Kurpfalz Regional Archiv

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Im Kaufhaus wurde getanz und gefeiert

07.07.98 (Landschaft & Orte, Musik, Kunst & Kultur)

Eines der ältesten mittelalterlichen Steinhäuser der Kurpfalz steht in Landau / Das „Alte Kaufhaus“ bereits seit Jahrhunderten bekannt
Das Gebäude war nie ein Waren- und Verkaufshaus im modernen Sinne. Es war vielmehr eine Einrichtung, in der laut Stadtverordnung alle einheinmischen und auswärtigen Verbrauchs- und Handelsgüter gelagert und präsentiert werden mußten. Darüber wachte der Kaufhausmeister als städtischer Beamter. Seine Aufgabe war es, das Haus zu öffnen und zu schließen und alle Käufe und Verkäufe zwischen Erzeugern und Händlern zu überwachen.
Im Erdgeschoß lagerten  Eisen, Stahl, Blei, Zinn, Kupfer, Pflugschare, Zwilch, Leinwand, Salz, Schmalz, Butterfässer, Wachs, Honig, Pech, Heringe, Bücklinge, Stock  und Rheinfische. Auch Eichgeräte und Waagen waren hier untergebracht. Aus dem Jahre 1455 ist in alten Dokumenten eine Safranwaage erwähnt. Safran wurde damals zum Gelbfärben und für die Buchillustration benötigt. Angebaut wurde die Pflanze in der Umgebung der Kleinen Kalmit. Aber auch kleinere Geschütze, Waffen und Munition wurden im Kaufhaus aufbewahrt.
Erbaut wurde das Alte Kaufhaus wohl zwischen 1412 und 1415, was anhand der Fällungsdaten des für den Dachstuhl verwendeten Holzes nachgewiesen werden konnte. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das „Kaufhus“ am 25. Oktober 1415, als einem Rudolf Kesseler für die Dauer von einem Jahr das Amt des Kaufhausmeisters der Stadt übertragen wurde. Das Bauwerk, das rund 100 Jahre jünger ist als die drei mittelalterlichen Kirchen der Stadt (Stiftskirche um 1281,
Augustinerkirche von 1303 und die Katharinenkapelle von 1315), gehört zu den wenigen erhaltenen mittelalterlichen Kaufhäuser in Süddeutschland. Es ist vergleichbar mit dem „Rathaus“ von Nördlingen, dem „Kaufhaus am Eisenturm“ in Mainz, dem „Roten Haus“ in Miltenberg, dem „Großen Kaufhaus“ in Konstanz sowie dem „Kürschnerhaus“, ebenfalls in Nördlingen.
Das Landauer Gebäude erfuhr zu Beginn des 19. Jahrhunderts einschneidende Veränderungen. Zu dieser Zeit gab es in Landau keinen geeigneten Theatersaal, so daß im Freien oder in Wirtshäusern gespielt werden mußte. Bereits in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde dann mehr schlecht als recht im „Alten Kaufhaus“ Theater gespielt. Am 8. April 1837 beschloß der Rat der Stadt schließlich den Umbau zu einem richtigen Theater. Zivilbauinspektor August von Voit, von dem auch die Entwürfe zur Fruchthalle in Kaiserslautern, zur Kirche in Rinnthal und zum Landauer Gefängnis stammen, wurde mit dieser Aufgabe betraut. Der Umbau griff verändernd in die alte Bausubstanz ein und kostete für die damalige Zeit viel Geld. In alten Akten ist überliefert, daß 1838 und 1839 rund 40 Prozent der außerordentlichen Ausgaben im städtischen Haushalt in den Umbau flossen.
Der Theatersaal wurde in den folgenden Jahren immer wieder umgebaut. 1892/93 erfolgte der Einbau einer Galerie. Mit der Einweihung der Festhalle im Jahr 1907, die Landau einen großen und repräsentativen Musentempel im zeitgemäßen Dekor des Jugendstils bescherte, hatte das Alte Kaufhaus als Theater ausgedient. Ab 1909 war es ein Kino, in dem zunächst alle cineastischen Novitäten bestaunt werden konnten. Das „Corona“, wie es bei den Landauern hieß, war viele Jahre lang eine
Institution in der Stadt und der umliegenden Region. Als dann aber in den 60er Jahren viele Kinos untergingen, waren auch die großen Tage dieses Lichtspielhauses gezählt. 1985 wurde es schließlich geschlossen.
Um das Haus vor dem drohenden Verfall zu retten, wurde es in mehrjähriger Bauzeit gründlich saniert und zum multifunktionalen Kulturzentrum umgebaut, das 1997 eingeweiht wurde.Auch die im Rahmen der Renovierung entdeckten Wandgemälde aus dem Biedermeier sollen bald den Saal verschönern.

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