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Ein Glückslos für Reilingen

30.01.06 (Reilingen)

Kapellmeister Willi Ehringer 45 Jahre beim Musikverein „Harmonie“ / Einst Krisenmanager in Sachen Musik / Generationen von Musikerinnen und Musiker geprägt
Seit 45 Jahren ist der musikalische Erfolg der Kapelle des gerade 80 Jahre alt gewordenen Reilinger Musikvereins “Harmonie” eng verbunden mit dem Wirken von Kapellmeister Willi Ehringer. Diese an sich schon herausragende Leistung ist umso bemerkenswerter, als dass es im weiten Umkreis keinen weiteren Dirigenten gibt, der mehr als die Hälfte die Geschichte einer Musikkapelle entscheiden mitbestimmte und damit auch Musikergenerationen mitprägte.Dabei war es nicht die Liebe auf den ersten Blick, die Willi Ehringer nach Reilingen führte. Es war eher die Notwendigkeit, endlich wieder einen Dirigenten für eine fast nicht mehr existierende Kapelle zu finden. Der damalige “Harmonie”-Vorsitzende Gustav Hopf folgte 1961 dem Vorschlag seines Firmen-Prokuristen Gerhard Frank und engagierte den zu diesem Zeitpunkt bereits bekannten Profimusiker Willi Ehringer als Musiklehrer und zukünftigen Dirigenten.
Die Situation, die der Jazz- und Swingmusiker Ehringer (er hatte nach dem Krieg in Clubs der US-Armee und in so bekannten Formationen wie die “Goldene 4” oder der Tanzkapelle “La Paloma” gespielt) in Reilingen vorfand, war nicht gerade ermutigend. Fünf Burschen und ein Mädchen zwischen zehn und 18 Jahren bildeten mit ihren nur geringen Kenntnissen die „Kapelle“ des Musikvereins.
Willi Ehringer, der in den 50-er Jahren als bekannter Tanzmusiker durch ganz Europa gereist war, konnte jetzt auf seine musikpädagogische Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg zurückgreifen. Bereits nach wenigen Proben gelang es dem gebürtigen Hockenheimer, die jungen Musiker so zu motivieren, dass die kleine Formation erstmals in der Öffentlichkeit auftreten konnte.
Die ersten Erfolge sprachen sich schnell herum und der Vollblutmusiker wurde, so Ehringer über Ehringer, zu einem “Krisenmanager in Sachen Musik”. Immer dort, wo Not am Dirigenten war, sprang er ein. Dass die Musik Willi Ehringer jung und aktiv gehalten hat, beweisen die zahlreichen Aktivitäten des 77-jährigen. Neben der Reilinger “Harmonie” gehörten der Musikverein Unteröwisheim, der Fanfarenzug der Rennstadt Hockenheim oder auch die Big Band der Bereitschaftspolizei Baden-Württemberg in Bruchsal zu seinem “Dirigenten-Imperium”. Und als exzellenter Trompeter ist er aus den “Dixieland Allstars” nicht mehr wegzudenken.
Trotz vieler Erfolge (Willi Ehringer ist übrigens einer der wenigen deutschen Jazzmusiker, der bei einem Auftritt in Chicago landesweit im amerikanischen Fernsehen zu sehen war) ist der Dirigent stets ein Musiker unter Musikern geblieben. Ein Musiker aber, dessen Verpflichtung nicht nur für die „Harmonie“ sondern auch für das Reilinger Kulturleben ein „besonderes Glücklos” war, wie der Vorsitzende des Musikvereins, Richard Hartmann, während der Winterfeier unter Applaus des Publikums und aller Musiker in einem Rückblick auf 45 gemeinsame Musikerjahre feststellte.

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