Kurpfalz Regional Archiv

Geschichte(n) und Brauchtum aus der (Kur-)Pfalz

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Tabakernte in der Pfalz

19.07.16 (Arbeit & Soziales, Handel & Handwerk, Landwirtschaft & Forsten)

Seit 1573 in der (Kur-)Pfalz heimisch / Zunächst nur zur Zierde und als Heilpflanze
In der Pfalz, der Heimat des Tabakanbaus in Deutschland, hat die Ernte begonnen. Bis in den November werden nun die Blätter der Pflanzen geerntet, ob allerdings die angestrebte Menge von etwa 1.200 Tonnen zustande kommt, steht nach Meinung von Experten dahin: Die vielen Niederschläge der vergangenen Wochen sind auch den Tabakpflanzen nicht bekommen, derzeit rechnet man mit einem Minus von zehn bis 20 Prozent. Seit 1573, als Pfarrer Anselmann im südpfälzischen Hatzenbühl im Gemeindegarten Saatgut des empfindlichen tropischen Nachtschattengewächses setzte, ist der Tabaka in der Pfalz heimisch. Das Klima und der Boden in der Südpfalz waren für die Pflanze ideal, noch heute liegt das Zentrum des Anbaus rund um Kandel und Neupotz.
Tabak wurde zunächst nur zur Zierde und als Heilpflanze genutzt, dann als Genussmittel, erst später wurde der Anbau zum Wirtschaftsfaktor. Die Jahre 1970 bis 2009 markieren die wirtschaftliche Blütezeit des Pfälzer »Duwaks«, damals wuchsen drei Tabaksorten auf einer Fläche von mehr als 1.200 Hektar: Die traditionelle luftgetrocknete Sorte Badischer Geudertheimer für die Zigarrenproduktion und die Sorten Badischer Burley sowie den ofengetrockneten Virgin für Zigaretten und Pfeifentabak. Als 2010 die Subventionen der Europäischen Union gestrichen wurden, gaben viele Tabakpflanzer die zeitintensive und mit Handarbeit verbundene Produktion auf. In jüngster Zeit gibt es neue Perspektiven – dank der steigenden Qualitätssicherung mit ökologischen und nachhaltigen Methoden, ohne Spritzmittel und Zusätze. So steigt die Nachfrage wieder und neue Märkte eröffnen sich. Insbesondere für die Sorte Virgin, die an arabische Wasserpfeifenraucher und US-amerikanische Öko-Tabakfans verkauft wird. Inzwischen kultivieren die verbliebenen etwa 50 pfälzischen Tabakanbauer den Virgin auf 420 Hektar und auf 80 Hektar den Badischen Geudertheimer. Aus diesen hochwertigen Sorten werden die Pfalzzigarillos und, als Aushängeschild der pfälzischen Tabakpflanzer, die Pfalz-Zigarre gefertigt. Beide Produkte werden auch im Pfalzshop als Spezialitäten angeboten.
Auch für den Tourismus ist der Tabakanbau von Bedeutung. Blühende Tabakfelder und historische Holzscheunen prägen noch heute das Landschaftsbild in der Rheinebene zwischen Speyer und der französischen Grenze und sind für Urlaubsgäste ebenso eine Attraktion wie die Feste, die in vielen Tabakgemeinden zur Blüte- und Erntezeit stattfinden. Informationen über den Pfälzer Tabakanbau und seine Geschichte liefern zwei Museen: Im Museum in Herxheim, das noch im 20. Jahrhundert eine große Tabakbaugemeinde war, zeigt die Dauerausstellung die Zigarrenherstellung und den Tabakanbau. Weiter im Norden, in Rödersheim-Gronau im Rhein-Pfalz-Kreis, ist im ehemaligen Schulhaus das »Sozialhistorische Zigarrenfabrikmuseum der Pfalz« eingerichtet, Kernstück der Ausstellung dort ist die handwerkliche Zigarrenmacherei. (PM Pfalzwein 07/16)
Weitere Informationen zum Tabakanbau in der Pfalz finden Sie hier!

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