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Neue Klänge zum Start in die Weihnachtszeit

20.12.09 (Speyer)

Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach aufgeführt / Der neue Domkapellmeister Markus Melchiori erstmals am Dirigentenpult bei einer konzertanten Aufführung im Kaiserdom / Probleme mit der schwierigen Akustik
Seit vielen Jahren gehört das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach zum musikalischen Jahr im Kaiserdom und steht für viele Menschen zugleich am Beginn der weihnachtlichen Festtage in der fast 950 Jahre alten Kathedrale in Speyer. Auch in diesem Jahr war es eigentlich wie immer: Viele ergriffene Zuhörer im nahezu voll besetztes Kirchenschiff des um diese Jahreszeit wie immer eiskalten Gotteshauses, ein exzellent aufspielendes Orchester, ein glänzend vorbereiteter Domchor und Gesangssolisten, die sich den besonderen akustischen Verhältnissen im romanischen Kirchenbau zu stellen hatten. Aber dennoch war dieses Mal alles ganz anders, irgendwie ungewohnt – und neu: Am Dirigentenpult stand nicht mehr selbstverliebt der die Dommusik der letzten 25 Jahre prägende Leo Krämer sondern ein im direkter Vergleich eher schüchtern wirkender Markus Melchiori, der neue Domkapellmeister am Speyerer Dom. Und mit ihm wurde nicht nur personell sondern auch künstlerisch-musikalisch eine deutliche Änderung der inzwischen über 1000-jährigen Musik am Kaiserdom vollzogen. Mit dem Orchester „L’Arpa Festante“ saß eines der traditionsreichsten deutschen Orchester für Alte Musik vor dem ob der neuen Töne besonders intensiv lauschenden Publikum. Auf den für die Zeit des im Barock komponierten Weihnachtsoratoriums üblichen Instrumenten bewiesen die Musiker nicht nur Virtuosität, sondern boten zugleich auch einen bisher im Dom nicht gehörten Klangcharakter: farbig, nuancenreich, sensibel, expressiv. Die dramatischen Momente der Bach’schen Komposition kamen dabei voll zum Tragen – wenn auch nur im vorderen Bereich der Bankreihen so vernehmbar. Wer im hinteren Drittel des Domes einen Platz gefunden hatte, der musste sich mit einem teilweise undefinierbaren Klangbrei auseinandersetzen. Der neue Domkapellmeister wird hier noch seine Erfahrungen mit der langen Nachhallzeit machen müssen, um dann mit dem Dom musizieren zu können, wie es sein Vorgänger ob seiner langjährigen Erfahrungen so wunderbar beherrschte. Dass der Domchor seine Wirkungsstätte bestens kennt, wurde bei seinen Beiträgen immer wieder deutlich. Trotz der personellen Reduzierung nach dem Auflösen der Chorgemeinschaft mit den saarländischen Chören von Leo Krämer bewiesen die Sängerinnen und Sänger, wie gut das Ensemble klanglich aufgestellt ist. So verstand man es, den interpretatorischen Vorgaben von Markus Melchiori folgend, dem Weihnachtsoratorium gerade auch die leisten Töne zu entlocken.
Ob der räumlichen Bedingungen nicht so leicht hatten es die Gesangssolisten. Während Anne Bierwirth (Alt) und der Bassbariton Manfred Bittner mit ihren wunderbaren Stimmen mit der klanglichen Herausforderung im Kaiserdom bestens zurecht kamen, hatte der Tenor Hansjörg Mammel da schon so seine Probleme. Als Solistin für so eine gesangliche Herausforderung gänzlich ungeeignet erwies sich dagegen die Sopranistin Katia Plaschka. Die sonst so gelobte Stimme der Ehefrau von Domkapellmeister Melchiori war vor allem im hinteren Drittel des Domes ob Zartheit nur schwer, und wenn das Orchester dazukam, leider gar nicht zu verstehen und oft nur ansatzweise zu hören. Eine Erfahrung, aus der die Protagonisten sicher lernen werden, und auch das Publikum vielleicht ein anderes Zuhören lernen muss.
Alles in allem aber war die Aufführung des Weihnachtsoratoriums – ob der neuen leiseren Töne vielleicht erst recht – eine stimmungsvolle Einstimmung auf die schönste Zeit im Jahr, was auch der dankbare und lang anhaltende Beifall deutlich bewies.

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