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Lutherhaus bleibt Seele der evangelischen Kirchengemeinde

25.02.07 (Hockenheim)

Hockenheimer feiern Abschiedsfest für „altes“ Lutherhaus / Festgottesdienst mit zahlreichen persönlichen Erinnerungen an das fast hundertjährige Gemeindehaus
Das festliche Geläut der Stadtkirche machte am Sonntagmorgen weithin hörbar einen ganz besonderen Moment für die evangelische Kirchengemeinde deutlich. Und auch der Ort für den sonntäglichen Gottesdienst war an diesem Tag ungewohnt. Viele evangelische Christen waren nämlich in den großen Saal des Lutherhauses gekommen, um gemeinsam eine Zäsur im Gemeindeleben zu feiern. Der bevorstehende Umbau des Lutherhauses bot viele Möglichkeiten, dieses Thema auch in den Gottesdienst mit einzubringen, einen Rückblick auf das Geschehene zu werfen, Vorausblicke auf das Kommende zu wagen.Seit dem Umbau der alten evangelischen Kirche zum Gemeindehaus mit Kindergarten seien, so Pfarrer Stefan Scholpp in seiner Begrüßung, seit dem Jahre 1908 Generationen von Hockenheimer durch dieses Haus gegangen. „Hier wurde gefeiert, gestritten, versöhnt. Hier wurde das Gemeindehaus zum Haus Gottes.“
Und es waren genau die Erinnerungen von Menschen, die einst im Lutherhaus zu Hause waren, die die Vergangenheit wieder lebendig, ja sogar spürbar werden ließen. Viele Gemeindemitglieder hatten ihre ganz persönlichen Eindrücke zusammengetragen, die während des Gottesdienstes nochmals vorgetragen wurden. Für Augenblicke schien es, wieder das Lachen und Stimmengewirr aus der „Kinnerschul“ im Erdgeschoss zu vernehmen. Eine Zeit, in der alle evangelischen Kinder hierher kamen und für 50 Pfennige in der Woche von den Kindergartenschwestern betreut wurden. Scheinbar hörbar auch die Klänge aus der Musikbox im „Keller“, dem legendären Jugendtreff, der zu Beginn der 1970-er Jahre erstmals katholische und evangelische Jugendliche zur ökumenischen Jugend zusammenführte.
Viele Erinnerungen wurden lebendig, als von der einstigen „Nähschul“ erzählt wurde. Frauen hatten im Nähsaal, dem kleinen Saal im Lutherhaus, die Möglichkeit, an acht gemeindeeigenen Nähmaschinen Kleider, Hosen, Jacken oder Mäntel für sich und ihre Familie anzufertigen. Und den Mädchen und jungen Frauen wurde hier von den Nähschwestern die damals noch wichtigen Handarbeiten wie nähen, stricken, stopfen oder häkeln beigebracht. Der Frauenkreis traf sich im Gemeindehaus zu Strickabenden, der Männerkreis ging hier ein und aus. Und auch die Jungmänner- und Jungmädchenkreise waren ebenso beliebt wie die Singstunde des Kirchenchores.
Die Erinnerung prägend aber auch die bis zu acht Diakonissenschwestern, die einst im alten Schul- und Pfarrhaus hinter dem Lutherhaus lebten und die Gemeindearbeit entscheidend mitprägten. Nicht nur, dass sie sich im Kindergarten und in der Nähschule einbrachten, auch die Krankenstation war ein wichtiger Anlaufpunkt im Leben der Gemeinde. Dies vor allem in einer Zeit, als man noch nicht wegen jedem Wehwehchen zum Arzt ging, sondern sich lieber von den erfahrenen Krankenschwestern im Lutherhaus behandeln ließ.
Kein Wunder, dass bei diesen vielen persönlichen Schilderungen die Erinnerungen wach wurden an eine Zeit, als das Lutherhaus für viele Hockenheimer zur zweiten Heimat wurde.
Der Gottesdienst bot aber auch Momente der Besinnung und des Dankes. In seiner Predigt stellte Pfarrer Scholpp fest, dass er bei seinen Vorbereitungen überrascht gewesen sei, wie viele Stellen es in der Bibel gebe, die sich mit dem Thema Bauen beschäftigen würden. „Durch Weisheit wird ein Haus gebaut, und durch Verstand auch erhalten“ sei eine der Bibelstellen, die auch sehr gut auf die inzwischen 257-jährige Geschichte des Gebäudes zwischen Kirche und Lutherhauses passen würde. Bei allen Erinnerungen dürfe man aber nicht vergessen, so Scholpp weiter, dass es letztendlich die Menschen seien, die als lebendige Steine gemeinsam das Haus Gottes bilden würden.
Nach dem Gottesdienst, der von Kantor Christian Bühler am Klavier und der Evangelischen Kantorei musikalisch umrahmt wurde, ging es mit einem gemeinsamen Mittagessen in geselliger Runde bis zur Kaffeestunde weiter. Kleine Bühnenbeiträge machten dabei den Nachmittag fast zu einem „kleinen Bazar“. In zahlreichen Gesprächen wurde am Sonntagnachmittag immer wieder deutlich, dass sich betriebswirtschaftlich betrachtet, der vorgesehene Umbau vielleicht nicht lohnen und rechnen würde, da auch ein sanierter Altbau immer mehr Nebenkosten verursachen könne als ein Neubau. Aber dennoch waren sich alle Anwesenden einig, dass es die richtige Entscheidung sei, das Lutherhaus als die Seele der evangelischen Kirchengemeinde – aber auch als ein echtes Stück Alt-Hockenheim für kommende Generationen zu erhalten. Und so war es keine Frage, dass die Einnahmen des Abschiedsfestes ganz im Sinne des neu gegründeten evangelischen Kirchbau- und Fördervereins den Umbaumaßnahmen zugute kommen. Und wer wollte, der konnte auch noch einen größeren Beitrag dafür leisten und diesen in die originalgetreue Nachbildung des bisherigen Lutherhauses werfen.
Für alle andere besteht die Möglichkeit, durch die Einzahlung eines Förderbeitrags auf eines der Spendenkonten den Umbau des Lutherhauses zu unterstützen: Sparkasse Heidelberg (Konto 6092092) oder Volksbank Speyer-Neustadt-Hockenheim (Konto 775509).

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