Kurpfalz Regional Archiv

Geschichte(n) und Brauchtum aus der (Kur-)Pfalz

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Hockenheim ergibt sich

08.04.10 (Hockenheim)

Den in die Stadt einrückenden US-Truppen mit weißer Fahne mutig entgegengestellt / Am Ostersonntag 1945 war für die Rennstadt der Krieg zu Ende / In den letzten Kampfstunden noch zur Festung erklärt

Obwohl es in Hockenheim keine bekannten aktiven Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime gab (ausgenommen vielleicht der stets engagiert gegen die örtlichen NSDAP-Aktivitäten auftretende Stadtpfarrer und Dekan Josef Englert), formierten sich kurz vor Kriegsende endlich einige mutige Männer, um ihre Heimatgemeinde zu retten und sie kampflos zu übergeben. Am Karfreitag 1945 begaben sich Ludwig Grein, Stadtpfarrer Josef Englert, Martin Klenk und weitere Männer zum Kommandanten der „Festung Hockenheim“, der im Keller des „Güldenen Engels“ seinen Befehlsstand hatte. Oberst Freiherr von Bülow lehnte die Forderung nach Abzug der deutschen Truppen aus Hockenheim jedoch ab und drohte der Abordnung, sie standrechtlich erschießen zu lassen. Am Karsamstag, 31. März, verließen Bürgermeister Arthur Neuschäfer und der in Hockenheim weilende NSDAP-Kreisleiter fluchtartig die Stadt und auch die Wehrmachtstruppen zogen gegen 23 Uhr ab.
Kurz nach Mitternacht begannen Ludwig Grein und Martin Klenk, alle Fahnen und Hitlerbilder, die sie im Rathaus auf die Schnelle finden konnten, zusammenzutragen und zu verbrennen. Eine bis heute unbekannt gebliebene Schneiderin nähte lange weiße Fahnen zusammen, die bereits gegen drei Uhr in der Osternacht zum katholischen Pfarrhaus gebracht wurden, um diese auf der den Amerikanern zugewandten Seite des Kirchturms aufzuhängen. Kaplan Schmider und der damals 15-jährige Bernhard Fuchs verließen den schützenden Pfarrhaus-Keller (die Fortuna-Kreuzung lag zu diesem Zeitpunkt noch unter Artilleriebeschuss), um die weißen Fahnen am Turm anzubringen. Altstadtrat Bernhard Fuchs erinnert sich noch heute an die gespenstische Situation: „Oben im Kirchturm angekommen, sahen wir vor lauter künstlichem Nebel kaum etwas und die Geschosse pfiffen uns immer wieder um die Ohren.“ Dennoch gelang es ihnen, die Fahnen rechtzeitig anzubringen. Zur gleichen Zeit begannen einige mutige Männer, die ebenfalls bis heute unbekannt geblieben sind, die Panzersperren in der Stadt abzuräumen, um eine sinnlose Zerstörung Hockenheims in letzter Minute zu verhindern.
Als der Morgen graute, flatterten auch am beschädigten Turm der evangelischen Kirche die Fahnen der Kapitulation und überall in der Stadt hängten die Einwohner weiße Bettlaken in die Fenster ihrer Häuser und Wohnungen. Den in die Stadt einrückenden US-Truppen stellte sich Ludwig Grein mit einer weißen Fahne in der Hand mutig entgegen und übergab den Alliierten am Vormittag des Ostersonntags 1945 seine Heimatstadt. Der Krieg war damit für Hockenheim zu Ende.

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