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Als die "Eiszeit" nach Reilingen kam

04.03.12 (Reilingen)

Sonderausstellung im Reilinger Heimatmuseum / Ein Eisschrank mit Geschichte / Rückblick auf frühere Kühlmöglichkeiten / Ausstellung auch am kommenden Museumstag am 1. April zu sehen

Kopfschüttelnd stehen Lisa (10) und Lena (9) vor einem Schrank aus Holz: „Und das soll ein Kühlschrank sein?“ Die beiden Mädchen können sich es einfach nicht vorstellen, was ihnen soeben Philipp Bickle, Vorsitzender der Freunde Reilinger Geschichte e.V. im Reilinger Heimatmuseum erklärt hat. Ihnen geht es in diesem Moment wie vielen anderen Besuchern der Sonderausstellung „Als die Eiszeit nach Reilingen kam“. Ein Kühlschrank ohne Strom? Unvorstellbar! Dabei ist es eigentlich noch gar nicht so lange her, dass in vielen Haushalten die Lebensmittel und andere leicht verderbliche Waren gerade in solch einem Holzschrank aufbewahrt wurden. „Nur war das kein Kühlschrank, sondern ein Eisschrank!“ Philipp und Hildegard Bickle hatten zahlreiche Gegenstände aus dem Bestand des Heimatmuseums für den Thementag zusammengestellt. Darunter auch der noch voll funktionsfähigen Eisschrank, den einst der Reilinger Josef Winkler als sein Gesellenstück bei der heute nicht mehr existierenden Schwetzinger Firma Hans Hartung zum Abschluss seiner Lehrzeit angefertigt hatte. Elisabeth Winkler war für ihren erkrankten Mann ins Museum gekommen, um vor allem den jüngeren Besuchern der Ausstellung davon zu berichten, dass der Eisschrank noch bis Mitte der 1960-er Jahre im Einsatz war und erst dann durch einen elektrischen Kühlschrank ersetzt wurde. Nach der Heirat im Jahre 1958 sei der Eisschrank in der Küche der jungen Familie in Betrieb gewesen. Die notwendigen Eisstangen habe man im Getränkehandel von Emma Völker in der Mozartstraße bekommen. „Einen Eisschrank besaßen damals nur wenige Familien in Reilingen, so dass wir ganz stolz auf das gute Stück waren.“
In einem kurzen Rückblick auf die „Reilinger Eiszeit“ erinnerte Philipp Bickle daran, dass früher das Eis zum Kühlen von Lebensmitteln im Eiskeller in der heutigen Bierkellergasse gelagert worden sei. Und Heimatforscher Otmar Geiger ergänzte, dass es sich dabei um Natur-Eisplatten gehandelt habe, die im Winter von den Gräben und vom Kraichbach geholt worden und dann mit einer Eissäge in handliche Stücke geteilt worden seien. „Das im tief im Keller gelagerte Eis konnte dann bis in den Sommer zur Kühlung verwendet werden.“ Später brachten dann die überörtlichen Brauereien in ihren gut isolierten Anhängern an den Bierwagen die Eisstangen. Diese wurden dann von den „Bierkutschern“ abgeladen und mit langen Lederschürzen und Handschuhen in die Kühlhäuser der Wirtshäuser oder Getränkehändler gebracht. Philipp Bickle: „Wenn man als Kind dazukam, war es eine Freude, wenn im Sommer bei der Anlieferung ein Stückchen Eis abbrach.“ Schnell habe man es vom Boden aufgehoben und dann mit viel Spaß „geschlotzt“.
Doch nicht nur der Eisschrank sorgte am Sonntagnachmittag im Reilinger Heimatmuseum für großes Interesse. Die Butterherstellung mit dem „Leierle“ wurden ebenso gezeigt wie das anschließende Kühlen dieser verderblichen Ware. Wer keinen Eisschrank hatte, der bewahrte die Butter in einem zuvor gewässerten Tontopf auf – oder hatte in der Kellerwand ein Butterfach. Im Laufe des Nachmittags wurde den vielen Besuchern deutlich, warum das Kühlen von Nahrungsmitteln so wichtig war: Auf einem aufgehängten Plakat aus dem Jahre 1934 war zu lesen, dass allein in Deutschland Nahrungs- und Genussmittel im Wert von über 1,5 Milliarden Reichsmark jährlich im Abfalleimer verderben würden. Daher wurde zu einem „Kampf dem Verderb“ aufgerufen – und zugleich nach Lösungen mit dem Bestreben, dabei möglichst wenig der teueren Energie zu vergeuden. Lisa und Lena hörten erstaunt zu: „Das war ja zu Omas Zeiten fast schon wie heute …!“
Ob des großen Interesses an der Sonderausstellung „Wie die Eiszeit nach Reilingen kam“ wird diese auch noch am kommenden Museumstag, am Sonntag, 1. April, zwischen 14 und 17 Uhr im Heimatmuseum im historischen „Löwen“ zu sehen sein.

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