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Hoffnungszeichen für mehr Verständnis in Sachen Stadtgeschichte

08.01.06 (Hockenheim)

Geschichtswerkstatt Hockenheim & Umgebung zog zufriedenstellende Bilanz für erstes Jahr des Bestehens / Kritik und Lob für Heimatforschung / Zahlreiche Projekte in Arbeit
Zufrieden schaut man bei der Geschichtswerkstatt Hockenheim & Umgebung auf das gerade abgelaufene Jahr zurück. Ein Jahr, das nicht nur geprägt war von zahlreichen Aktivitäten rund um Heimatgeschichte, Brauchtum, Volkskunde und Mundart, sondern vor allem durch das Bestreben, die für Hockenheims Stadtgeschichte historisch bedeutsame Zehntscheuer zu erhalten. Das Geschehen rund um das barocke Profangebäude war letztendlich auch der auslösende Faktor, in der Rennstadt die Geschichtswerkstatt ins Leben zu rufen. Fast auf den Tag genau trafen sich nun zahlreiche Heimatfreunde, um für die ersten zwölf Monate des Bestehens Bilanz zu ziehen und einen Ausblick auf die kommenden Jahre zu wagen.
Gleich zu Beginn seines Jahresrückblicks machte Otmar A. Geiger als Initiator und Sprecher der Geschichtswerkstatt deutlich, dass es der Initiative vor allem darum gehe, sich intensiv mit der regionalen Heimatgeschichte im Städtedreieick Hockenheim-Schwetzingen-Speyer zu beschäftigen. Ein Schwerpunkt seien dabei gezielte Forschungs- und Quellenarbeiten in Archiven, Museen und Sammlungen, eine zum Teil zeitraubende Aufgabe, die von den bereits bestehenden Heimatvereine nicht immer so fundiert vorgenommen würde. Dank der Mitarbeit von engagierten Heimatforschern aus dem Raum Hockenheim, die sich teilweise auch beruflich mit Geschichte, Archäologie, Museumsarbeit und pädagogischer Aufbereitung von historischen Themen beschäftigen, sei die Geschichtswerkstatt in der glücklichen Lage, weitere Aspekte der Geschichtsforschung abzudecken. „Wir wollen die Arbeit der Heimat- und Brauchtumsvereine ergänzen und suchen daher die Zusammenarbeit mit diesen Einrichtungen“, machte Geiger deutlich, der aber auch zugleich bedauerte, dass es gerade in der Rennstadt mit der Heimatforschung doch „sehr im Argen“ sei. Als Träger des Tabakmuseums leiste der Verein für Heimatgeschichte zwar hervorragende Arbeit, aber wenn es um die Stadtgeschichte gehe, seien so gut wie keine Aktivitäten erkennbar. „Hockenheim hat einen wirklich guten Museumsverein, aber letztendlich bleibt die heimatgeschichtliche Forschung auf der Strecke“, bedauerte Geiger. Es sei schade, dass gerade von den offiziellen Stellen so wenig Interesse an der über 1200-jährigen Geschichte zu verspüren sei. Der Sprecher der Geschichtswerkstatt nannte in diesem Zusammenhang nicht nur den zunächst absolut unsensiblen Umgang mit der Zehntscheuer, sondern auch das Verhalten der städtischen Gremien bei Bodenfunden im Bereich der Quartiersanierung zwischen Unterer Hauptstraße und Hirschstraße. Und dass der für Hockenheim so historisch bedeutsame Jahrestag des Baus der ersten steinernen Brücke und die Errichtung des Brückenheiligen Sankt Nepomuk vor 250 Jahren trotz frühzeitiger Informationen und Hinweise überhaupt nicht beachtet wurde, werfe weitere Schatten auf das Geschichtsverständnis von Stadt und Verein für Heimatgeschichte.
Dennoch dürfe man mit dem ersten Jahr des Bestehens der Geschichtswerkstatt zufrieden sei. So sei es gelungen, die Verantwortlichen und Entscheidungsträger bei der Stadt Hockenheim wenigstens soweit zu sensibilisieren, dass heute der Abriss und damit die Zerstörung der Zehntscheuer kein Thema mehr sei. Die Ankündigung von Oberbürgermeister Dieter Gummer, das historische Gebäude nach dessen Abriss in der Zähringer Straße auf dem Gelände hinter der früheren Festhalle wieder originalgetreu in der Fassadeform aufzubauen, nannte Otmar A. Geiger nicht nur einen Schritt in die richtige Richtung, sondern auch ein Hoffnungszeichen für mehr Verständnis in Sachen Stadtgeschichte. Die Anwesenden quittierten den Erhalt der Zehntscheuer mit Beifall und sahen darin zugleich auch eine Bestätigung ihrer Arbeit im vergangenen Jahr.
Die Geschichtswerkstatt Hockenheim & Umgebung wird auch 2006 die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Heimat- und Brauchtumsvereinen fortsetzen und für weitere gemeinsame Aktivitäten zur Verfügung stehen. Ebenso werden die Kontakte zum Mundartstammtisch in Reilingen, der historischen Tanzformation Il Danzatori Palatini in Hockenheim und der Nachtwaechterey zu Wersau weiter intensiv gepflegt. Die Forschungsarbeiten zur Bedeutung Hockenheims als wichtiger Transit- und Grenzort an der Handelsstraße Frankfurt-Basel werden ebenso fortgesetzt wie die spannende Erforschung der Wendelinsbruderschaft in Reilingen, und die Recherchen zu geschichtlichen Gemeinsamkeiten mit der einst freien Reichsstadt, sowie dem Bistum und Hochstift Speyer. Einbringen wird man sich zudem in die historischen Feierlichkeiten in Altlußheim und außerdem sprachen sich die Anwesenden dafür aus, sich an den regionalen Straßenfesten zur Förderung der Öffentlichkeitsarbeit zu beteiligen.
Gesprochen wurde auch über die zukünftige juristische Form der Geschichtswerkstatt. Dabei kam man überein, dass ein gemeinnütziger Verein zur Förderung von Heimatgeschichte, Brauchtum und Mundart das Ziel sein müsse.

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