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Ludwig Grein – ein Mann des Widerstands

08.04.10 (Hockenheim)

Dank intensiver Forschung jetzt ein erster Blick in den Hockenheimer Widerstand möglich / Der Mann, der seine Heimatstadt vor der Zerstörung bewahrte
Seit 65 Jahren wird in heimatkundlichen Schriften und Beiträgen zwar immer wieder von Ludwig Grein geschrieben, der seine Heimatstadt Hockenheim in den letzten Kriegstagen vor der Zerstörung bewahrte, indem er sie kampflos den amerikanischen Kampftruppen übergab, viel mehr war aber bisher nicht bekannt. Oft wurde getuschelt, dass Grein wohl doch ein Nazi gewesen sein muss, da er nur wenige Tage, nachdem er zum kommissarischen Bürgermeister der Stadt ernannt worden war, wieder abgesetzt, verhaftet und ins Militärgefängnis nach Speyer gebracht wurde. Dank intensiver Recherchen von Klaus Brandenburger, einem Mitbegründer des Arbeitskreises Jüdische Geschichte in Hockenheim, liegen nun einige Dokumente vor, die es ermöglichen, die Person Ludwig Grein näher zu beleuchten.
Ja, sein Großvater sei von 1937 bis 1945 Mitglied der NSDAP gewesen, bestätigt auch CDU-Altstadtrat Volker Grein. Aber er sei nie politisch in Erscheinung getreten. Als streng gläubiger Katholik habe er nicht nur regelmäßig die Gottesdienste besucht, sondern auch an allen Fronleichnamsprozessionen teilgenommen. Gerade dies habe ihm immer wieder Ärger mit den Nazi-Oberen eingebracht, mehrmals sei er von der Gestapo deswegen vorgeladen worden.
Ludwig Grein, der bis 1932 als Mitglied des Zentrums dem Hockenheimer Gemeinderat angehörte, galt als impulsiver Mensch, der sich immer wieder mit Andersdenkenden anlegte. Ob seiner „politischen Unzuverlässigkeit“ wurde er mehrmals angezeigt, Hockenheims stellvertretender Bürgermeister Eichhorn machte Meldung an die NSDAP-Kreisleitung.
Dank der intensiven Forschung ist es heute inzwischen unstrittig, dass Ludwig Grein für seine Zeit nicht nur ein mutiger Mann war und mit Zivilcourage immer wieder die Nazi-Propaganda anprangerte, sondern trotz seiner NSDAP-Mitgliedschaft (ohne die hätte er nicht im Schuldienst verbleiben können) aktiven Widerstand geleistet hat. Zu dieser Auffassung kam auch Landgerichtsrat Weber von der Spruchkammer Schwetzingen, der in seinem Urteil vom Januar 1947 (Az. 57/13/6246) über Ludwig Grein feststellte, dass dieser „ein entschiedener Gegner der NSDAP“ gewesen und nur unter Druck der Partei beigetreten sei. „Er hat nach Überzeugung der Kammer die Tendenzen des NS-Regimes in Unterricht nach besten Kräften sabotiert und ist, wo er nur konnte, der NS-Propaganda entgegengetreten. Er hat sich durch die Haltung das Misstrauen und die Feindschaft der Parteileitung zugezogen. Der Betroffene hat nach Überzeugung der Kammer nach dem Mass seiner Kräfte Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet und sich dadurch einer erheblichen persönlichen Gefahr ausgesetzt.“

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