschen mit Sehnsucht gewartet: Seit dem Wochenende vom 1. Mai ist die Beletage von Schloss Bruchsal wieder geöffnet. 17 Prunkräume mit kostbarer Ausstattung ergeben ein eindrucksvolles Bild vom barocken Schloss der Fürstbischöfe – und nicht nur das: Sie ergänzen sich nun wieder zu einem suggestiven Blick in die Geschichte der einstigen Residenz der Fürstbischöfe von Speyer. Die festliche Eröffnung bildete zugleich den Abschluss der 70-jährigen Wiederherstellung des im Krieg weitgehend zerstörten Bruchsaler Schlosses.
Als „historischen Schritt von größter Bedeutung für die südwestdeutsche Schlösserlandschaft“ ordnete Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, die Wiedergewinnung der Bruchsaler Beletage ein. Im 18. Jahrhundert herrschte hier unter den kunstsinnigen Fürstbischöfen von Speyer ein Hofleben, dessen Glanz weithin strahlte und berühmte Persönlichkeiten wie die Familie Mozart anzog. Jetzt steht das Schloss wieder allen Besucherinnen und Besucher offen – und lädt dazu ein, ein Schloss wiederzuentdecken, das bis zu seiner Kriegszerstörung geradezu legendären Ruf genoss.
GRAZIÖSES ENSEMBLE AUS ÜBER 50 BAUWERKEN
„Die Krone aller barocken Treppenhäuser“ nannte der berühmte Kunsthistoriker Georg Dehio vor gut 100 Jahren die Bruchsaler Treppenanlage, errichtet nach dem Plan des großen Balthasar Neumann. Schloss Bruchsal galt schon bei Zeitgenossen als besonders geschmackvoll und ungewöhnlich. Man spürt das heute noch, wenn man sich dem Schloss annähert, sei es durch den verträumten Schlossgarten oder von der Stadtseite her durch das prächtige Torgebäude. Das Schloss, errichtet in weit über 50 isolierten Einzelgebäuden, wirkt wie eine ganze Stadt aus graziösen Bauwerken, fantasievoll und bunt. Dass hier ein mächtiger geistlicher Herr residierte, der Fürstbischof von Speyer – man ahnt es höchstens, wenn man den Turm der Schlosskirche wahrnimmt. Der erste Eindruck aber zeigt vor allem die spielerische Eleganz des Ensembles.
ABSCHLUSS DER REKONSTRUKTIONSGESCHICHTE
Für die Bruchsaler war nach der Zerstörung des Schlosses im März 1945 schnell und ohne Zweifel klar, dass dieses barocke Meisterwerk untrennbar zur Stadt gehörte: Fast sofort begannen die Bergung, Sicherung und Wiederherstellung. Die Wiedereinrichtung der repräsentativen Raumfolgen der Beletage ist nun der letzte Schritt der Rekonstruktion und Wiederfindung eines vermissten Schlossgefühls. Schon in den 1970er-Jahren war die Wiederherstellung des Mitteltraktes gelungen mit seinen großen Sälen und vor allem der Neumann‘schen Treppe – eine staunenswerte Parforce-Tour der kunsthandwerklichen Rekonstruktion. Für die Appartements, die sich an dieses prächtige Zentrum anschließen, entschied man sich für eine Wiederherstellung des alten Grundrisses: So entstanden nun wieder 17 Räume, die in den Proportionen wohltuend dem Raumgefüge des 18. Jahrhundert entsprechen. Ihre Wandgliederung folgt dem alten Vorbild – allerdings in vereinfachten Formen. „Der verlorene Stuck war nicht für jedes Raumdetail dokumentiert – wir hätten barocke Formen erfinden müssen“, erklärt die Architektin Claudia Reisch die Entscheidung.
AUSSTATTUNG WEITESTGEHEND ERHALTEN
Ziel war es, den grandiosen Kunstwerken den passenden atmosphärischen Rahmen zu schaffen. „Die Kunstwerke des 18. Jahrhunderts sind ohne den umgebenden Raum nicht zu denken: Dafür wollten wir wieder die korrekte Situation herstellen“, erläutert die Bauleiterin. Und das hat funktioniert: Die kostbare Ausstattung glänzt wieder. 350 Stücke verwandeln die Räume wieder in ein Schloss – fast durchweg Werke, die zum originalen Bestand des Schlosses gehörten. Denn umsichtige Zeitgenossen hatten im Krieg früh begonnen, Kunstwerke und Mobiliar an sicheren Orten zu deponieren. „Es war absolut bewegend, als wir erkannten, in welcher Vollständigkeit die Ausstattung noch erhalten ist“, erläutert Konservatorin Dr. Petra Pechaček von den Staatlichen Schlössern und Gärten, die von „größtem Respekt vor der Arbeit der Vorgängergenerationen“ spricht.
DIE GROSSEN NAMEN DER ZEIT IM SCHLOSS VERTRETEN
Bei den Stücken der Ausstattung sind die großen Namen der Zeit vertreten, etwa der des bedeutenden Rokoko-Kunstschreiners Ferdinand Hund. Von ihm sind graziöse Konsoltische ins Schloss zurückgekehrt, die für einige Jahre zur Sammlung des Modezaren Ives Saint Laurent gehörten. Kommoden aus der berühmten Röntgen-Werkstatt glänzen wieder in den Räumen. Höchst prominent sind zwei eindrucksvolle Schreibschränke mit reichen Einlegearbeiten: Wegen dieser Bilder aus verschiedenfarbigen Hölzern, Elfenbein, Perlmutt, Schildpatt und Bronze zählen sie zu den berühmtesten Intarsienmöbeln des Rokoko. Sensationell ist der Reichtum der Tapisserien: die kostbaren Seidenteppiche schmücken nun wieder viele der Räume. Schloss Bruchsal verfügt über die zweitgrößte Sammlung in Deutschland; 38 der Bildwirkereien hängen jetzt wieder in den Prunkräumen, darunter solche raren Exoten wie die Teppiche der „Groteskenserie“, mit Gauklern, Affen und einem Elefanten.
ZWEI ZEITGESCHICHTEN
Die Einrichtung erfasst zwei Zeitschnitte: Neben den Räumen der Fürstbischöfe des 18. Jahrhunderts ist eines der Appartements so zu sehen, wie es im frühen 19. Jahrhundert bewohnt wurde, als Wohnort der badischen Markgrafenwitwe Amalie. Die Wiederherstellung der Raumfolgen hatte auch als Ziel, das Leben und die Nutzung der nach dem barocken Schema von Vorzimmer, Audienzsaal, Schlafzimmer und Kabinetten gegliederten Appartements wieder sichtbar werden zu lassen. Bei Führungen und beim Rundgang mit dem Multimediaguide – den es in mehreren Sprachen gibt und mit einer eigenen Tonspur für Kinder – wird deutlich wie die Räume „funktionierten“, als Bühne für das höfische Zeremoniell und als Schauplatz für den Alltag.
www.schloss-bruchsal.de

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