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Kinder kochen wie zu Großmutters Zeiten

05.09.05 (Reilingen)

Vergnüglicher Kochnachmittag der Freunde Reilinger Geschichte im Hof des Heimatmuseums / Aprikoseneis und Grünkernmehlsuppe als kulinarische Renner
Die siebenjährige Daniela strahlt über das ganze Gesicht als sie ihre verschmierten Hände an der viel zu großen Kochschürze um ihren Bauch abreibt: „Das Kocken hat echt Spaß gemacht, aber noch besser war das Aprikoseneis, das wir gemacht haben.“ Die umstehenden Buben und Mädchen stimmen kräftig nickend zu, können aber mit vollem Mund nur wenig sagen. Die in heißem Fett ausgebackenen Teigsterne schmecken ja auch zu gut – obwohl die etwas fremden Namen und Gerichte zunächst für skeptische Blicke bei den 25 Kindern im Hof des Reilinger Heimatmuseums sorgt hatten. Die Freunde Reilinger Geschichte hatten auch in diesem Jahr wieder zu ihrem beliebten Kochen wie zu Großmutters Zeiten eingeladen und wie immer hatten sich viel zu Viele gemeldet, die an diesem Klassiker des Kinderferienprogramms der Spargelgemeinde teilnehmen wollten. Die, die schließlich im Vorfeld der Veranstaltungsreihe ausgelost wurden, erlebten dank Philipp und Hildegard Bickle einen vergnüglich-lehrreichen Nachmittag. Unterstützt von Walter Astor und Otmar A. Geiger hatten sie einmal mehr zahlreiche Ausstellungsstücke aus der umfangreichen Museumssammlung zusammengestellt, um der jungen Generation einmal zu zeigen, mit welchen Geräten und Hilfsmitteln früher gekocht und gebacken wurde. „Von wegen Mixer oder elektrisches Rührgerät, Handarbeit war angesagt“, machten die Bickles die schwierige Küchenarbeit von einst deutlich.
Damit die Kinder die Rezepte aus Großmutters Kochbuch auch lesen konnten, gab es zunächst einmal eine Einführung in die heute längst unbekannte deutsche Schrift. Hatten die Sütterlin-Buchstaben schon für Verwunderung gesorgt, waren die Buben und Mädchen wenig später erstaunt zu hören und zu sehen, wie einst empfindliche Lebensmittel gekühlt wurden. Diese lagerten in einem Eisschrank, der mit dem im Winter gebrochenen Eisstücke der Kraichbach bestückt wurde. Diese lagen bis in den Sommer gut gekühlt im örtlichen Bierkeller, zwei Stockwerke unter der Erde.
Mit dem gleichen Natureis wurden einst auch Speiseeis und Gefrorenes hergestellt. Ungläubig verfolgten die Kinder den Thermometer als Philipp Bickle dem Roheis in einem Zuber Salz zusetzte – um es kälter werden zu lassen. Und tatsächlich zeigte wenig später das Thermometer minus 20 Grad an. Schnell füllten fleißige Kinderhände die mit dem durch ein Haarsieb gestrichene Aprikose-Zucker-Schlagrahmmasse in eine Gefrierbüchse. Mit einer Handkurbel wurde die Masse in dem langsam tauenden Eis bis zum Stocken gerührt. Immer wieder wechselten sich die Kinder in dieser ungewohnten Arbeit ab. Als fast nichts mehr ging, war es endlich soweit: das Reilinger Aprikoseneis von anno Dazumals war fertig – und schmeckte so gut, dass selbst die Büchse und die Rührbesen noch abgeschleckt wurden.
Naschen war auch bei den anderen Jungköchen angesagt, denn die gebackenen Sterne entpuppten sich als leckeres Naschwerk aus lange geknetetem Teig, Zucker und Zimt. Dass dazu ausgerechnet die zuvor mit deftiger Fleischbrühe hergestellte Grünkernmehlsuppe gegessen wurde – eine zunächst schier unmögliche, später aber recht schmackhafte Kombination. Und die aus einer weißen Mehlschwitze entstandenen Leckerei namens Rahmkartoffeln wurde von den kleinen Köchen auch noch mit viel Genuss vertilgt.
Als schließlich das Geschirr und die Geräte gesäubert waren und der Nachmittag so langsam ausklang, sammelten die Buben und Mädchen schnell noch die ausgedruckten Rezepte ein, um diese wie Daniela ihren beim Abholen überraschten Müttern und Vätern unter die Nase zu halten: „Gell, wir machen zu Hause auch mal eine Grünkernmehlsuppe – oder wenigstens die gebackenen Sterne?“

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