Kurpfalz Regional Archiv

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Ketsch als Spielball zwischen Speyer und Kurpfalz

01.08.94 (Städte & Gemeinden)

Das Dorf Ketsch war bei seiner ersten Erwähnung um 1150 im Besitz
der Bischöfe von Speyer. Zwischen 1159 und 1329 schenkten es
diese dem Kloster Maulbronn, das es wiederum dem Domkapitel
Speyer verkaufte. Ketsch blieb bis 1803 in dessen Besitz. Dadurch
war der Ort zur Exklave geworden  eingeschlossen zwischen Rhein
und den kurpfälzischen Gebieten.

Im Laufe der Herausbildung der Kurpfalz im späten Mittelalter kam
es zu Besitzforderungen der pfalzgräflichen Verwaltung über
Verlandungen, Inselbildungen und Fischgründe. Als die Kurpfalz
1329 die Schirmherrschaft über den von Maulbronn an das
Domkapitel Speyer zurückgefallenen Meierhof Ketsch übernahm,
bezeugten die Pfalzgrafenbrüder Rudolf und Ruprecht, daß sie
vorher keine Besitzrechte dort hatten.

König Ruprecht bestätigte als Pfalzgraf 1408 nochmals die Rechte
des Domkapitels Speyer auf Ketsch und den dortigen Wald.
Gleichzeitig wurde richtiggestellt, daß der Hofmeister und die
kurpfälzischen Amtsleute glaubten, der Wald, die Weide und das
Wasser in der Mark Ketsch gehöre der Kurpfalz. Nach Prüfung alter
Briefe und Kundschaften stellte man aber auf pfalzgräflicher
Seite fest, daß die Bäche und das Wasser dem Stift zu Speyer
zustanden.

In einer Güterbeschreibung der Höfe in Ketsch, die wahrscheinlich
aus dem 15. Jahrhundert stammt, ist ein Salmengrund der Bischöfe
von Speyer am Angelbach angegeben. Darunter war die alte Kraich
zu verstehen, die zu dieser Zeit am Angelwald in den Rhein
mündete. Auch im „Dorssenpfuhl“ im Angelwald hatten die Domherren
das Fischereirecht. Ebenso gehörten die vier „Heckenweiher“ in
der Kreuzwiese den Domherren zu Speyer.

Doch allem Anschein nach muß nach der Schlacht bei Seckenheim im
Jahre 1462 der Einfluß der siegreichen Kurpfalz in diesem Gebiet
größer geworden sein. Friedrich I. übernahm den Schutz über das
Speyerer Hochstift (= weltliche Besitztümer des Bistums Speyer),
womit Einflüsse in Ketsch und Brühl verbunden waren.

Heute erscheint es sonderbar, daß der Rhein zwischen Brühl und
Germersheim bis 1803 fürstbischöflichspeyerisch war und es die
Kurpfalz dennoch zuwege brachte, Vorrechte in Ketsch zu erwirken.
Die Ansprüche auf Anschwemmungen im Rhein brachten Auwälder,
Inseln und Flußstrecken des noch wild dahinfließenden Rheins an
die Kurpfalz. Diese Entwicklung war möglich, weil sich die Grenze
der Kurpfalz seit dem 15. Jahrhundert bis zur Ketschau und zur
westlichen Seite des Karl-Ludwig-Sees vorschob. Der Rheinwald
aber gehörte damals zu Otterstadt.

Bei den Auseinandersetzungen von 1591 zwischen dem Domstift in
Speyer und dem kurpfälzischen Hof in Heidelberg ging es vor allem
um zwei Rheinwörthe  um den oberen und unteren Angelwörth, doch
auch um die Obrigkeit im Dorf, zu dem damals noch der Angelwald
zählte. Das Domkapitel wollte nicht mit der Kurpfalz in
Uneinigkeit verfallen und die Streitfrage in gütlicher
Unterhaltung beilegen. Dies brachte im Februar 1591 folgende
Einigung: Der obere und untere Angelwörth sollten beide,
außerhalb des unteren Wörths, wo die Angelbach mündet, mit
Vorbehalt kurfürstlichpfälzische Wildfuhr bleiben. Andererseits
sollten dem Domkapitel die beiden Salmengründe verbleiben und der
Enten oder Vogelfang sowie alle andere Nutzung zustehen.

Aus: Schwetzinger Zeitung, rf, Sonderbeilage Ketscher
Backfischfest 1994

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