Kurpfalz Regional Archiv

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Wasserholen war kein Vergnügen

04.05.91 (Allgemein, Städte & Gemeinden)

Wasser gehörte schon immer als wichtigstes Lebensmittel zum Alltag des Menschen
Den „Quell des Lebens“, wie bereits die Babylonier das Wasser nannten, schöpfte man zu Beginn der Menschheit und noch lange danach aus fließenden Gewässer. Schon recht früh lernten sie zudem die Technik des Brunnenschlagens. Das Wasser kam zum Menschen. Jetzt wurde es möglich, auch abseits von Flüßen, Seen und Bächen zu siedeln. Am Beispiel von Plankstadt soll einmal die Entwicklung der Wasserversorgung in der Kurpfalz aufgezeigt und ihre Bedeutung verdeutlicht werden.
Das Dorf „Planckenstatt“ wurde bereits 771 im Lorscher Codex zum ersten Mal urkundlich erwähnt und gehört damit zu den ältesten Siedlungen im Land zwischen Rhein und Neckar. So sind bereits für diese Zeit 14 Höfe überliefert, die zum Teil eine eigene Wasserversorgung hatten. Für alle anderen Einwohner stand ein Dorfbrunnen zur Verfügung. Diese Brunnen
waren noch bis ins 20. Jahrhundert hinein in Betrieb und manch älterer Kurpfälzer kann sich noch an die verschiedenen Dorfbrunnen in Plankstadt erinnern. Zu den wichtigsten gehörte seinerzeits der Dorfbrunnen auf dem Straßenstück vor dem Rathaus. Intensiv mit der örtlichen Wasserversorgung beschäftigte sich auch der Plankstadter Heimatforscher Egon Pfaff.
So beschrieb er beispielsweise genau die Landeburger Straße: „Dort standen Brunnen vor den heutigen Häusern Nummer 7/9, 18 und 31. Wie bei Straßenarbeiten inzwischen festgestellt wurde, waren die Standorte der Brunnen in weitaus kleineren Abständen zu suchen. Das Wasserholen war, zumal im Winter, auf keinen Fall ein reines Vergnügen; die Mühe wurde allerdings durch ein kleines Schwätzchen mit Nachbarn gemildert. Die Idylle des öffentlichen Brunnens ist ja schließlich auch Volksliedgut geworden. Das Aussehen der Brunnen veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte. Zunächst hing der Brunneneimer an einer langen Stange, später an einer Kette und zum Schluß waren sie mit einer Pumpe
versehen. Die Pumpenbrunnen gab es offenbar seit Anfang des 19. Jahrhunderts.“
Für die Wasserversorgung mußten bis ins 18. Jahrhundert keine besonderen Abgaben entrichtet werden. In alten Dokumenten ist jedoch überliefert, daß die Gemeinde Plankstadt 1767 für jeden Brunneneimer, der von ihr angeschafft werden mußte, 48 Kreuzer zu zahlen hatte. Ebenso mußte man für die anfallenden Reparaturen am Brunnenstock aufkommen. Zudem wurde im Rathaus eine Brunnenleiter als Gemeindeinventar gelagert.
Zu den größten Vergnügen der Jugend der damaligen Zeit zählte das Herausholen der in den Brunnen gefallenen Eimern, was immer wieder mal vorkam. Unter der Aufsicht eines Handwerksmeisters wurden die Buben, die sich mehr als einmal um diese Aufgabe im wahrsten Sinne des Wortes schlugen, angeseilt. Erst danach durften sie über die Brunnenleiter in das dunkle, kühle Loch hinabsteigen. Groß war die Gaudi, wenn sie hinuntersteigen mußten, um die dort siedelten Salamander oder Kröten zu fangen. Es kam nicht selten vor, daß die gute Hausfrau vor Schreck ihren Eimer in den Brunnen fallen ließ, als sie der Tiere in ihrem Wasser ansichtig wurde.
Schwierig war jedoch die Arbeit im Brunnen in den Wintermonaten. So mußte regelmäßig das Eis um den Brunnen entfernt werden und wenn der Winter besonders frostig war, mußte das Eis auch aus dem Brunnen selbst herausgeschlagen werden, um wieder an das Wasser zu kommen. Mit dieser schwierigen Aufgabe wurde meist der Feldschütz vom Schultheiß
beauftragt, der für seine gefährliche Arbeit mit einem Schoppen Wein entlohnt wurde. Später wurde die Instandhaltung der Brunnen öffentlich versteigert.
Fortschrittlicher und bequemer für die Dorfbewohner wurde es erst, als 1906/07 in Plankstadt eine zentrale Wasserversorgung gebaut wurde. Die Investitionssumme der Gemeinde, die dafür ein Darlehen aufnehmen mußte, lag bei rund 190.000 Mark. Durch diese für die damalige Zeit kostenintensive Maßnahme war die Zeit der unentgeltlichen Wasserentnahme in Plankstadt vorbei. Seit dem 1. April 1907 mußte ein pauschaler Wasserzins an die Gemeindekasse entrichtet werden. Erst mit dem Einführen der Wasseruhren wurde dann Jahrzehnte später auf ein neues Tarifsystem umgestellt, das dann auch Abwassergebühren vorsah.

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