Kurpfalz Regional Archiv

Geschichte(n) und Brauchtum aus der (Kur-)Pfalz

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Die Hugenotten kommen

17.12.91 (Arbeit & Soziales, Glaube & Religion, Handel & Handwerk)

Hundertzwanzig Jahre nach der Vertreibung der Reformierten durch die spanische Herrschaft erlebte Europa wieder eine Flüchtlingswelle. Sie begann mit der Aufhebung des Ediktes von Nantes. Diesmal waren die Reformierten in Frankreich betroffen, die Hugenotten. Jeder zwölfte Franzose folgte in der Zeit Ludwigs XIV. seiner Glaubensüberzeugung und floh ins Ausland. Brandenburg-Preußen nahm einen erheblichen Teil dieser Asylsuchenden auf. Auch in der damaligen Kurpfalz ließen sich Hugenotten nieder  zum wirtschaftlichen und kulturellen Vorteil des Aufnahmelandes.
Der Zahl nach fiel diese Einwanderung aus Frankreich allerdings weit weniger ins Gewicht als die in der Mitte des 17. Jahrhunderts von Kurfürst Karl Ludwig zielstrebig veranlaßte und geförderte Zuwanderung von „Ausländern“, die das pfälzische Land, das im Dreißigjährigen Krieg mehr als die Hälfte seiner Bewohner verloren hatte, wieder besiedeln sollten.
Historiker haben später vom „Pfälzischen Wunder“ gesprochen. Sie meinten damit den erstaunlich raschen Wiederaufbau des verwüsteten Landes. Dieses Wunder erklärt sich nicht nur durch die Tatkraft jener in ihrer Heimat zurückgekehrten Pfälzer, die im Kriege anderswo Zuflucht gefunden hatten. Wichtig war vor allem, daß der Heidelberger Kurfürst, der in Holland, in der Schweiz, in Tirol, im Salzburgischen, sowie in Frankreich, England und Schottland für eine Ansiedlung in seinem Herrschaftsbereich warb, mit dieser Werbung Erfolg hatte. Karl Ludwig bot den Ausländern Grund und Boden an und lockte die Zuwanderer mit (zeitlich begrenzten) Vergünstigungen bei Steuern und Abgaben.
In das vom Krieg schwer heimgesuchte Mannheim, um ein Beispiel zu nennen, kamen nach dem Aufruf des Kurfürsten Zuwanderer aus den Niederlanden und aus anderen, vom Krieg wenig oder gar nicht betroffenen Ländern. Auch viele der aus Mannheim geflohenen Wallonen kehrten zurück. Man folgte der kurfürstlichen Werbung einzeln oder in Gruppen. Als sich, um ein anderes Beispiel zu erwähnen, eine größere Zahl von Kolonisten aus dem piemontesischen Lucernetal zur Ansiedlung in der Kurpfalz bereit erklärte, gab ihnen Karl Ludwig Land zur Ansiedlung im Amt Germersheim. Er gewährte der piemontesischen Gruppe auch ein Recht auf eigene Gemeindeverwaltung sowie das Recht, den Geistlichen durch Wahl zu bestimmen.
Die von Karl Ludwig erreichte Zuwanderung aus fremden Territorien im ersten Jahrzehnt nach dem Dreißigjährigen Krieg läßt sich nicht exakt beziffern. Daß sie ziemlich umfangreich gewesen sein muß, ergibt unter anderem ein Vergleich von Familiennamen. Viele Namen, die heute weit verbreitet sind, findet man in der Pfalz erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, also nach dem Dreißigjährigen Krieg.
Soviel ist sicher: Die von Karl Ludwig und anderen Territorialherren nach 1648 ins Land gerufene „Fremden“ haben ebenso wie die Wallonen, die Niederländer und die Hugenotten das Gesicht der Pfalz in den vergangenen 300 Jahren mitgeprägt  wirtschaftlich und politisch. Ausländer, Fremde? Die Pfalz hat vieles von ihnen angenommen und sie aufgenommen. Sie alle sind Pfälzer geworden.
Autor: Karl Mörsch, Die Rheinpfalz 1991

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