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Rettungskräfte auf Formel 1-Rennen bestens vorbereitet

19.06.05 (Hockenheim)

Großübung der Feuerwehren und des DRK am Hockenheimring / Südtribüne „in Flammen“ / Gelungenes Zusammenspiel der Einsatzgruppen
Ein Horrorszenario spielte sich am Samstagnachmittag im Bereich zwischen der Südtribüne und dem dahinter liegenden Gelände in Richtung Continentalbrücke ab. Im Rahmen einer besonderen Übung im Vorfeld des Formel 1-Rennens sollte nämlich unter realistischen Bedingungen das Einsatzkonzept der Feuerwehr Hockenheim für Großveranstaltungen auf dem Hockenheimring erprobt werden. Vorgegeben war ein Friteusenbrand im Bereich des Verkaufskiosks im Zwischengeschoss der Südtribüne. Da das Personal fälschlicherweise versucht hatte, diesen Entstehungsbrand mit Wasser zu löschen, setzte die dadurch verursachte Fettexplosion zu einem Brand des gesamten Kioskbereichs. Zudem verschlimmerte ein defektes Brandschott die Situation vor Ort, da sich das Feuer in den Bereich des Oberrangs der Südtribüne ausbreitete.
Die Besatzung des Feuerwehrfahrzeugs am Vorstart bemerkte den Brand, der auch über einen Druckknopfmelder Alarm im Lagezentrum am Hockenheimring auslöste.
Die Mannschaft des im Bereich der Südtribüne stationierten Löschfahrzeugs der Feuerwehr Brühl übernahm sofort die Bandbekämpfung und die Rettung der 25 durch die Explosion verletzten Personen. Dabei zeigte sich deutlich, wie wichtig Brandschutzausrüstung und –einrichtungen sind. Da diese in der neuen Südtribüne, aber auch überall im Bereich des Hockenheimsrings vorbildlich sind, gab es zunächst keine Engpässe mit der Löschwasserversorgung. Und da die Aufzüge auch als Feuerwehraufzüge besonders gesichert und geschützt sind, konnten die ersten Opfer auch relativ schnell vom Unglücksort weggeholt und den DRK-Rettungskräften zur weiteren Versorgung übergeben werden.
Da sich die Situation vor Ort weiter verschlimmerte, wurden zur Verstärkung der Einsatzkräfte an der Südtribüne die Wachmannschaften der Feuerwache Hockenheim alarmiert. Da wegen des Brands das Rennen abgebrochen wurde, war es möglich, weitere Lösch- und Einsatzfahrzeuge mit in die Übung einzubinden.
Um die Übung noch realistischer zu gestalten, wurden die Einsatzkräfte immer wieder mit Situationen konfrontiert, die bei solch einem katastrophalen Großbrand wahrscheinlich sind. So mussten sie sich mit Schaulustigen ebenso auseinandersetzen wie mit Vertretern der Medien oder Angehörigen von Verletzten und Toten. Dies bedeutete auch für das zehnköpfige Feuerwehrseelsorge-Team unter der Leitung von Detlef Meyer-Düttingdorf den vollen Einsatz, denn hier mussten die Toten aufgebahrt, Angehörige informiert und Betroffene vor Ort betreut werden.
Nicht nur wegen der hochsommerlichen Hitze kam man auch in der Einsatzleitung kräftig ins Schwitzen. Bei Michael Ernst, Gunter Wiedemann, Klaus Bertram, Norbert Schwartz und Björn Blattner liefen nicht nur alle Fäden zusammen, von hier aus mussten auch die verschiedenen Einsatz- und Rettungsmannschaften geführt und gesteuert werden. Oberbürgemeister Dieter Gummer ließ sich als oberster Dienstherr der Feuerwehr der Rennstadt durch Stadtbrandmeister Manfred Auer die einzelnen Übungsabläufe erläutern. Mit vor Ort aber auch Kreisbrandmeister Peter Michels, der noch während der Übung zu einem echten Großbrand auf die Müllumladestation nach Wiesloch gerufen wurde, zahlreiche Stadträte und Ordnungsamtsleiterin Doris Trautmann, sowie als Vertreter der Hockenheimring GmbH deren Geschäftsführer Georg Seiler, Streckenmeister Klaus Schwenninger und der Sicherheitsbeauftragte Peter Calin.
Interessant aber auch das Wirken der Sanitätskräfte. Dem DRK-Einsatzleiter Klaus Landwehr und dem Leiter der Rettungswache Hockenheim, Klaus Beß, standen im Planspiel erfahrene Notärzte ebenso zur Seite, um wie in der täglichen Praxis, die Unfallopfer in den vier Rettungswagen und fünf weiteren Fahrzeugen zunächst vor Ort zu versorgen und für den Weitertransport zu stabilisieren.
Alle Hände voll zu tun hatten auch die rund 60 Mitglieder des DRK-Ortsvereine des Kreisverbandes Mannheim, die mehrere Sanitätszelte aufgebaut hatten. Dort wurden nicht nur leichtere Verletzungen behandelt, sondern von einem Triage-Team zunächst alle eingelieferten Patienten registriert und nach einer Sichtung entsprechend von Verletzungsmuster und Behandlungsbedarf kategorisiert.
Bei der abschließenden Manöverkritik in der Fahrzeughalle der Hockenheimer Feuerwache zeigte sich Stadtbrandmeister Manfred Auer mit dem Übungsverlauf recht zufrieden. Er dankte zunächst allen Mitwirkenden für die spektakuläre Übung, die ein beeindruckendes Bild der Leistungsstärke der Hilfsorganisationen geboten habe. Die Abarbeitung des Szenarios sei beispielhaft gewesen und habe verdeutlicht, auf welche Herausforderungen heute die Rettungskräfte vorbereitet und ausgebildet sein müssen. Das Zusammenspiel der einzelnen Rettungsorganisationen habe geklappt, die Übung habe den gewünschten Lerneffekt gebracht. Jetzt müsse daran gegangen werden, den Übungsverlauf im einzelnen auszuwerten, um die entsprechenden Konsequenzen ziehen zu können. So habe die gemeinsame Großübung gezeigt, dass im Ernstfall das Funknetz im Bereich der Südtribüne der Anforderung nicht immer habe standhalten können. Dieser Zustand müsse, so Auer deutlich, unbedingt verbessert werden.
Brandmeister Michael Marquardt, der zusammen dankte den eingesetzten Kräften der Feuerwehren Schwetzingen, Neulußheim, Altlußheim, Eppelheim und Oftersheim für die Mitwirkung an einer Großübung, die von der Hockenheimer Wehr allein nie hätte durchgeführt werden können.
Und für die DRK-Mannschaften stellte Uwe Karl fest, die Übung trotz einiger erkannter Probleme gut verlaufen sei. Er lobte, wie auch viele andere offizielle Beobachter die realistische Übung, die einmal mehr gezeigt habe, dass das Zusammenwirken der Einsatzkräfte am Hockenheimring geradezu beispielhaft sei. Dennoch wünsche man sich ein solches Horrorszenario nie für den Ernstfall – auch wenn man gut darauf vorbereitet sei.

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