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Stadthistorisch wieder ein Stück reicher geworden

07.07.10 (Hockenheim)

Vom befürchteten Abriss bis zum Wiederaufbau / Die ehemalige Zehntscheune erstrahlt in neuem Glanz / Innenstadt um ein attraktives Platzensemble bereichert
Viele strahlende Gesichter wird es heute Nachmittag bei der Einweihung der neuen alten Zehntscheune geben, denn die Hockenheimer Innenstadt wurde nicht nur um ein attraktives Platzensemble bereichert, die Stadtbibliothek und das Tabakmuseum haben auch eine neue ansprechende Heimat gefunden. Zufrieden mit dem Wiederaufbau der historischen Zehntscheune dürften aber auch die Heimatfreunde und Liebhaber von Baudenkmäler in der Rennstadt sein: Ein zunächst vom Abriss bedrohtes Baudenkmal konnte als wichtiger Bestandteil der Stadtgeschichte erhalten werden. Zwar steht die Zehntscheune jetzt nicht mehr an ihrem angestammten Platz, aber das sei, so Heimatforscher Otmar Geiger, beim Anblick dieses kolossalen Gebäudes zu verschmerzen. „Viel wichtiger ist, dass wir uns heute wieder an einem historischen Gebäude erfreuen dürfen, das einst untrennbar mit dem alten Hockenheim verbunden war.“ Der neue Standort hinter den Gebäudeteilen der beiden alten Georgskirchen, dem heutigen Gemeindezentrum St. Christophorus, biete die optimale Möglichkeit, die historische Zehntscheune in ihrer ganzen Pracht und Größe zu erfassen. „Am früheren Standort wäre dies so nie möglich gewesen.“
Nur ungern erinnert sich der seit Jahren tätige Historiograph an den Heiligen Abend 2004: In einem kleinen Artikel in der Hockenheimer Tageszeitung war nämlich zu lesen, das die denkmalschutzrechtliche Genehmigung für den Abriss der Zehntscheune erteilt worden sei. Er habe dies zunächst gar nicht glauben können, so Geiger heute. Handelte es sich bei der ehemaligen Zehntscheuer doch um ein Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes, an dessen Erhaltung das Landesdenkmalamt immer wieder Interesse gezeigt hatte. Wegen des hohen Sanierungs- und Instandsetzungsbedarfs, sowie den damit verbundenen „nicht zumutbaren“ Kosten, hatte der Eigentümer der Doppelscheunenanlage im September 2004 erneut den Antrag gestellt, den mächtigen Komplexes abreißen zu dürfen. Und das Unerwartete geschah: Dem Wunsch wurde vom Landesdenkmalamt auch tatsächlich entsprochen.Die Stadt Hockenheim, die sich wiederholt mit einer künftigen öffentlichen Nutzung der Zehntscheune befasst hatte, stand vor einer neuen Situation. Anfang Dezember 2004 beschloss der Ausschuss „Technik, Umwelt und Verkehr“ des Gemeinderates, wegen der zu hohen Forderungen vom Ankauf der Zehntscheune abzusehen. Obwohl der damalige SPD-Fraktionsvorsitzende Willi Keller wegen der „historisch und heimatgeschichtlich unschätzbaren Bedeutung des Gebäudes“ einen Abriss die wohl schlechteste Lösung nannte, beschloss der Gemeinderat in seiner Dezember-Sitzung 2004, das Gebäude nicht zu erwerben. Und der frühere CDU-Stadtrat Alfred Rupp hatte auch als Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte zuvor kritisch festgestellt, dass mit dem praktizierten Verfahren der Denkmalschutz außer Kraft gesetzt werde – „wenn man das Gebäude nur lange Zeit verrotten lässt.“
Was wohl niemand erwartet hatte, trat dann ein: Der geplante Abriss der Zehntscheune schlug in der Rennstadt hohe Wellen. Schnell formierte sich der Widerstand, der seit vielen Jahren scheinbar vergessene Gebäudekomplex stand plötzlich im Mittelpunkt des Interesses. Bereits am 8. Januar 2005 trafen sich interessierte Heimatfreunde mit dem Ziel, eine Bürgerinitiative zu gründen, um die Zehntscheune vor der Abrissbirne zu bewahren. Ehe es aber dazu kam, setzte bei den Verantwortlichen dann doch so langsam ein Sinneswandel ein, so dass Alfred Rupp anlässlich der Jahreshauptversammlung des Vereins für Heimatgeschichte im Juni 2005 bereits „eine tragbare Lösung“ in Aussicht stellen konnte. Und dem war dann auch so: Anlässlich eines Vortrags beim Hausfrauenbund gab OB Dieter Gummer im Oktober 2005 bekannt, dass die Steine der historischen Zehntscheune aufgekauft, abgetragen und eingelagert werden – bis ein Platz vorhanden sei, um das Gebäude wieder aufzubauen.
Inzwischen schreiben wir das Jahr 2010 – und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit einem finanziellen Gewaltakt hat die Stadt Hockenheim letztendlich nicht nur ihr Zusage von 2005 eingehalten, die historische Zehntscheune für das Stadtbild zu erhalten, sondern mit einem Wiederaufbau auch neuen Raum für die Stadtbibliothek, das Tabakmuseum und die Vereinsarbeit zu schaffen. „Was hier geschaffen wurde, verdient aber auch den Respekt und die Anerkennung all der vielen Heimatfreunde, die sich dafür eingesetzt haben, die alte Zehntscheune zu erhalten“, zollt Otmar Geiger der „neuen“ Zehntscheune, aber auch den verantwortlichen Gremien den verdienten Beifall. „Hockenheim ist stadthistorisch wieder ein Stück reicher geworden!“ (ara)

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