Kurpfalz Regional Archiv

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Zunächst ein Griff in den Harz-Topf

03.07.05 (Reilingen)

Tauziehturnier lockte Besucherscharen an / Rutilo Arena in optimalem Zustand / „Gruftis“ siegen im größten Laienturnier Deutschlands / Landjugend Neckar-Bergstraße bestes Jugendteam
Optimale Witterungsverhältnisse, starke Mannschaften und ein begeistertes Publikum in einer bis auf den letzten Platz belegten Rutilo-Arena – am vergangenen Wochenende passte in Reilingen anlässlich des traditionellen Tauziehturniers einfach alles zusammen. Dieser Ansicht waren nicht nur die 27 Mannschaften (darunter auch drei reine Frauenteams), sondern auch die vielen Hundert Besucher, die zum Teil recht weite Anreisewege in Kauf genommen, um an einem der größten Laienturniere in Deutschland teilzunehmen. Mit dem Athletenverein sowie den Gruppen Bamboocha, Bistro-PS, CVJM, Pull Bulls und dem Frauen-Team Flower Powers waren auch sechs Reilinger Teams mit am Start. Diese spielten bei einer außerordentlich starken Konkurrenz in einem hochklassigen Wettkampf zwar keine entscheidende Rolle, sorgten aber mit ihren zum Teil abenteuerlichen Kostümen für die Farbtupfer des Turniers. Was eigentlich als Gaudi-Turnier gedacht war, wurde dann doch von den meisten Mannschaften als ernst zu nehmender Wettbewerb wahrgenommen.
Wie bei den Profis dieser alten Sportart legte der Ankermann zunächst in aller Ruhe das Seil wie eine Riesenschlange über den breiten, durch Lederstreifen auf dem
Trikot geschützten Rücken. Da Handschuhe verboten waren, griffen die Frauen und Männer an den Seilen zunächst in einen Topf mit Harz, um sich dieses zum Schutz der Haut und wegen der besseren Griffigkeit auf die Handflächen zu schmieren.
Mit einem festen Griff wurde schließlich das rund 45 Millimeter starke und 32 Meter lange Seil umschlossen, die sechs Zieher auf jeder Seite machten sich zum Wettkampf bereit. Das Zielvorgabe war klar: die gegnerische Mannschaft zweimal über die Distanz von vier Metern zu ziehen.
Nach dem Kommando „Seil auf!“ griffen die 24 eingeharzten Hände zu, ebenso viele Absätze wurden zur besseren Standfestigkeit in den weichen Boden gehackt.
Während einige versuchten, nach dem Kommando „Fertig – Pull!“ mit reiner Kraft eine schnelle Entscheidung herbeizuführen, gingen die meisten jedoch mit Technik und noch mehr Taktik ans Werk. Ob der Kraftanstrengungen schienen Adern und
Augen um die Wette zu quellen, Trainer und Betreuer versuchten, mit lauten Befehlen ihre Mannschaft rückwärts zu treiben.
Begeistert wurde bei den einzelnen Kämpfe mitgegangen und die einzelnen Mannschaften vom Publikum angefeuert – allen voran natürlich die einheimischen Teams.
Nach den Ausscheidungskämpfen, die bis in die frühen Abendstunden andauerten, standen schließlich die Endkampfpaarungen fest. Gewonnen wurde das Kräftemessen letztendlich nach spannenden Finalkämpfen von den „Gruftis“ aus Hirschberg-Großsachsen, die damit ihren Titel aus dem letzten Jahr beeindruckend verteidigten. Sie verwiesen die sechs „Soilschnorrer“ von den Heidhöfe aus Böhmenkirch auf den zweiten Platz, Dritter wurden die „Doibacher Löwen“ aus Großdeinbach, die die „Baukarra-Maitis“ aus Ottenbach deutlich besiegen konnten.
Am gestrigen Sonntag wurde bei sonnigem Wetter und hochsommerlichen Temperaturen das Tauziehturnier mit dem offiziellen Wettkampf der Jugendmannschaften fortgesetzt. Obwohl nur vier Teams zu diesem Wettbewerb gemeldet hatten, wurde guter Tauziehsport geboten. Es siegte die Landjugend Neckar-Bergstraße vor den Sportfreunden Goldscheuer, dem Nachwuchs der Reilinger Buwe und dem aus Hessen angereisten Tauziehverein Zennern.
Das kleine Starterfeld enttäuschte jedoch die vielen Besucher, die den Herrenbuckel im Laufe des Nachmittags ansteuerten. Da die Wettkämpfe relativ schnell beendet waren, lag die Wettkampfarena verwaist da und auch im großen Festzelt ging es eher beschaulich zu. Ein Problem, das auch die Veranstalter erkannten. „Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag in diesem Jahr zu stark auf dem Laienturnier am Samstag. Wir müssen wieder versuchen, auch für sonntags ein attraktives Turnierprogramm zusammenzustellen“, stellte Markus Dobusch von den Reilinger Buwe selbstkritisch fest. So denke man daran, das Laienturnier möglicherweise mit einem internationalen Einladungsturnier zu verbinden.
Organisatorisch kein Problem, denn auch in diesem Jahr hatten es di Reilinger Buwe wieder verstanden, eine Großveranstaltung beispielhaft durchzuführen. Und wohl bei keiner Sportveranstaltung wurden die Wettkämpfe so sachkundig moderiert und aktuelle Interviews durchgeführt wie in der Rutilo Arena durch Dr. Jörg Söhner.
Bei der Siegesfeier des Laienturniers knallten im großen Festzelt dann auch die Korken. Ob nun mit Winzersekt, Apfelsaftschorle oder Weizenbier – im großen Kreis der Tauziehsportler wurde mit allen Arten von Getränken auf den gelungenen Turnierverlauf und die Platzierungen angestoßen. Und der bereits mit Spannung erwartete Auftritt der regionalen Kultband „ZAP Gang“ sorgte zum Ausklang des ersten Tags nochmals bei sattem Sound für großen Besucherandrang.
Insgesamt erlebte die Rutilo Arena am Herrenbuckel so ein ereignisreiches Sport- und Erlebniswochenende für die ganze Familie.

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