Kurpfalz Regional Archiv

Geschichte(n) und Brauchtum aus der (Kur-)Pfalz

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Ein ständiger Wechsel der Religionen

17.11.98 (Glaube & Religion)

„Bevor wir abreisten, ließ uns der Magistrat sein Beileid
ausdrücken und dankte für den Unterricht, den wir der Jugend
erteilt hätten, und für die Unterweisung des Volkes in der
Predigt. … Bei den Protestanten sah man kein Zeichen von Freude
und Jubel, wohl aber des Bedauerns.“ So erlebten die Jesuiten
ihren Abschied 1649 von Heidelberg nachdem der Westfälische
Frieden zu Münster dem unheilvollen Dreißigjährigen Krieg
zwischen den Protestanten und Katholiken ein Ende gesetzt hatte.

Bereits 1622 hatte die katholische „Liga“ unter Tilly die
kurpfälzische Residenzstadt erobert. In dem Sieg über die
Kurpfälzer sahen Kaiser Ferdinand, die Spanier und Bayern ein
Zeichen Gottes zur Wiedereinführung der katholischen Religion an
Rhein und Neckar. Konsequenz wurde die Gegenreformation
vorangetrieben. Da Bevölkerung aber nur widerwillig der
religiösen Umerziehung folgte, mußten 1629 rigorose Maßnahmen
ergriffen werden: die Menschen wurden zum katholischen
Gottesdienstbesuch gezwungen.

Mit der Rekatholisierung wurden die Jesuiten betraut. Bereits
1624 hatten sie eine kleine Privatschule für zunächst 25 Kinder
eingerichtet. Bereits vier Jahre später hatte sich daraus ein
Vollgymnasium entwickelt. 1629 konnte auch der Lehrbetrieb der
Universität wieder in Betrieb genommen werden. Die Jesuiten
bekamen die theologische und philosophische Fakultät übertragen.
Trotzdem konnte der Lehrbetrieb nicht vollständig aufgebaut
werden, denn 1633 eroberten die Schweden die Kurpfalz mit
Heidelberg für die protestantische „Union“ zurück.

Nach der Rückeroberung durch bayerische Truppen setzten die
Jesuiten 1635 ihre Arbeit fort. Wegen der dauernden Kriegsunruhen
gelang es nicht mehr, den Universitätsbetrieb vollständig
aufzubauen. Lediglich das Gymnasium konnte bis 1640 wieder mit
den üblichen fünf Klassen aufgebaut werden. Im gleichen Jahr ging
an Maximilian von Bayern die Nachricht, daß sich „kaum der dritte
Theil realiter und im Herzen katholisch befindet“.

Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde die Pfalz 1649 dem
calvinistischen Pfalzgrafen Karl Ludwig wieder übergeben. Die
Jesuiten verließen wieder Heidelberg und ließen eine nicht
unbedeutende katholische Minderheit zurück. Ihre Gottesdienste
durften sie in Privatwohnungen feiern, auch der Besuch eines
öffentlichen Gottesdienstes in Handschuhsheim wurde erlaubt.
Dennoch nahm die Zahl der Katholiken ständig weiter ab.

Mit Kurfürst Karl II. (16801685) starb die reformierte Linie
PfalzSimmern aus. Dieser folgte die katholische Linie
PfalzNeuburg mit dem Kurfürsten Philipp Wilhelm (16851690).
Dieser rekatholisierte die Kurpfalz erneut, jedoch ohne Nachteile
für die Reformierten und Lutheraner. Der Herrscher rief 1686 die
Jesuiten nach Heidelberg zurück und erregte die Gemüter, als er
eine feierliche Fronleichnamsprozession genehmigte und daran
sogar noch selbst teilnahm. Der neue Landesherr war um religiösen
Ausgleich und Gewissensfreiheit bemüht, aber seine Gunst galt
klar den Katholiken.

Als 1693 die Kurpfalz und Heidelberg im Pfälzischen Erbfolgekrieg
von den Truppen Ludwig XIV. besetzt und zerstört wurden, mußten
die Jesuiten erneut aus der Residenzstadt fliehen. Erst nach dem
Frieden von Rijswijk konnten sie 1697 in die Stadt zurückkehren.
In den folgenden Jahren kamen immer mehr Katholiken zurück in die
Kurpfalz und siedelten so auch in Heidelberg. 1700 kamen der
kurpfälzische Hof und die Regierung wieder von Düsseldorf zurück
an den Neckar. Kurfürst Johann Wilhelm öffnete alle Kirchen in
der Pfalz zum gemeinsamen Gebrauch durch Katholiken, Reformierte
und Lutheraner. Nach dem Einrichten der Simultankirchen
verkündete er 1701 erstmals im deutschen Reichsgebiet
Gewissensfreiheit und öffentliche Religionsausübung für alle
Konfessionen und gewährte damit volle Freiheit der
konfessionellen Entscheidung.

In der Pfälzischen Religionsdeklaration von 1705 teilte der
Kurfürst die Kirchen und das Kirchenvermögen im Verhältnis 5:2
zwischen Reformierten und Katholiken. Die Heiliggeistkirche in
Heidelberg wurde wie viele andere Kirchen in der Kurpfalz durch
eine Scheidemauer geteilt. Der konfessionelle Gegensatz war in
der Kurpfalz nahezu identisch mit dem sozialen Gegensatz zwischen
besitzenden und auch besser gebildeten Reformierten und den armen
ungebildeten Katholiken. Ihnen wandte sich nun die alle Formen
der Volksfrömmigkeit fördernde Seelsorge der Orden und die Gunst
des Kurfürsten zu.

Neben den Jesuiten kamen die Franziskaner, Kapuziner, Karmeliter,
Dominikaner, AugustinerChorfrauen und Dominikanerinnen nach
Heidelberg, wo um 1720 unter 400 reformierten und 200
lutherischen auch 180 katholische Familien lebten.

Quelle: unbekannt

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