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Aufrichtiger Demokrat und engagierter Sozialdemokraten

25.04.06 (Altlußheim, Hockenheim)

Schülerinnen und Schülern des Carl-Friedrich-Gauss-Gymnasiums erforschen das Leben und Wirken des Altlußheimer Landtagsabgeordneten Bernhard Gehweiler (1879 – 1932)
Zu den bedeutendsten Persönlichkeiten Altlußheims gehört ohne Zweifel ein Mann, der das politische Leben in der Rheingemeinde, mehr noch darüber hinaus im Bezirk Schwetzingen und Land Baden mitprägte: Bernhard Gehweiler. Heute wissen nur noch die wenigsten, dass dieser engagierte Sozialdemokrat als erster und bisher einzigster Landtagsabgeordneter die Interessen der heutigen HoRAN-Gemeinden nicht nur vertrat, sondern sich in der Aufbauzeit nach dem ersten Weltkrieg auch vehement für deren Beachtung und Förderung durch die badische Landesregierung einsetzte. Es ist den Schülerinnen und Schülern des Carl-Friedrich-Gauss-Gymnasiums zu verdanken, dass das Leben und Wirken des Altlußheimers erstmals in breitem Umfang erforscht und dokumentiert wurde.Geboren wurde Bernhard Gehweiler 1879 als Sohn eines aus Wiesental zugewanderten Tagelöhners. Nach dem Besuch der Volksschule in Altlußheim fand er – wie viele andere Menschen der damaligen Zeit – Arbeit in der örtlichen Tabakindustrie. Dieses Umfeld mit seinen sozialen Problemen und zum Teil unmenschlichen Arbeitsbedingungen ließen den jungen Mann im Jahr 1899 zu einem der Gründer der SPD Altlußheim werden. Damit legte er zusammen mit anderen den Grundstein für eine politische Entwicklung, die den Ort zu einem von der Sozialdemokratie geprägten Ort werden ließ.
Bereits während seines Militärdienstes, den Gehweiler im damals noch deutschen Elsass ableisten musste, wurde er 1900 zum Vorsitzenden der SPD in seiner Heimatgemeinde gewählt. Zurückgekehrt von der Reichswehr fand er ab 1901 eine Beschäftigung in der Kleinschifffahrt in Mannheim. 1903 heiratete er Maria Kuppinger und wurde schließlich 1907 Mitglied des Bürgerausschusses.
Sehr früh schon hatte sich Gehweiler für eine bessere Versorgung seiner Mitbürger mit Lebensmittel und anderen Dingen des täglichen Lebens eingesetzt. Da sich viele Verbraucher von den etablierten Anbietern von Nahrungs- und Genussmittel ausgebeutet fühlten, wurde auch in Altlußheim ein genossenschaftlicher Konsumverein gegründet, zu dessen Geschäftsführer Bernhard Gehweiler bestimmt wurde. Die Warenversorgung in Altlußheim wurde auf diese Weise – und dank des unermüdlichen Einsatzes Gehweilers deutlich verbessert.
Der erste Weltkrieg war noch nicht richtig in Gang gekommen, als der Altlußheimer in französische Kriegsgefangenschaft geriet. Erst 1919 kehrte er mit einem schweren Magenleiden von der Mittelmeerinsel Korsika zurück in seine Heimat, wo er sofort wieder, wie bereits schon 1911 geschehen, in den Gemeinderat gewählt wurde. Mehr noch: Bernhard Gehweiler wurde zugleich auch zum Kreisrat im Amtsbezirk Schwetzingen gewählt – und auf neun Jahre zum Bürgermeister von Altlußheim. Die Beseitigung der Wohnungsnot war die wohl wichtigste Aufgabe, der er sich zu stellen hatte. Gemeindehäuser wurden in dieser Zeit gebaut, ebenso Wasserleitungen.
1921 wurde Gehweiler schließlich mit großer Mehrheit in den Badischen Landtag in Karlsruhe gewählt. Und die Forschungsergebnisse des Seminarkurses „Lokale Geschichte/Politik“ des Gauß-Gymnasiums belegen deutlich, dass der SPD-Abgeordnete kein Hinterbänkler war. Als Mitglied des Beschwerdeausschusses ist er stets in den vordersten Reihen zu finden, setzt sich für seine Mitbürger engagiert ein. Seine Wiederwahl in den Landtag war im Jahr 1925 somit keine Frage, wohl aber drei Jahre später bei der Bürgermeisterwahl in Altlußheim. Hier scheiterte er wegen einer bürgerlich-kommunistischen Absprache, die ein KPD-Mitglied zum Gemeindeoberhaupt werden ließ.
Gehweiler fand in „seinem“ Konsumverein sofort ein neues „altes“ Betätigungsfeld. Am Ende hat diese Selbsthilfeeinrichtung zehn Filialen, zwei davon in Altlußheim.
1929 in den Landtag wiedergewählt, muss sich der Landtagsabgeordnete ob seines noch immer nicht auskurierten Kriegsleiden 1931 einer Operation unterziehen. Diese brachte aber nur wenig Besserung, 1932 stirbt Bernhard Gehweiler nach schwerem Leiden in Altlußheim.
Die Beerdigung in seiner Heimatgemeinde wurde zu einem weithin beachteten Ereignis. Zeitungsleute aus dem ganzen badischen Raum waren zur Berichterstattung angereist, denn das Begräbnis des Landtagsabgeordneten sollte nicht nur zu einer der größten Beerdigungsfeier in der Region werden, sondern auch zu einer deutlichen Demonstration der regionalen Arbeiterbewegung und einem Protest gegen die drohende Machtübernahme durch die Nazis. Ganz im Sinne des verstorbenen Bernhard Gehweiler, einem aufrichtigen Demokraten, engagierten Sozialdemokraten – und bekennendem Altlußheimer.

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