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Ein Fastnachtsumzug (fast) wie aus dem Bilderbuch

03.02.08 (Hockenheim)

49. Hockenheimer Fastnachtszug lockte Tausende in die Rennstadt / Fast 3.000 Teilnehmer / Kunterbunte Vielfalt – aber der Umzug wird immer „schwärzer“ / Unschöne Randerscheinungen
Bei Sonnenschein von einem nahezu strahlend blauen Himmel, aber eisiger Kälte im Schatten der Häuser zog am Samstagnachmittag der 49. Hockenheimer Fastnachtszug durch die Straßen der Rennstadt. Zweieinhalb Stunden lang wurde den vielen Tausend Zuschauern entlang des Zugwegs eine närrische Vielfalt geboten, die von traditionellen Zunftgruppen über den bekannten kurpfälzischen Gruppen-Wagen-Mix bis hin zur vermummt-schwarzen Fasnacht der Teilnehmer aus dem Bruhrain reichte. Trotz der 96 Programmnummern mit 30 zum Teil phantasievoll geschmückten Wagen, 26 Fußgruppen, 14 Kapellen und Guggemusiken, sowie zehn Karnevalsgesellschaften mit gleich fünf Lieblichkeiten und noch mehr Gardemädchen gelang es Zugmarschall Werner Benz, den närrischen Lindwurm ohne allzu große Unterbrechungen durchzubringen. Naturgemäß kamen die knapp 3000 Teilnehmer an der farbenfrohen Narrenparade vor allem zwischen Fortunakreuzung und Marktplatz eher im Zeitlupentempo voran. Wie schon in den Jahren zuvor hatten sich in diesem Bereich die meisten Zuschauer versammelt. Teilweise in Zehnerreihen standen die Menschen dicht gedrängt am Straßenrand, nutzten die Stufen vor der Georgskirche als Naturtribüne oder verfolgten auf der Tribüne am Rathaus das Spektakel. Hierhin hatte Oberbürgermeister Dieter Gummer auch zahlreiche Ehrengäste eingeladen, unter ihnen die Bürgermeister der Nachbargemeinden, Abgeordnete von Bundes-, Land- und Kreistag, ehemalige und aktive Gemeinderäte.
Bunt kostümiert verfolgten sie den Fastnachtszug und taten es dabei den vielen Zuschauern am Wegesrand gleich, die ebenfalls in großer Zahl in den verschiedensten Narrenkostümen gekommen waren. Schön auch, dass sie nicht nur den Umzug einfach an sich vorbeilaufen ließen, sondern selbst aktiv wurden. Überall wurde gesungen und geschunkelt, in vielen Toreinfahrten fanden geplante Umzugsfeiern oder auch spontane Partys statt. Gefeiert wurde aber auch am Straßenrand – und das mit viel Alkohol. Auffallend dabei vor allem die Gelage von immer jünger werdenden Zugbesucher. Die Folgen waren dann auch unübersehbar: betrunkene Jugendliche, ein Sammelsurium an leeren Flachmänner, Bier-, Schnaps- und Sektflaschen, Handgreiflichkeiten und Schlägereien. Für die eingesetzten Polizeibeamten und Ordnungskräfte zwar kein besonders aufregender Umzugsnachmittag, aber dennoch mussten immer wieder aufkommende Schlägereien und Pöbeleien unterbunden werden.
Ob der 49. Hockenheimer Fastnachtszug nun ein besonders schöner war, wird wohl auf den Geschmack jedes einzelnen Zuschauers angekommen sein. Und da die Geschmäcker bekanntlich so verschiedenen sind wie die Vielfalt der Musik, die während der Narrenparade zu hören war, sollte jeder die Qualität der 49. Auflage der fastnachtlichen Traditionsveranstaltung an seinen eigenen Maßstäben messen. Festzustellen ist in diesem Zusammenhang aber eine deutliche Zunahme an „schwarzen“ Gruppen. Immer mehr Zugteilnehmer, allen voran natürlich die 30 Gruppen aus dem Bruhrain, kommen mit schwarz geschminkten Gesichtern und „Kostümen“, die selbst in einer Altkleidersammlung keine Chance mehr hätten. Und bei den so genannten Motivwagen reicht es inzwischen aus, eine möglichst große Zahl hüpfender Menschen zu haben, die zu nicht immer besonders leisen Musik mehr oder minder gröhlen. Dass es aber auch anders geht, bewiesen die katholische Jugend und die Jugendfeuerwehr aus Hockenheim. Während die einen feststellen, dass in der Rennstadt nichts los sei, kritisierten die anderen die immer weiter steigenden Benzinpreise. Einfallsreich, farbenfroh und bizarr aber auch viele andere Gruppen, so dass sich letztendlich der diesjährige Fastnachtszug vor denen der Vorjahre nicht zu verstecken brauchte.

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