Kurpfalz Regional Archiv

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Während des Gebets Kirche abgedeckt

08.04.89 (Glaube & Religion, Kirchen & Klöster)

Jodokuskirche WiesentalGeschichte der Kirche von Wiesental eng mit dem (Alt-)Bistum Speyer verbunden / Bischöfliches Ja zu Messen im Rathaus
Im Frühjahr 1739 erteilte der Speyerer Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn den Auftrag, „die alte ohnehin sehr kleine und baufällige Kirche dahier zu Wiesenthal abbrechen, und von Grundauf neu aufbauen“ zu lassen. Auf das Areal des im Dreißigjährigen Krieg – wohl um das Jahr 1623 – errichteten Gotteshauses, das 1689 während des Pfälzischen Erbfolgekriegs größtenteils zerstört worden war, sollte nach dem Willen des Regenten ein schmuckes Barockkirchlein zu stehen kommen.

Seit jeher befand sich der Hochaltar unterhalb des Kirchturmes auf der Ostseite, wie aus alten Unterlagen hervorgeht. Nunmehr versetzte man das bislang westliche Hauptportal diametral in den Turm und vergrößerte in regelrechter Kreuzform die Kirche in westliche Richtung. Am Ende der Verlängerung entstand der neue Chorraum mit einem glanzvollen Hochaltar. Der Erweiterung fielen das alte Schulhaus, die Pfarrerswohnung und ein Stück des Friedhofes zum Opfer.
Im August 1740 entfernte man kirchlicherseits die wohlverwahrten Reliquien aus den Altären: In den Sepulchra, den Vertiefungen inmitten der drei Altäre, waren nämlich kleine Reliquien verschiedener Heiliger eingelassen. Im selben Monat bat Pfarrer Kaspar Ignaz Käpplein den Fürstbischof um Erlaubnis, künftig die Gottesdienste im zweiten Stock des neuen Rathauses abhalten zu dürfen. Wenn nun Turm und Chor bald abgebrochen seien, würden sich die vorgeschlagenen Räumlichkeiten am besten für die Gläubigen eignen. Doch müssten an dem Rathaus, mit dessen Bau 1738 begonnen wurde, noch einige handwerkliche Arbeiten fertiggestellt werden: Beispielsweise lägen die Fenster noch in Philippsburg. Er rechne damit, so der Geistliche, dass das Rathaus in spätestens drei Wochen seiner Vollendung entgegensehe. Dann könne man „zur Noth“ und „für kurze Zeit“ mit den dortigen Verhältnissen zurechtkommen.
Wenn aber während der Bauzeit keine Gottesdienste mehr stattfänden, bestünde die Gefahr, dass viele der Wiesentaler Katholiken später der Kirche gänzlich fernblieben, befürchtete der Pfarrer. Am 6. September bezeichnete Käpplein das neue Verwaltungsgebäude als bezugsfertig. Das obere Stockwerk sei vollständig gedielt, allte Fenster und Türen eingebaut. Weil die Platzverhältnisse bequem ausreichten, könnten die Gottesdienste „ohne Bedenken“ dort abgehalten werden. Der Geistliche erbat deshalb die fürstbischöfliche Erlaubnis, ab sofort die Messe im Rathaus feiern zu dürfen.
Während sich die Gläubigen mit dieser provisorischen Unterkunft begnügen mussten, hatten die Handwerker bereits Türen und Fenster der alten Kirche entfernt und das Dach bis zur Hälfte abgedeckt. Überall standen die Gerüste herum, „so daß kein Stuhl mehr aufgestellt werden konnte“. Die Maurer begann inzwischen, den Chorbogen am Turm, unter dem seither die heilige Handlung vollzogen wurde, abzubrechen. Zu Jahresbeginn 1741 bildete die Kirche eine nicht zu übersehende Baustelle. Bis auf den Turm trugen die Arbeiter das Kirchenschiff ab. Andere wiederum begannen mit dem Wiederaufbau, so dass im Winter nahezu die Hälfte unter Dach und Fach war. Mit der Ausgestaltung des Kircheninneren ließ man sich allerdings Zeit. Bis zum Sommer 1742 lud Pfarrer Käpplein seine Pfarrkinder zum Gottesdienst in das neue und „ansehnliche“ Rathaus ein, dessen Erdgeschoss als Schule diente.
In den Sommermonaten schlossen die Handwerker schließlich ihre Arbeiten ab. Kardinal Damian Hugo von Schönborn nahm am 5. August 1742 persönlich die Einsegnung der neuen Pfarrkirche und die Altarkonsekration vor. An Baukosten hatte die Gemeinde 1.587 Gulden zu übernehmen, davon allein für den Turm 720, für den Chor 640, für die Sakristei 114 und für die Kirchhofmauer 111 Gulden. Der Fürstbischof, der nur für das Langhaus (und Pfarrhaus) hätte aufkommen müssen, streckte der Gemeinde das Geld vor. Auf dem Gnadenwege erließ später sein Nachfolger, Franz Christoph von Hutten, diese Kosten, weil er um die bittere Armut der Bevölkerung wusste.
Die Gemeinde erkannte aber in einem Revers ihre grundsätzliche Baupflicht für Turm, Chor, Sakristei, Beinhaus, Kirchhofmauer und Schulhaus an. Auch musste sie sich verpflichten, für die Unterhaltung der Kirche zu sorgen. Das Wiesentaler Gotteshaus wies als Turmabschluss eine große Blechzwiebel auf. Zum Ausbau des Daches war – soweit möglich – das Holz der alten Kirche mitverwendet worden.
 
Aus: Badische Neuesten Nachrichten vom 9.4.1989 (Werner Schmidhuber)

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