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Ein Kirchenraum als Wohnzimmer

27.11.05 (Hockenheim)

Beeindruckende Ausstellung von behinderten Künstlern in der evangelischen Stadtkirche / Kraichgauer Kunstwerkstatt setzt Kontrapunkt zum Hockenheimer Advent
Die evangelische Stadtkirche am Marktplatz bildet nicht nur die prägende Kulisse beim Hockenheimer Advent, sondern bringt sich alljährlich mit besinnlichen Momenten in das vorweihnachtliche Treiben mit ein. Schon traditionell öffnete die evangelische Kirchengemeinde den Kirchenraum für die Weihnachtsmarktbesucher, um in diesem Jahr auf einen Kreis von jungen Künstlern aufmerksam zu machen, die eher am Rande der Gesellschaft leben. Behinderte junge Frauen und Männer der Kraichgau-Werkstatt Sinsheim waren zusammen mit ihren Therapeuten und Atelierleiter Wolfgang Hübner, vor allem aber mit ihren ausdrucksstarken Bildern in die Rennstadt gekommen.
Die 41 ausgestellten Werke stießen bei vielen Besuchern des Hockenheimer Advents nicht nur auf großes Interesse, sie sorgten auch für eine Faszination der besonderen Art. Beim Betrachten der Gemälde wurde schnell deutlich, dass von den derzeit neun Mitglieder der Kraichgauer Kunstwerkstatt eine enorme kreative Eigendynamik ausgeht. Dies wird besonders darin deutlich, dass es den behinderten Künstlern am Stoff und den Gestaltungsvorstellungen für die bildnerischen Arbeiten nicht mangelt. Zugleich spiegelt sich in den meist vielfarbigen Bildern ein Spektrum spontaner, unverfälschter Empfindungen und Phantasien. Sie lassen die Bewegung, die Energie, die Dynamik und Intensität erkennen, mit der sie entstanden sind. Wie für viele Behinderte oft die einzigste Ausdrucksmöglichkeit von Wünschen und Vorstellungen.
Bei einem Rundgang durch die Ausstellung, die übrigens noch bis zum 4. Dezember, unter der Woche nach Voranmeldung im evangelischen Pfarramt, besucht werden kann, stellte man sehr schnell fest, dass die gezeigten Bilder beim Betrachter tiefere Schichten öffnen können. So entstanden vom gezeigten Werk ausgehend innere Bilder, Werke der Imagination, die einem für kurze Zeit das hektische Treiben der Vorweihnachtszeit vergessen ließen. Die evangelische Stadtkirche wurde so für kurze Zeit nicht nur zu einem Ort des gemeinsamen Staunens, Innehalten und Genießens, sondern zu einem Ort der Kommunikation, wo Farbenpracht und Formenvielfalt die Menschen zum spontanen Gespräch zusammenbrachte.
Bereits beim Betreten des Kirchenraumes stellte man fest, dass sich dieser scheinbar verändert hat. Durch das Aufhängen der Bilder wurde die Kunst behinderter Menschen nicht nur in die Öffentlichkeit getragen, sondern hier wurde ein Kirchenraum zum Wohnzimmer. Und wie es sich gehört, wurde, wie im häuslichen Wohnzimmer, plötzlich nicht mehr geflüstert, sondern offen und laut über die Ausstellung gesprochen.
Mit der Kunstausstellung in der Stadtkirche wurde so nicht nur die Kunstlandschaft in der Stadt bereichert, sondern zugleich ein stimmungsvoller Kontrapunkt geschaffen, der so richtig zum diesjährigen Hockenheimer Advent passte.

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