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Als das "1735" noch das "Schiff" war

18.02.06 (Landschaft & Orte)

Die abwechslungsreiche Geschichte einer der ältesten Speyerer Gaststätten
Eines ihrer ältesten Anwesen der Stadt ist das „1735“ (Haus Rheintorstraße 5) – älteren Speyerern als Gaststätte „Zum Schiff“ bekannt. Es hat eine reiche, an seinem Anfang allerdings auch eine etwas diffuse Geschichte.
Dem Stadtarchiv ist zu entnehmen, dass „1735“ nicht exakt auf das Baujahr hindeutet. Unklar ist auch, ob an dieser Stelle vor dem großen Stadtbrand von 1689 ein Haus, oder gar eine Gastwirtschaft stand. Letzteres hätte sich zur damaligen Zeit geradezu angeboten: Endete doch Rheintorstraße dort am heutigen Schillerweg, wo früher das Kühtor, später das Rheintor der Stadtbefestigung stand. Durch dieses Tor kamen alle, die den Rhein aus Richtung Ketsch überquert hatten. Es ist anzunehmen, dass auch durstige Reisende darunter waren …
Jedenfalls befand sich an der Stelle dieses Eckhauses in der Rheintorstraße noch 1716 ein Garten. Er gehörte der Stadt, deren Finanzverwaltung (Schoßamt) ihn an Philipp und Bartel Lahr verpachtete und 1724 an Johannes Fischer verkaufte. Der errichtete darauf irgendwann ein Haus, das später eine Wirtschaft beherbergte, die schon im 18. Jahrhundert als „Zum Schiff“ bekannt war. Der rückwärtige, an der Hasenpfuhlstraße gelegene Anbau kam erst 1875 dazu.
Der als Schiffer tätige Heinrich Fischer, Sohn des Bauherrn und wahrscheinlichen Wirts Johannes Fischer, verfügte am 19. September 1740 testamentarisch, dass nach seinem Tod seine Frau in dem Haus wohnen bleiben darf, und zwar unentgeltlich. 20 Jahre später starb Heinrich Fischer, der Wert des Anwesens wurde auf 1788 Gulden geschätzt. Doch als die Erben der verstorbenen Witwe Fischer 1969 das Haus versteigern ließen, erhielten sie nur 1200 Gulden.
Ersteigert hatte das Gebäude der Kaminfeger Johann Georg Walther, seine Witwe Maria Dorothea gab es 1775 ebenfalls einer Versteigerung frei. Für diesmal 1223 Gulden ging das Haus nunmehr an den Schiffer Peter Banspach, der schon den daneben liegenden Garten besaß.
Schiffer Banspach erlitt 1785 finanziell Schiffbruch, er war bankrott. Im Jahr darauf kam das Anwesen neuerlich unter den Hammer, der Kollege Friedrich Villmann erwarb es für gerade mal 1000 Gulden. Nur, um es bereits 1787 wieder zu veräußern – für wiederum 1000 Gulden an den Küfermeister Johann Georg Vehing.
Nunmehr scheint die Sache „wirtschaftsmäßig“ zu werden. Zwar ist nicht klar, ob schon jener Küfer in seinem Haus eine Gaststätte eröffnet hatte, doch sicher ist, dass der ihm folgende neue Besitzer, der Brauer Johann Georg Weiß (er hatte die Baulichkeit 1790 für 1250 Gulden gekauft), auch als „Schiff“-Schankwirt tätig war.
Doch das Haus Rheintorstraße 5 kam nicht zur Ruhe. 1809 verkaufte es Weiß an Wendelin Bürkel, der ebenfalls Schiffer war und das „Schiff“ nebenher führte. So verfuhr auch Nachfolger Wendelin Haßelberger, ab 1840 als Hauseigener geführt. Dessen Erbe Bernhard Liebmann verpachte die Wirtschaft 1866 an den Schiffer Johann Sander, der einige Jahre später dann das ganze Haus erwarb.
Dessen Witwe, danach sein Sohn Karl und dann wiederum dessen hinterbliebene Ehefrau führten die „Schiff“-Tradition fast ein Jahrhundert fort. Das Anwesen wurde 1982 generalüberholt und ging an das Frankenthaler Brauhaus über. Von dort kam es an den Gastronomen Merche, 1997 an Michele Papantuono und „Mike“ Aghaei. Papantuonos Anteil erwarb im Jahr 2005 der Speyerer Thomas Bubel.
DIE RHEINPFALZ
Speyerer Rundschau – Wolfgang Kauer
18. Februar 2006

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