Kurpfalz Regional Archiv

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Die Glocken zu Speyer

24.05.12 (Geschichten & Erzählungen)

Die Glocken zu Speyer zeigten es in alter Zeit jedes mal an, wenn die Sterbestunde eines Kaisers gekommen war. Derselbe durfte noch so ferne weilen, so fingen sie doch zu läuten an, ohne daß jemand daran rührte. Nun kam einst der von allen verlassene Kaiser Heinrich IV. als bettelnder Greis nach Speyer und fand in dem letzten ärmlichen Häuschen der Vorstadt Aufnahme. Noch in gleicher Nacht hauchte er auf harter Lagerstatt sein Leben aus.
Da fing die große Kaiserglocke im Dom an, dumpf und feierlich zu klingen, und alle fünfzig Glocken der Stadt fielen mit klagendem Ton ein. In Speyer aber und weit im Land umher lief das Volk zusammen und fragte: »Der Kaiser ist gestorben? Weiß niemand, wo der Kaiser starb?«
Nach Jahren erwartete sein verräterischer Sohn Heinrich V. in seiner Pfalz zu Speyer auf goldener Lagerstatt den Tod. Geschäftige Diener eilten besorgt hin und her, und als das letzte Stündlein kam, da wimmerte es plötzlich durch die Luft. Die kleine Glocke, die Armesünderglocke, die lange verstummt war, läutete von selbst und mit seltsamem Klang, und keine der vielen Glocken stimmte mit ein. Und wieder lief das Volk in den Straßen zusammen wie ehedem; doch fragte es heute: »Wer wird denn wohl gerichtet jetzt?«
Autor: unbekannt

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