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Österliche Botschaft gegen Terror und Gewalt

16.04.06 (Speyer)

Beeindruckende Gottesdienste im Kaiserdom und der Gedächtniskirche / Deutliche Worte von Bischof Dr. Anton Schlembach und Kirchenpräsident Eberhard Cherdron / Musikalische Akzente gesetzt
Die Feier der Osternacht gilt als der Höhepunkt des Kirchenjahres und gehört seit Generationen zu den ganz besonderen Ereignissen im altehrwürdigen Kaiserdom zu Speyer. Auch in diesem Jahr strömten die Menschen aus allen Himmelsrichtungen in den romanischen Kirchenbau, so dass viele Gottesdienstbesucher mit Stehplätzen vorlieb nehmen mussten. Gekommen waren nicht nur die Katholiken aus der Diözese Speyer, sondern auch viele Gläubige aus dem ehemaligen Teil des einstigen Fürstbistums auf der badischen Rheinseite. Und auch in diesem Jahr kamen einige Gottesdienstbesucher eigens aus Niedersachsen und der Schweiz angereist, um bereits zum wiederholten Mal an der Osternachtsfeier im Dom teilzunehmen.
Begonnen hatte der feierliche Gottesdienst mit der Weihe des Feuers und der Osterkerze durch Bischof Dr. Anton Schlembach in der Dom-Vorhalle. Anschließend wurde das Licht in das Gotteshaus gebracht, wo schließlich viele hundert Kerzen den bis dahin dunklen Kirchenraum erhellten. Für einen weiteren stimmungsvollen Lichteffekt sorgte Domschweizer Bernhard Volk, als er beim „Gloria“ mit Scheinwerfern in langsamer Steigerung das Dominnere ausstrahlte.
Nach der von der Schola Cantorum Saliensis musikalischen gestalteten Wort- und einer stimmungsvolle Tauffeier klang mit dem vom Domchor und den Dombläsern eine eindrucksvolle Osternachtfeier aus, die viele Gottesdienstbesucher sichtlich berührte.
Das Pontifikalamt am Ostersonntag wurde geprägt von der “Spatzenmesse” von Wolfgang Amadeus Mozart, die der Domchor, Gesangssolisten und das Festivalorchester „Dom zu Speyer“ unter der Leitung von Domkapellmeister Professor Leo Krämer zu Gehör brachten. In seiner Predigt nannte Bischof Dr. Anton Schlembach diesen begnadeten Komponisten als das Beispiel eines österlichen Menschen. “Mozarts Musik ist eine österliche Hoffnungsmusik, die das Negative der Wirklichkeit nicht ausschließt, aber unterfängt, umgreift, übertönt.” Überhaupt gebe es seit Ostern für Hoffnungslosigkeit und Verzweifelung keinen Platz mehr. Wo die Auferstehungsgewissheit lebendig sei, bestimme sie das ganze Leben, machte der Diözesanbischof deutlich. „Menschen machen sich das Denk- und Lebensmuster, den way of life Jesu, zu Eigen.” Von Jesus motiviert, mühten sie sich um Frieden und Gerechtigkeit, um eine menschendienliche Politik und Wirtschaft, um Ehe, Familie und eine wertebezogene Erziehung. Hingegen seien Terrorismus und Krieg, Vermarktung des gesamten Lebens, Diesseitsverfallenheit, Egoismus, Gewalt an Schulen und in der Gesellschaft, Hass und Treulosigkeit in allen Formen, Intoleranz und Gottvergessenheit unösterlich und antiösterlich, kritisierte der Bischof.
Die Kombination der mit Bedacht gewählten Predigtworte, die besondere Stimmung des Osterfestes und gewiss auch die zu Herzen gehende Musik verfehlte nicht ihre Wirkung auf die mehr als 2 000 Gottesdienstbesucher im überfüllten Kaiserdom, unter ihnen auch Altbundeskanzler Dr. Helmut Kohl.
Äußerlich sicher weitaus sachlicher, aber nicht weniger stimmungsbetont der Festgottesdienst der evangelischen Christen aus der ganzen Region in der Gedächtniskirche. Wie sein katholischer Kollege machte auch Kirchenpräsident Eberhard Cherdron in seiner Predigt deutlich, dass sich die Osterbotschaft gegen jede Form von Terror, Grausamkeit und Missachtung des Lebens richte. Der Osterglaube sage, dass Gott der Herr über Leben und Tod sei, seine Herrschaft vor dem Tod aber nicht halt mache. „Gott regiert mit Gnade und mit Liebe, nicht mit dem Tod.“
Die dem Leben feindlichen Mächte „dieser Welt nutzen die Drohung mit dem Tod, bei Geiselnahmen und Terroranschlägen als ihr Macht- und Erpressungsmittel.“ Als einzig wirkliche Macht gelte ihnen die über Leben und Tod. „Als souverän gilt, wer töten kann.“ Christlicher Glaube müsse sich allen Versuchen widersetzen, den Tod zum Drohmittel zu machen, betonte der pfälzische Kirchenpräsident. Die Vernichtung des Lebens könne der Gerechtigkeit niemals zu Durchbruch verhelfen. Schon die Drohung mit dem gewaltsamen Tod müsse geächtet werden. „Gott will das Leben, nicht den Tod“, machte Cherdron die Bedeutung der Osterbotschaft deutlich.

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