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Abwechslungsreicher Ausflug in die Stadtgeschichte

18.08.05 (Hockenheim)

SZ/HTZ-Sommertour zu Gast im Tabakmuseum und der evangelischen Stadtkirche

Einen interessanten und abwechslungsreichen Ausflug in die Hockenheimer Stadtgeschichte unternahmen im Rahmen der SZ/HTZ-Sommertour Leserinnen und Leser aus dem gesamten Verbreitungsgebiet. Sie waren zu einem Besuch des Tabakmuseums in die Rennstadt gekommen, wo sie Museumsleiter Hans Christ mit der geschichtlichen Vergangenheit von Tabakanbau und –verarbeitung vertraut machte. Zunächst führte er zurück in die Zeit, als Kolumbus die ersten Tabakpflanzen aus der Neuen Welt nach Europa brachte. Noch als Heilmittel angesehen, gab es den Tabak zunächst nur in Apotheken zu kaufen, wurde „getrunken“, da der Begriff des Rauchens zunächst noch unbekannt war. In die Kurpfalz eingewanderte Hugenotten brachten dann die ersten Tabakpflanzen mit, die 1677 erstmals im Bereich Oftersheim auf den Feldern gepflanzt und geerntet wurden. Als erster Hockenheimer Tabakpflanzer habe Benedict Eustachy bereits 1718 die Grundlagen für die spätere Zigarrenindustrie gelegt.
Beim Bummel durch die neu eingerichtete Ausstellung erinnerte der Museumsleiter daran, dass es schließlich Ludwig Piazolo und Karl Ickrath zu verdanken sei, dass 1860 in Hockenheim die erste Zigarrenfabrik gegründet wurde. Welche Bedeutung dieser Gewerbezweig für die junge Stadt hatte, wurde darin deutlich, dass in den “Goldenen Zwanziger Jahren” des vorigen Jahrhunderts weit über 2 000 Männer und Frauen in 28 Zigarrenfabriken arbeiteten, zu denen sich noch zahlreiche Kleinbetriebe und Heimarbeiterinnen gesellten. Diese große Zahl an Arbeitsplätzen überraschte dann doch die Sommertour-Teilnehmer, denn in keiner der benachbarten Städte und Gemeinden gab es mehr.
Faszinierend auch der Blick auf die vielen Exponate, die in sechs Abteilungen ein umfassendes Bild vom Tabak, seiner Kultur und Verarbeitung bieten. So richtig „hoggemerisch“ wurde es für die Besucher in der „Straße des Tabaks“. Maschinen, Waagen, Modelle und viele andere technische Hilfsgeräte zeigten hier den Weg des Tabaks vom Anbau und der Ernte über Trocknung bis hin zum Verkauf und die Fermentierung auf.
Wenige Schritte weiter weckten derbe Arbeits- und Wickeltische, Formen und Pressen Erinnerungen an die Zigarrenfertigung im 19./20. Jahrhundert.
Auf großes Interesse stieß beim weiteren Rundgang durch das Tabakmuseum die Erinnerungen an das Leben und die Lebensbedingungen der alten Hockenheimer um 1900. Neugierig bestaunten Ann-Kathrin (12) und Marie-Sophie (5) aus Brühl die aufgebaute Arbeiterküche aus dieser Zeit, in der es nach heutigen Vorstellungen unsagbar karg und ärmlich zuging. Diese Lebensverhältnisse und die schwere Arbeit in den Zigarrenfabriken führten im weiteren Verlauf der SZ/HTZ-Sommertour immer wieder zu Nachfragen der Besucher oder zu Diskussionen untereinander. Dabei wurde positiv vermerkt, dass in der Ausstellung die nicht einfachen Lebensumstände nicht zu sehr zu glorifiziert, sondern auch die sozialen Aspekte der Arbeitswelt vor rund 100 Jahren deutlich aufgezeigt werden. „Ich hätte nicht erwartet, dass im Hockenheimer Tabakmuseum so umfangreich, aber dennoch gut nachvollziehbar die Geschichte des regionalen Tabakanbaus und der Zigarrenindustrie dargestellt wird“, stellte Klaus Münd aus Reilingen anerkennend fest.
Nach der Vorstellung der verschiedenen Veredelungsarbeiten an einer Zigarre warfen die Besucher noch einen Blick in die Abteilung „Hockenheim im Wandel“, die den Weg der Stadt von der Zigarrenmetropole zur Rennstadt aufzeigt.
Abgerundet wurde der Ausstellungsbesuch mit den „Accessoires“ rund um das Rauchen, Schnupfen und Kauen von Tabak, sowie dem Stolz des Tabakmuseums, der ansehnliche Pfeifensammlung.
Wer beim Betreten des Tabakmuseums vom ersten Eindruck vielleicht enttäuscht war, zeigte sich nach dem Betrachten aller Ausstellungsstücke aber überrascht, wie schnell doch die Zeit beim Bummel durch die Geschichte vergehen kann. „Das neu gestaltete Museum beweist eindrucksvoll, wie abwechslungsreich man sich mit der Erinnerung an eine längst vergangene Zeit beschäftigen kann“, für Hermann Wehrle aus Ketsch Grund genug, die Ausstellung nochmals zu besuchen.
Hans Christ wäre nicht Hans Christ hätte er am Donnerstagnachmittag nicht noch ein stadtgeschichtliches Schmankerl für die SZ/HTZ-Leserinnen und –leser parat gehabt. Er lud zum Besuch der evangelischen Stadtkirche ein, wo er nicht nur das bemerkenswerte Bauwerk im Herzen der Rennstadt vorstellte, sondern auch einen Blick in das historische Uhrwerk im Kirchturm ermöglichte.
Am Ende der Sommertour durch Tabakmuseum und Stadtkirche waren alle Teilnehmer nicht nur begeistert sondern auch positiv überrascht, dass Hockenheim weit mehr zu bieten hat als nur Motorsport oder Badefreuden im Aquadrom.

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