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Tolle Aussichten und eine Entschuldigung

04.02.07 ("Hoggemer Perspektiven", Hockenheim)

Hoggemer Perspektiven (16)
Wenn man einen Fehler macht oder eine fehlerhafte Information weitergibt, dann muss man dies eingestehen und sich dafür auch entschuldigen. Und das tue ich an dieser Stelle ohne wenn und aber, denn nach weiteren Recherchen (die zum damaligen Zeitpunkt nicht notwendig schienen) in Sachen „Alte Post“ hat sich herausgestellt, dass die zunächst erhaltenen Informationen teilweise unrichtig, bzw. falsch interpretiert waren (HOCKENHEIMER WOCHE vom 17.1.2007). Nach dem aktuellen Bebauungsplan, dem gleichen übrigens, wie er bereits dem Gutachten zur Zwangsversteigerung beilag, sollen die Gebäude nämlich nicht abgerissen, sondern in die geplanten Neubauvorhaben integriert werden.
Dass an dieser Stelle endlich auch einmal von echten Hoggemer Perspektiven geschrieben werden kann, ist der mutigen Entscheidung des Hockenheimer Gemeinderates zu verdanken, der sich in seiner jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit (lediglich die beiden FDP-Vertreter stimmten aus finanziellen Gründen dagegen) dafür aussprach, die historische Zehntscheune auf dem Gelände hinter der ehemaligen Festhalle wieder aufzubauen. Damit hat sich im Parlament der Großen Kreisstadt in den letzten zwei Jahren ein Stimmungswandel vollzogen, denn noch im Dezember 2004 hatte sich kein Widerspruch erhoben, als der historische Scheunenkomplex mit seinen markanten Doppelgiebeln noch abgerissen werden sollte. Ob dies nun in einer „Nacht- und Nebel-Aktion“ zwischen Weihnachten und Dreikönig 2005 „ohne große Öffentlichkeit“ geschehen sollte (was natürlich von OB Dieter Gummer vehement bestritten wird) – darüber wollen wir ab sofort nicht mehr reden. Mit Sicherheit ist es aber dem sofortigen Widerstand einiger Heimat- und Denkmalfreunde in der Stadt zu verdanken, dass der vorgesehene Abriss laut und deutlich in die Öffentlichkeit getragen wurde – und damit die verschiedensten Reaktionen und mit der Zeit auch ein Umdenken ausgelöst wurde. Ich darf an dieser Stelle jedenfalls meiner echten Freude Ausdruck verleihen, denn mit dem Erhalt der alten Zehntscheune bleibt nach dem Wiederaufbau an anderer Stelle (womit man auch als Heimatfreund sehr gut leben kann) ein Stück Hockenheimer Vergangenheit bestehen. Und ob auch wirklich alle abgetragenen Sandsteine, Biberschwanzziegel, Holzbalken oder einst geschmiedete Nägel noch vorhanden sind und für den Aufbau verwendet werden können, sollte spätestens beim Betrachten der Baupläne des Stadtbauamtes nicht mehr von vorrangigster Bedeutung sein. Was aber nicht heißt, dass das „Nutzen“ von Bauteilen an einem anderen Ort Sinn und Zweck des Abtragens gewesen sein soll.
Nicht nur die aufgezeigten Pläne und Computersimulationen der neuen Zehntscheune bieten tolle An- und Aussichten, auch die vorgesehenen Nutzungsmöglichkeiten stimmen erwartungsfroh. Mit der Stadtbibliothek und dem Tabakmuseum sollen nicht nur zwei wichtige Einrichtungen der Rennstadt in den neuen Gebäudekomplex umgesiedelt werden, sondern auch die Möglichkeit zu einem echten Kommunikationsmittelpunkt im Herzen der Stadt. Der Gedanke ist reizvoll, dass hier zwischen Kraichbach, ehemaliger Festhalle, dem gotischen Glockenturm der alten Georgskirche und Zehntscheune auf dem Bereich des historischen unteren Freihofes vielleicht wirklich einmal der gemütliche (Markt-)Platz im Herzen der Stadt entstehen könnte, was mit dem bisherigen Marktplatz so nicht möglich wurde.
Dies natürlich auch vor dem Hintergrund betrachtet, dass mit der dann vorgesehenen Verlängerung der Unteren Mühlstraße bis direkt zum Messplatz und dem Bau einer neuen Kraichbachbrücke weitere innerstädtische Veränderungen anstehen, die Hockenheim nur gut tun können. Außerdem sei daran erinnert, dass der bisherige Kraichbachverlauf sowie der Mühlenkanal aufgelassen und durch ein neues, naturgemäßes Bachbett ersetzt werden.
Fast käme man dazu, dies alles als einen echten Grund anzusehen, wieder einmal eine (kleine) Landesgartenschau in die dann (zumindest in diesem Bereich) Große Kreisstadt zu holen. Alles in allem tolle Aussichten, die es jetzt gilt, umzusetzen. Und wenn dann bei den Baumaßnahmen auch noch ein bisschen Zeit und Geduld übrig bleiben, um den geschichtsträchtigen Untergrund (schließlich lag in diesem Bereich die Urzelle für das spätere Hockenheim) einer etwas genaueren Beobachtung zu unterziehen … – dann kann ich in diesem Sinne wirklich eine schöne Woche wünschen.
Otmar A. Geiger

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