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30.09.06 ("Hoggemer Perspektiven", * Lokalreporter-Archiv)

 Hoggemer Perspektiven (10)

Ja? Nein? Ja? Jawohl, die letzte Woche wird mit Sicherheit in die Hockenheimer Stadtgeschichte eingehen – vorausgesetzt, es hat auch jeder gemerkt und es in seinem Tagebuch festgehalten. Was ist passiert? Was habe ich verpasst? Eine Frage, die sich wohl nicht wenige Rennstädter stellen werden. Also, neben der Wahl des Hockenheimer Stadtkämmerers Werner Zimmermann zum Bürgermeister sorgte einmal mehr der Hockenheimring für Schlagzeilen im bundesdeutschen Blätterwald. Wie so oft in den letzten Jahren geschehen, traten nicht die Verantwortlichen der Hockenheimring GmbH oder der Stadt Hockenheim mutig und entschlossen vor die Medien, sondern die Presseleute selbst mussten einmal mehr Licht in das Dunkel rund um die traditionsreiche Rennsportanlage bringen. Und in Hockenheim und Umgebung wunderte man sich einmal mehr, aus Zeitungen, Rundfunk oder Fernsehen erfahren zu müssen, dass es 2007 keinen Großen Preis von Deutschland für die Formel 1 im Motodrom geben wird. Wäre es bei einem so einschneidenden Ereignis nicht besser gewesen, wenn Oberbürgermeister Dieter Gummer oder die Geschäftsführung der Ring GmbH dies den Bürgern ihrer Stadt klar und deutlich mitgeteilt hätten? Und selbst die Information, dass es doch einen jährlichen Wechsel mit dem Nürburgring geben wird und 2008 die Formel 1 wieder in der Rennstadt gastiert, wurde ein Tag später lediglich in einem Zwölf-Zeilen-Hinweis von Ring-Pressesprecher Hartmut Tesseraux hinterhergeschoben. Stellt sich jetzt nur noch die Frage, was wohl geschehen wäre, wenn die überregionalen Medien nicht den Ausfall des Formel 1-Rennens im Jahr 2007 vermeldet hätten …? Müssten die Hockenheimer dann wohl noch immer auf diese Information warten?
Noch immer auf sich warten lässt die Umgestaltung der Hockenheimer Innenstadt. Wer erinnert sich heute noch daran, dass es in der Rennstadt vor einigen Jahren einen sicher nicht ganz billigen Wettbewerb für Stadt- und Verkehrsplaner gab und dessen prämierten Entwürfe sogar über längere Zeit hinweg in einer Ausstellung im Gauß-Gymnasium öffentlich vorgestellt wurden. Rückblickend darf festgestellt werden, dass damals wirklich gute Ideen vorgestellt wurden, die es wert gewesen wären, in der Öffentlichkeit, in den Parteien, Gremien und Institutionen, in Vereinen und im Gemeinderat diskutiert zu werden. Während in der benachbarten Gemeinde Neulußheim gerade dieser Tage genau dieser Weg zur Meinungsfindung eingeschlagen wurde, wurde es um die Hockenheimer Vorschläge immer ruhiger. Dafür wurden Millionenbeträge in neue Straßen und Verkehrswege investiert – die alle aus der Stadt heraus oder um Hockenheim herum hin zum Motodrom führten.
Die Folge dieser scheinbar plan- und konzeptlosen Verkehrspolitik sind heute innerstädtisch zu sehen, die Veränderungen deutlich zu spüren. Aus einer lebendigen Kleinstadt mit den verschiedensten Einkaufsmöglichkeiten ist inzwischen eine Große Kreisstadt geworden, die als Einkaufsstadt inzwischen wohl jede Attraktivität verloren hat. Von Seiten des Gewerbevereins wurden und werden zwar mit viel Engagement immer wieder Versuche unternommen, um diesen Zustand zu ändern. Aber das Fehlen einer innerstädtischen Konzeption und die bis heute noch immer nicht feststellbaren Erfolge des städtischen Wirtschaftsförderers (der erste fest angestellte Experte verließ nach einigen Jahren frustriert seinen Schreibtisch im Hockenheimer Rathaus) lassen scheinbar keine Erfolge zu. Galt Hockenheim zunächst als Stadt der Schuhgeschäfte, später der Bäckereien, sind es heute Versicherungen, Bausparkassen und Friseure, die verstärkt das Bild von Handel und Gewerbe prägen.
Und nimmt man mal die ständige Zunahme von Seniorenresidenzen und altengerechten Wohnanlagen als Maßstab, dann stellt sich die Frage, wo wohl die älteren Einwohner noch Nutzen aus der innerstädtischen Wohnlage ziehen können. Die großen und kleineren Einkaufsmärkte haben sich längst allesamt am Stadtrand angesiedelt, Bekleidungsgeschäfte sucht man vergebens. Und stimmen die Informationen, dass „demnächst“ auch der Penny-Markt am „Güldenen Engel“ geschlossen werden soll, dann kann das inzwischen geflügelte Wort vom „Hockenheimer Abgesang“ beinahe wörtlich genommen werden. In der Nachbarschaft scheint Hockenheim sowieso nicht mehr ernst genommen zu werden. Längst kann man sich nämlich Kaffeetassen, T-Shirts oder Einkaufstaschen kaufen, auf denen groß zu lesen ist: „Hoggene? Abba!“
Schier unglaublich ist aber auch das Verhalten von einigen Hockenheimer Kommunalpolitiker und Mitarbeiter im Rathaus der Rennstadt. Von den Kommentaren dieser Kolumne in der HOCKENHEIMER WOCHE scheinbar aufgeschreckt, erschreckt oder aus der Ruhe gerissen, kam es in den letzten Wochen zu Reaktionen und Verhaltensweisen, die so nicht mehr hingenommen werden können. Meine Damen und Herren, wenn Sie das Gespräch oder die Diskussion suchen, wenn Sie erzürnt sind oder das Geschriebene so nicht akzeptieren wollen, können, dürfen, dann setzen Sie sich bitte mit dem Autor dieser Kolumne auseinander – und nicht mit dessen Ehefrau oder Kinder. Ich gehe ja auch nicht zu Frau Gummer oder den (Ehe-)Partnern der Ratsmitglieder, um mich zu beschweren. Übrigens: wer mich erreichen will, dem gelingt dies auch (was die vielen E-Mails und Telefonate von Leserinnen und Leser der HOCKENHEIMER WOCHE, aber auch einiger Kommunalpolitker klar und deutlich beweisen). Also noch einmal ganz langsam zum Abschreiben: E-Mail geiger@lokalreporter.de, Telefon 0171/3131092. Ihre Reaktionen nimmt dann entgegen … Otmar A. Geiger
In der nächsten Ausgabe der HOCKENHEIMER WOCHE wollen wir doch mal mit den „Hockenheimer Perspektiven“ analysieren, wie es in der Rennstadt wohl weitergehen könnte und welche Veränderungen möglicherweise die Wahl eines Ersten Beigeordneten zum Bürgermeister mit sich bringen werden … .

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