Kurpfalz Regional Archiv

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Die Leiden des Mannheimer Schlosses

19.10.02 (Burgen & Schlösser)

„Die churfürstlichen Zimmer sind schön …“ faßte der Züricher Reisende Landold 1782 seine Eindrücke vom Schloß in Mannheim zusammen. Er mag damit wohl die prächtigen Gobelins gemeint haben, mit denen der Rote Saal des Barockschlosses damals ausgestattet war. Johann Wilhelm hatte diese aus der Brüsseler Tapisseriemanufaktur stammenden Gobelins, die mit dem Wappen der PfalzNeuburger versehen waren, seinem Bruder und Nachfolger Carl Philipp für die Ausstattung seiner Räume in Innsbruck geschenkt. Der spätere Kurfürst residierte als kaiserlicher Statthalter in Tirol. 1720, im selben Jahr als Schwetzingen zur Sommerresidenz erhoben wurde, verlegte Kurfürst Carl Philipp nach langwierigen Auseinandersetzungen mit der reformierten Bürgerschaft in Heidelberg seine Residenz nach Mannheim.
Anstelle der alten Friedrichsburg entstand mit 420 Meter Fassadenlänge eines der größten Barockschlösser in Deutschland. Die
Planung stand in den ganzen Ausmaßen des späteren Schlosses von Anfang an fest, die Umsetzung erfolgte allerdings in verschiedenen Bauphasen. Begonnen wurde das Bauwerk mit einer dreiflügeligen Anlage, die baulich mit der barocken Quadratestadt und der Jesuitenkirche verbunden werden sollte. 1725/31 wurden Schloßkirche und Ballhaus, 1742 die seitlichen
Flügel, der Hofkomplex und die heute nicht mehr vorhandenen Wachhäuschen angefügt. Bereits in der Regierungszeit Carl Theodors erfolgte unter Pigage die Vollendung des südlichen Hofkomplexes und des östlichen Querflügels mit der großen Schloßbibliothek. Um 1760 war das Mannheimer Schloß fertiggestellt. Die Ausstattung des monumentalen Schlosses sollte im
Rokoko erfolgen.
Der Innenausbau aber ging allerdings schleppend voran und wurde eigentlich nie ganz abgeschlossen. Noch unter Carl Philipp erfolgte der Innenausbau des Mitteltraktes mit Treppenhaus und Rittersaal. Für die Deckenmalereien wurde der aus München stammende Cosmas Damian Asam engagiert. Die Stuckausstattung oblag Hofbildhauer Paul Egell. Obwohl Carl Theodor zu Anfang seiner Regierungszeit mit der Ausstattung der Bibliothek und der Einrichtung der Gemäldegalerie noch einmal einen
Schwerpunkt in der Innenausstattung von Schloß Mannheim setzte, gewann doch das Schloß und vor allem der Schloßgarten in Schwetzingen seine immer größere Aufmerksamkeit. Der Ausbau von Mannheim stagnierte, das Schloß blieb teilweise im Rohzustand.
Als Carl Theodor 1778 das ihm zufallende, vereinigte pfalzbayerische Erbe antrat und seine Residenz nach München verlegte, verlor nicht nur die Stadt Mannheim ihren kunstsinnigen Kurfürsten und glanzvollen Mittelpunkt, auch das Schloß büßte durch den Umzug des Hofstaates nicht nur die beweglichen Einrichtungsgegenstände ein, auch fest eingebaute Ausstattungen, wie die Tapisserien, reisten nach München.
So war es der badische Großherzog Karl Friedrich, durch Napoleons Gnaden nicht nur der Regent eines um das fünffache vergrößerten Landes, sondern auch neuer Herrscher in der rechtsrheinisch gelegenen ehemaligen Kurpfalz, der das Schloß in Mannheim wieder „aufrüstete“. Dies tat er vor allem auch deswegen, um die Gunst der Mannheimer, am Nordzipfel des
Großherzogtums gelegen, zu bekommen. Der badische Erbprinz Karl, der aus Staatsräson mit Napoleons Adoptivtochter Stephanie Beauharnais verheiratet worden war, wählte Mannheim bis zur Thronbesteigung gar als Wohnsitz. Die Repräsentationsräume wurden im damals modischen Empire-Stil eingerichtet.
