Kurpfalz Regional Archiv

Geschichte(n) und Brauchtum aus der (Kur-)Pfalz

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Besuch des Königs als großes Familienfest

11.05.07 (Geschichte allg., Städte & Gemeinden)

Erinnerungen an den Besuch von Bayerns König Maximilian I. Joseph in der Pfalz im Jahre 1816
Wie man sich im noch jungen bayerischen Rheinkreis trotz vieler Widrigkeiten wohl zu arrangieren verstand, zeigte sich am 22. Juni 1816 als König Maximilian I. Joseph ankündigte, die durch sein „Besitzergreifungspatent“ vom 30. April 1816 neugewonnenen Landesteile links des Rheins besuchen zu wollen. Die Reise wurde zur Triumphfahrt: „Münchener und andere bayerische Blätter, die von pfälzischen Ereignissen sonst wenig wußten, hatten jetzt viel über diese politische Reise zu berichten. Überall, wo der König, erschien, zu Germersheim, Landau, Bergzabern, Pirmasens, Zweibrücken oder Frankenthal, Kirchheimbolanden, Speyer, eroberte er sich die Herzen im Flug, die Bevölkerung sah in ihm den Hort ihrer Rechte, die Verkörperung ihrer Sicherheit, Ruhe und friedlichen Zukunft. Nur so versteht man die unbeschreibliche Freude, die dem Herrscher überall entgegenjubelte.“

Den Höhepunkt bei dieser „Wiedervereinigung“ erreichte sie wohl in Zweibrücken: Das allgemeine Frohlocken erlangte den höchsten Grad, als der König in dieser Stadt angekommen war; keine Feder ist imstande die Wirkung zu beschreiben, welche diese langersehnte Erscheinung auf die Herzen der wonnetrunkenen Bewohner machte“.
Zwackh selber schilderte seinem Bruder per Brief sehr ausführlich, was ihn und die „Neubayern“ in jenen Tagen bewegte:“ „Ich bin unserm König bis Germersheim auf die Hälfte der Schiffbrücke, unsere Grenze, entgegengefahren. In Germersheim, wo er abstieg und zu Mittag speiste, wartete er am Haus an der Treppe, bis auch ich aus dem Wagen gestiegen war, umarmte mich vor dem versammelten Volk und seiner Begleitung und sprach laut: ‚Lieber Zwackh, ich danke Ihnen für alles Gute, was Sie dem Lande und mir erzeigt haben‘. Er war sehr gerührt und ich konnte nichts antworten.Wir gingen die Treppe hinauf, zusammen. Im Zimmer stellte ich ihm die Autoritäten vor. Er sagte noch vieles zu meinem Lob, war um meine Gesundheit ängstlich und äußerte öfters den Wunsch, daß ich hier als sein Hofkommissär bleiben möge. Von Germersheim begleitete ich den Monarchen nach Landau [wo der König im Hause Pauli abstieg]. Da wurde zwischen uns beiden allein und einmal, Militaria betreffend, mit Fürst Wrede über vieles gesprochen …“.
Das Gespräch in Landau bezog sich in erster Linie auf den Finanzetat und die Domänengüter des Landes. Bezüglich des Gestüts in Zweibrücken wurde der König von Zwackh gebeten, es als eine Landesanstalt unter alleiniger Leitung der Vorsteher, welche das Land dazu erwählt, wie bisher bestehen zu lassen.
„Der König“, so Zwackh, „ist von dem Volk auf eine Art empfangen worden, wie vielleicht noch kein Souverän; er war öfters zu Tränen gerührt.Alle Straßen waren mit Bäumen und Blumen geziert; die vor achten Tagen unfahrbaren Feldwege sind durch freiwilliges Arbeiten der Gemeinden wie Dreschtennen. Der König ist im besten Wohlsein, munter und fröhlich; er widersteht allen Strapazen der Reise, der Besichtigung von Fortifikationen und – der Bälle. […] Der Monarch war auf seiner ganzen Reise in jedem Städtchen und Dorf, wo sie sich aufgehalten haben, über den Empfang und die zutraulichen Bitten oder Äußerungen der Einwohner sehr vergnügt und zufrieden.“
Am 28. Juni traf Max Joseph in Speyer ein, von wo er schon am anderen Tag nach Baden-Baden „zum gewohnten Kuraufenthalt“ weiterreiste. Man hatte aber trotz des kurzen Verweilens im eilends auf Glanz gebrachten Hofkommissariat ein Audienz- und Speisezimmer, dazu auch „ein Schlafkabinett“ und „Räume für das Gefolge“ eingerichtet. In Speyer wurde dem König auch die erste Karte der neuen Rheinlande vorgelegt, die von einem Oberingenieur Faßbender nach den Katasterarbeiten gezeichnet worden war. Max Joseph bewilligte übrigens der Speyerer „prächtig bekleideten und berittenen Ehrengarde stetshin in dieser Uniform mit Ihrer Standarte zu erscheinen, wenn Seine Majstät oder ein Prinz des Hauses in Speyer eintrifft“.
Besondere Huld erwies der Monarch Zwackh selbst. „Zum Beweise seiner Gnade“, schreibt der Hofkommissär an seinen Bruder, „gab er mir gestern abends in seinem Schlafzimmer eine sehr schöne, mit 40 großen Brillanten garnierte Tabatiere und, was mir weit lieber, darin sein sehr wohlgemaltes Porträt mit den Worten: ‚Nehmen Sie, lieber Zwackh, mein altes Gesicht, ob ich gleich überzeugt bin, daß Sie sich meiner auch ohne dem Bild recht oft erinnert haben und noch erinnert werden“.
So war des Königs Besuch „ein großes Familienfest“. Er selber meinte in einem Schreiben an Montgelas: „Die Reise war die glücklichste Epoche meines Lebens. Ich bin in Zweibrücken mit einer Begeisterung aufgenommen worden, die an Irrsinn grenzte. Pirmasens, Kaiserslautern, Dürckheim, Frankenthal, Kirchheim, Neustadt, Speyer haben rivalisiert, aber was mich außer mich gebracht hat, war mein Empfang in Landau. Ich gestehe, ich erwartete mir, daß man mir dort ein wenig Freundschaft bewahrt hätte, aber in dem Maß, wie ich sie gefunden, konnte ich sie nicht zu hoffen wagen.“
Auch Kronprinz Ludwig, der mit seinem Vater in Baden-Baden zusammentraf, erzählte von dessen ähnlich begeisterten Schilderungen: „Nirgends habe er brachliegende Felder gefunden wie sonst, vielmehr alles angebaut.Fürst Hohenzollern, sein Flügeladjutant, der ihn begleitete, sagte, mein Vater habe binnen vierundzwanzig Stunden neun Essen gehalten, die Ehrenweine nicht mitgezählt. […] Als der König nach der Rheinschanze vor Mannheim fahrend, dessen Jesuitenturm erblickte, sprach er kein Wort mehr, Thränen liefen ihm über die Wangen. ‚Es ist doch hart‘ sagte er.“
[Max Joseph hat den Verlust der badisch gewordenen rechtsrheinischen Pfalz zeitlebens nicht verwunden.]
 
Quelle: unbekannt
 

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