Tapisserien kehren zurück

Beletage von Schloss Bruchsal in (altem) neuen Glanz
Ende April 2017 werden die Räume mit ihren glanzvollen Interieurs aus der Zeit der Fürstbischöfe und der Markgräfin Amalie von Baden wieder zugänglich sein. Jetzt sind die ersten 15 Stücke der Ausstattung wieder zurück ins Schloss gekommen – und es sind die kostbarsten der Sammlung: die Tapisserien, die großen seidenen Wandteppiche. Sie waren seit 14 Jahren dort nicht mehr zu sehen: Als 2002 das Badische Landesmuseum mit dem „Museum für höfische Kunst des Barock“ auszog, wurden die Tapisserien, die damals dort präsentiert wurden, in die Depots gebracht. Inzwischen sind sie gereinigt und restauriert.
15 von insgesamt 38 der empfindlichen Stücke sind jetzt bereits ins Bruchsaler Schloss zurückgekehrt. Tapisserien gehörten immer zu den wertvollsten Ausstattungsstücken der Schlösser – vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. Es handelt sich um großformatige Bildwirkereien, Wandteppiche mit vielfigurigen Bildern, die in hochspezialisierten Werkstätten vor allem in Frankreich und Flandern aus farbigen Seidengarnen hergestellt wurden. Sie sind die ersten Vorboten der Schlossausstattung. Die großen Bildteppiche aus Seide und Wolle sind rare Schätze. „Die Tapisseriensammlung der Staatlichen Schlösser und Gärten ist herausragend in Deutschland. Nur in der Residenz in München befindet sich eine größere Kollektion“, so Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.
Zwischen 2010 und 2017 arbeiteten verschiedene Textilrestaurierungswerkstätten in ganz Deutschland in mehreren Arbeitsschritten an der aufwendigen Restaurierung: Zunächst wurden die Bildteppiche genau untersucht. Dabei ging es darum, den Zustand und mögliche Schäden an den kostbaren Stücken zu dokumentieren. Große Webschlitze wurden mit Spannstichen geschlossen, damit das Gewebe bei der anschließenden Reinigung keinen Schaden erleidet. „Für die behutsame Reinigung mussten die Tapisserien nach Mechelen in Belgien oder nach Wien reisen“, erklärt Dr. Petra Pechaček, die Konservatorin von Schloss Bruchsal, die das Projekt leitet: Dort arbeiten spezialisierte Werkstätten als Tapisserie-Wäschereien für ganz Europa, die für Wirkteppiche dieser Größe – einige der Exponate besitzen eine Größe von mehr als 20 qm – ausgelegt sind. In einem speziellen Verfahren wurden dort jahrhundertalter Staub, Schmutz und auch Rückstände von Pestiziden entfernt, bevor die eigentliche Restaurierung der empfindlichen Gewebe durchgeführt werden konnte.
Die komplizierte Hängung der kostbaren Textilien wird sich über sechs Monate hinziehen. Insgesamt acht Restauratorinnen werden jeweils in Vierergruppen daran arbeiten. Vor Ort in Schloss Bruchsal werden die Tapisserien zur Hängung auf den mit Seidenstoffen bezogenen Wandplatten vorbereitet. Nach den Tapisserien werden die historischen Öfen in den Schlossräumen aufgestellt und die Lüster gehängt, dann kommen die weiteren Ausstattungsstücke wie Gemälde, Möbel, Spiegel und zuletzt Uhren und Porzellane.
Die seidenen Wandteppiche sind die wertvollsten Stücke der insgesamt hochkarätigen Sammlung, die ab Frühjahr 2017 wieder in den Räumen der Beletage von Schoss Bruchsal zu sehen sein wird. Schloss Bruchsal, im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört und danach Stück um Stück aufwendig rekonstruiert, war die barocke Residenz der Fürstbischöfe von Speyer. Die geistlichen Fürsten, die dort im 18. Jahrhundert regierten, waren durchweg Kunstliebhaber und Mäzene – und das auf höchstem europäischem Niveau. Die Ausstattungen von Schoss Bruchsal aus Barock und Rokoko gehören daher zu den Spitzenleistungen des Kunsthandwerks der Zeit. Möbel, Gemälde, Porzellane und die Wandteppiche waren größtenteils bereits im September 1939 ausgelagert worden und blieben daher wunderbarerweise erhalten. Jetzt kehren sie wieder in die Räume der Beletage von Schloss Bruchsal zurück.
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