Als Stephanie nach dem Tode ihres Gatten das Mannheimer Schloß zum Witwensitz wählte, richtete sie sich dem zeitgemäßen Wunsch nach mehr Intimsphäre und Privatleben im Biedermeier-Stil ein. Obwohl das Schloß auch noch von dem 1907
verstorbenen Großherzog Friedrich und seiner Gemahlin Luise mit Möbeln aus der Zeit des Historismus ausgestattet wurde, verlor es doch zunehmend seine Funktion als Repräsentationsgebäude. Mit dem Ende der Monarchie nach 1918 war bereits ein Großteil der Einrichtung nach Karlsruhe abgezogen worden. Im sogenannten Fürstenausgleich zeigte sich der badische Staat äußerst großzügig und sprach dem Haus Baden fast das ganze Inventar von Schloß Mannheim als Privatbesitz zu. Ein tragischer Moment für das kurpfälzische Kulturgut.
Aber es sollte noch schlimmer kommen: Die fürchterlichen Bombenangriffe auf Mannheim im Zweiten Weltkrieg zerstörten das Schloß fast gänzlich. Der einzige original erhaltene Raum im Schloß Mannheim ist die kleine Bibliothek der Kurfürstin Elisabeth Auguste. Der Mannheimer Bürgerschaft ist es zu verdanken, daß die Schloßanlage in der heutigen Form in den 50-er und 60-er Jahren wieder aufgebaut wurde. Sie setzten sich durch gegen jene, die die Ruinen ganz abbrechen und eine neue Straße durch den Mitteltrakt legen wollten. Nach dem Aufbau wurden die Räume aber dennoch einer neuen Nutzung zugeführt. Fast alle Räume werden seitdem von der Universität Mannheim belegt. Da der linke Trakt völlig zerstört war, hielt man sich beim Neubau nicht an die alte Raumfolge, sondern paßte die Raumaufteilung der neuen Nutzung an. Auch das Dach wurde nicht im originalen, dem Barock entsprechenden Stil, wieder aufgebaut. Außerdem wurden die vor dem Ehrenhof liegenden
Wachhäuschen abgetragen.
Nur der Rittersaal und das Treppenhaus wurden für Repräsentationszwecke der Stadt Mannheim wieder rekonstruiert. So wirkt das Schloß auch von außen heute merkwürdig leer, die Anbindung an die Stadt ist unglücklich. Die ehemalige Ausstattung, die aus kurpfälzischer Zeit anhand alter Inventarlisten nachvollzogen werden kann, ist verstreut im Privatbesitz des Hauses Baden, im Reißmuseum in Mannheim und Kurpfälzischem Museum in Heidelberg oder lagert in den Magazinen der Oberfinanzdirektion
Karlsruhe. Ein Glücksfall war für die Kunsthistoriker 1996 der Verkauf der Markgrafenschätze aus Schloß BadenBaden. Aus öffentlichen Geldern und mit Hilfe vieler privater Spenden konnten für das Schloß Mannheim unter anderem Möbel aus der späten Phase des Rokoko und frühen Klassizismus erworben werden. Unter den Schmuckstücken befand sich auch
ein Sekretär aus der Möbelmanufaktur David Röntgens und das „Teehaus“ aus der Frankenthaler Porzellanmanufaktur. Der sensationellste Fund waren jedoch die verlorengeglaubten Tapisserien, die zum kleineren Teil aus der kurpfälzischen Erstausstattung stammten.
Der größte Teil jedoch war damals aber von Großherzog Karl Friedrich aus dem Nachlaß des Fürstbischofs von Straßburg für Mannheim hinzugekauft worden. Von den 21 angekauften Teppichen konnten bislang jedoch nur vier aufgehängt werden, da sie ursprünglich in den sogenannten kaiserlichen Appartements im nach dem Krieg nicht mehr original wieder errichteten linken Trakt des Schlosses angebracht waren.
Die ganze Kurpfalz hofft nun auf das Jahr 2007. Dann nämlich könnte zur Feier des 400-jährigen Stadtjubiläums auch im Schloß Mannheim wieder der alte Glanz der Residenz spürbar werden - vorausgesetzt es gelingt, die erhaltene Raumfolge des rechten Flügels mit originalen Stücken auszustatten, die Teppiche dort einzupassen und damit auch die kleine Bibliothek dem Publikum wieder zugänglich zu machen. Zunächst aber alles einmal eine Kostenfrage.

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