Kurpfalz Regional Archiv

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Inflation machte Hockenheimer zu Milliardären

03.03.02 (Arbeit & Soziales, Geschichte allg., Handel & Handwerk)

Das Leben wurde immer teuerer. Wer ein Ei kaufen wollte, musste im Jahr 1922 dafür im Februar 2.50 Mark bezahlen. Das war noch günstig, denn ein halbes Jahr später kostete ein Ei bereits 7.50 Mark. Bis November stieg der Milchpreis für einen Liter von 4.60 auf 75 Mark.  Zum Jahresende kostete ein Pfund Schweinefleisch 800 und ein Pfund Butter zwischen 1.800 und 2.000 Mark. Ein Kilo Brot gab’s schon für 140 Mark und ein Pfund Kristallzucker für 200 Mark, Würfelzucker kostete zehn Mark mehr. Wer Arbeit hatte, verdiente eine Menge Geld, konnte sich aber wenig dafür leisten.
Der Stundenlohn eines Arbeiters über 25 Jahre betrug im Februar in der Lohnklasse I noch 10.50 und für Arbeiterinnen 6.25 Mark. Bis Dezember stieg der Stundenlohn auf 294,70 Mark für Arbeiter und 188,30 Mark für Arbeiterinnen. Wegen befürchteter Entlassungen wurde um Arbeitsplätze in der Landwirtschaft geworben. Die Preise stiegen überall. Ein Zentner Koks, den man im Februar noch für 43 Mark bekommen hatte, kostete im Juli bereits 150 Mark. Das Besohlen eines Stiefels kostete 700 Mark. Während man im März noch für 1.50 Mark mit der Eisenbahn nach Mannheim fahren konnte, wurden am Jahresende 30 Mark verlangt.
Die Stadt Hockenheim versuchte zu helfen. An rund 1.000 „Minderbemittelte“ wurde preisgünstig Brennholz verkauft. Ab November gab es in der städtischen Suppenküche wöchentlich ein Mittagessen für 20 Mark, das von der Stadt mit jeweils 50 Mark subventioniert wurde. Angesichts der zunehmenden Arbeitslosigkeit ahnte alle Welt, was kommen würde. Im Dezember begann die Stadt mit der Vorbereitung von Notstandsarbeiten. Selbst der ärmste Hockenheimer wurde in der Inflationszeit zum Milliardär. Allein für den Landkreis Mannheim wurden Notgeldscheine mit einem Nennwert von 133.976.335.950.000.000 Mark. Man kann auch sagen 133 Billiarden, 976 Billionen, 335 Milliarden und 950 Millionen Mark.
Krisen begleitete die Weimarer Republik. Deutschland erlebte eine katastrophale Inflation. Wer im September den „Hockenheimer Generalanzeiger“ lesen wollte, musste eine halbe Million Mark für ein Exemplar bezahlen. Aber die Blattmacher wurden damit nicht reich: der durchschnittliche Tageslohn lag zwischen zwölf und 15 Millionen Mark – für die es gerade wiederum ein Pfund Fleisch gab. Im November 1923 kostete ein Ei etwa 320 Milliarden Mark. Knapp 1.000 Haushaltungen bekamen inzwischen Fürsorgeunterstützung; eine Person erhielt 830 Milliarden, für eine Familie mit vier Kindern gab es 1.660 Milliarden Mark.
Der Dollarkurs stieg in jenen Tagen auf 7,2 Billionen Mark. Und für die Lokalzeitungen, die diesen Kurs notierte, musste mittlerweile 100 Milliarden hingeblättert werden. Erst mit der Rentenmark zum Kurs von 1 zu 1 Billion Mark wurde am 15. November 1923 das Ende der Inflation eingeläutet.
Höchstpreise der Inflation 1923
1 Kilo Brot: 540 Mrd.,
1 Pfund Schweinefleisch: 400 Mrd.,
1 Pfund Butter: 210 Mrd., 1 Liter Milch: 44 Mrd.,
1 Zentner Kartoffeln: 44 Mrd.,
1 Kubikmeter Gas: 15 Mrd.,
0,3 Liter Bier: 10 Mrd.,
1 Pfund Zucker: 6,5 Mrd.,
1 Flasche Weißriesling: 800 Mio.,
1 Zentner Kartoffeln: 600 Mio.,
1 Viertel Wein: 70 – 80 Mio.,
1 Pfund Zucker: 13,2 Mio. Mark.
Tages-Verpflegungssätze Krankenhaus 1. Klasse: 2,04 Mrd., 2. Klasse: 1,5 Mrd.,
3. Klasse 1,02 Mrd.,
Schulgeld Höhere Schule: 300 Mio.,
Schulgeld Mittelschule: 100 Mio.,
Hundesteuer für den ersten Hund: 40 Mio.,
Arbeiter-Stundenlohn: 78 Mio. Mark.

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