Kurpfalz Regional Archiv

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Die delikaten Geheimnisse der Elisabeth Auguste

19.08.96 (Personalia)

Kurfürst Carl Theodor war nicht zu zähmen. Tageintagaus äugte er
nach den hübschen Töchtern seiner Untertanen und zeugte mit ihnen
 so munkelte man damals  über hundert uneheliche Kinder. Seine
angetraute Gattin saß derweil sittsam, fromm und „todttraurig“
daheim im Mannheimer Schloß und grämte sich ob der Eskapaden
„Euer Hochwohlgeboren“.

Diese Beschreibung ihres Ehelebens tischte Elisabeth Auguste als
ältere Dame bei ihren berühmten Diners regelmäßig ihren illustren
Gästen auf. Kein Wort davon ist wahr. In jungen Jahren nämlich
stand die Kurfürstin ihrem Gatten an Lebenslust an nichts nach.
In punkto Charme, Charisma und Amouren schlug Elisabeth Auguste
ihren „CT“ sogar um Längen. Und in Sachen Klugheit …

Wir schreiben den 17. Januar 1742. Das Mannheimer Schloß ist
taghell illuminiert, die barocke Stadt mit Blumengebinden
geschmückt und das neugebaute Opernhaus rüstet zu einem großen
Festabend. Der Grund für all den Jubel: Der 18jährige Kurfürst
Carl Theodor hat soeben seine um vier Jahre ältere und höchst
attraktive Cousine Elisabeth Auguste geheiratet.

Es war eine Heirat aus Staatsraison  natürlich. Kaum ein
größerer Gegensatz läßt sich denken als der zwischen dem
schüchternen, melancholischen Carl Theodor und seiner
extravertierten, durchaus frivolen und leichtlebigen Braut.
Glaubt man den feurigen Liebesbriefen der jungen Kurfürstin fing
die junge Frau schon unmittelbar nach der Hochzeit ein
leidenschaftliches Verhältnis mit ihrem Schwager Clemens von
Bayern an. Er sollte nicht ihr einziger Liebhaber bleiben. In den
Jahren um den Beginn des Siebenjährigen Krieges schien Elisabeth
Auguste so offen mit ihren verschiedenen Liebhabern Umgang
gepflogen zu haben, daß es viele Beobachter geradezu „revoltant“
fanden.

Die zahlreichen Amouren stehen für die eine Seite der
schillernden Persönlichkeit der Fürstin. Die andere bestand aus
der Fähigkeit zu Entscheiden und zu Führen  oder wie man heute
sagen würde: aus ManagementWissen.
Beispiel Eins: In den ersten zehn Ehejahren traf Carl Theodor
keine politische, kulturelle oder wirtschaftliche Entscheidung
ohne sie zuvor ausgiebig mit Elisabeth Auguste besprochen zu
haben.
Beispiel Zwei: Das Städtchen Oggersheim. Es war 1768, da
übersiedelte die Kurfürstin allein und endgültig ins dortige
Schlößchen. Kaum in Oggersheim angekommen, begann Elisabeth
Auguste auch schon zu planen und zu bauen. Mit unermüdlichem
Eifer und einer hübschen Stange Geld verwandelte sie Schloß und
Garten in Schmuckstücke, die illustre Gäste aus allen deutschen
Fürstentümern anzogen.

„Der Garten besteht aus drei aneinander hängenden Partien“,
berichtet ein Reiseführer aus dem Jahre 1770. „Der Lustgarten ist
von einem bemalten chinesischen Pavillon geziert, an welchem ein
langer mit doppelten Alleen besetzter Kanal anstößt. Im
Obstgarten prangt ein schönes OrangerieGebäude. Das marmorne
Badhaus liegt mitten in einem Lustwäldchen und hat die Aussicht
auf die Gold und Silberfasane“.

Kaum entsprach ihr Zuhause ihren ästhetischen Ansprüchen, sann
Elisabeth Auguste schon auf den nächsten Coup: eine standesgemäße
Kirche. Die berühmtesten Baumeister und Künstler, allen voran
Peter Verschaffelt, wurden herbeizitiert und die Oggersheimer
Bürger durften sich dank ihrer rührigen Fürstin über einen zuvor
nie gekannten Wohlstand freuen.

Kunsthistoriker schätzen die Oggersheimer Wallfahrtskirche als
eine der ganz wenigen gelungenen Symbiosen zwischen Spätbarock
und Klassizismus ein. Das Schloß und die Kirche würden heute wohl
ganze Busladungen voll Touristen nach Oggersheim locken  wenn
die französische Revolution nicht gewesen wäre. Im Januar 1794
brannten die Sansculotten das Oggersheimer Schloß bis auf die
Grundmauern nieder. Ein Schock, von dem sich Elisabeth Auguste
nie erholte. Im August 1794 starb sie im Exil in Weinheim.

Quelle: unbekannt

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