Kurpfalz Regional Archiv

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Am Ostersonntag ging der Krieg zu Ende

08.04.10 (Hockenheim)

„Festung Hockenheim“ unter Beschuss / Brücken werden gesprengt / Sieben Panzer kurz vor Schluss noch zerstört / Amerikanische und französische Truppen treffen erstmals östlich des Rheins aufeinander
Kurz vor Ostern 1945 zeigte sich das Wetter mit frühsommerlichen Temperaturen auch in Hockenheim von seiner besten Seite. Doch den Menschen war vor fast genau 65 Jahren nicht nach Frühlingsgefühlen zumute. Der zweite Weltkrieg neigte sich in Riesenschritten seinem Ende zu, die Armeen der Alliierten rückten unaufhaltsam in Richtung Rhein vor. Fast ununterbrochen flogen die leichten Jagdflugzeuge Angriffe auf Städte und Dörfer der Region. Fliegeralarm war tags und nachts, das Motorengedröhn der Bomber war besonders bei Angriffen auf Stuttgart, Heilbronn, Pforzheim oder Mannheim schon fast zur Gewohnheit geworden. Direkte Angriffe auf Hockenheim und die benachbarten Gemeinden waren aber etwas Neues. Wegen der immer wieder zurückkehrenden Tiefflieger gaben Pioniere der SS-Division „Götz von Berlichingen“ zwar das Sprengen der Kraichbachbrücken in und um Hockenheim auf, aber letzte Verbände der abrückenden Wehrmacht sprengten dann doch noch die Kraichbachbrücke an der Umgehungsstraße (spätere B 36) sowie die Überführungsbrücke über die Rheintalbahn. Die Angriffe während der Karwoche 1945 forderten noch einmal zahlreiche Opfer, Kinder, die mit weggeworfener Munition und Handgranaten hantierten, wurden getötet oder schwer verletzt.
Die Amerikaner hatten am 28. März Speyer eingenommen und beschossen von dort aus die deutsche Artillerie, die sich teilweise in die Wälder um Hockenheim, Reilingen und Altlußheim zurückgezogen hatte. In der Stadt wurden eilig Panzersperren errichtet. Diese lagen vor allem in der Karlsruher, Untere Haupt-, Schul-, Heidelberger und Parkstraße. Am Waldrand wurden Schützengräben ausgehoben. Hockenheim war zum Kriegsschauplatz geworden.
Der „Kampf um Hockenheim“ (so der Wehrmachtsbericht im Großdeutschen Rundfunk vom 26. März 1945) erlebte in der Karwoche 1945 seinen Höhepunkt. Die eigentliche Beschießung der Stadt begann am Palmsonntag (25.März) nachts gegen 22.30 Uhr. Ununterbrochen wurde aus den Stellungen zwischen Speyer und Germersheim in Richtung Hockenheim gefeuert. Da es keine Schutzbunker gab, drängten sich die Hockenheimer in den Kellergewölben unter dem Rathaus, der Georgskirche, dem katholischen Pfarrhaus oder anderen Gebäuden. Der Beschuss mit Granaten führte dazu, dass fast alle Fenster der beiden Kirchtürme durchlöchert waren und in einer Seitenmauer des katholischen Pfarrhauses ein großes Loch klaffte. Im ganzen Stadtgebiet wurden Einschüsse registriert, viele Häuser und Dächer beschädigt oder teilweise zerstört.
Nachdem die Rheinbrücke am 22. März 1945 von deutschen Pionieren gesprengt worden war, wurden Pontonbrücken auf dem Strom gebaut, um den Panzer der 7. US Armee die Überquerung im Morgengrauen des 30. März zu ermöglichen. Panzerverbände rückten aus Richtung Talhaus kommend auf Hockenheim vor. Dem Geschützführer der Panzerabwehrkanone am Ende der Heidelberger Straße, Leutnant Mewes, gelang der Abschuss mehrer amerikanischer Panzer, worauf sich die Alliierten wieder in Richtung Talhaus zurückzogen.
Einige Hockenheimer Buben näherten sich neugierig dem „Ami“ und nahmen aus dem Panzer Schokolade und alles Essbare mit. Dass sie den gefallenen amerikanischen Soldaten auch noch die Uhren wegnahmen, führte nach der Besetzung der Stadt zu einer heiklen Situation, denn US-Offiziere forderten unter Androhung der Erschießung der jugendlichen Täter diese persönlichen Gegenstände zurück.
In den frühen Morgenstunden des 31. März, es war Karsamstag, überquerten die Alliierten auf breiter Front den Rhein und rückten bei nur noch geringer Gegenwehr vorwärts. Mit Angst erwarteten die Menschen die Amerikaner, die sich aber mit der Besetzung Hockenheims noch etwas Zeit ließen. Nachdem sich auch die letzten Wehrmachts- und SS-Kampfgruppen in Richtung Odenwald abgesetzt hatten, war es am Ostersonntag soweit: Vom Talhaus, aus Richtung Altlußheim und vom Insultheimer Hof her kommend, rückten die GIs in Hockenheim und den umliegenden Gemeinden ein. Panzerspähwagen voraus durchkämmten Infanterieeinheiten der 7th US-Army die Straßen, Scheunen und Gärten, wenig später auch das Rathaus. Als sie wieder heraus kamen, hatten einige Soldaten die dort gefundenen Hakenkreuzfahnen um den Bauch gebunden. Hitler-Bilder wurden zerstört, verdächtige Personen festgenommen.
Diese Aktionen wurden von den französischen Truppen fortgesetzt, die nach dem Abzug der amerikanischen Kampfverbände in die Stadt einrückten und diese für einige Wochen besetzt hielten. Vor allem die algerischen und marokkanischen Truppenteile, mehr noch aber die unter der französischen Fahnen kämpfenden Fremdenlegionäre (darunter überraschenderweise auch viele Deutsche) sorgten mit ihren Plünderungen und Übergriffe auf die Zivilbevölkerung für ein wildes Durcheinander. Die schwere Nachkriegszeit hatte nun auch für Hockenheim begonnen.

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