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Die "Sängerknaben" aus Speyer

22.11.06 (Speyer)

Tenöre und Bassisten des Domchores treten gemeinsam mit den Wiener Sängerknaben und den Wiener Philharmonikern in Rom im Petersdom auf / Mozarts Krönungsmesse aufgeführt
Rom/Speyer.-
Es gibt Momente im Leben eines Sängers, die einmalig sind und sich wohl so nie mehr wiederholen lassen. Eine Erfahrung, die um so wertvoller ist, wenn sie von Sänger gemacht werden, die den Gesang als Hobby, als die schönste Nebensache der Welt betrachten. Am vergangenen Sonntag hatten 14 Tenöre und Bassisten des Speyerer Domchores jene besondere Gunst der Stunde, als sie ausgewählt wurden, die weltberühmten Wiener Sängerknaben bei ihrem Auftritt im Petersdom in Rom in den tiefen Tonlagen zu verstärken. Und dass sie bei der Aufführung der „Krönungsmesse“ von Wolfgang Amadé Mozart sogar noch von den Wiener Philharmonikern, gerade erst wieder zum weltbesten Orchester gewählt, begleitet wurden, machte diese besondere Ausnahmesituation noch wertvoller. „Das Gefühl, im voll besetzten Petersdom singen zu dürfen, ist unbeschreiblich und wird allen Beteiligten lebenslang in Erinnerung bleiben“, so der Speyerer Stadtrat Michael Wagner, der als Vorsitzender und aktiver Tenor des Domchores die fünftägige Konzertreise zum V. Festival Internazionale di Musica e Arte Sacra nach Rom und in den Vatikan begleitet hatte. „Da wurden wieder Erinnerungen an meine Kindheit wach, als ich als Bub im Domchor groß wurde.“
Bereits zu den Proben sei die Einfahrt in den Kirchenstaat ein besonderes Erlebnis gewesen. Salutierende Offiziere der Schweizer Garde hätten sie zunächst empfangen und dann in den abendlich leeren Dom gebracht. Es sei, so Michael Wagner weiter, ein erhebendes Gefühl gewesen, allein mit den anderen Sänger, Solisten, Sängerknaben und Musiker in der größten Kathedrale der Welt, der Hauptkirche der Katholiken, ein paar Stunden verbringen zu dürfen. „Wir haben in dieser Zeit den Petersdom von seiner wirklichen Seite und mit seiner ganzen Ausstrahlung kennengelernt“, fügt Rainer Hemmerich im Gespräch mit unserer Zeitung hinzu. Der gewaltige Raum sei von der Musik Mozarts erfüllt gewesen. Ein Eindruck, der auch beim sonntäglichen Festgottesdienst mit dem Wiener Erzbischof, Christian Kardinal Schönborn, bestätigt wurde. Vor lauter Menschen habe man beim Einzug in den Petersdom die Menschen nicht mehr gesehen. Voll konzentriert seien sich alle Sänger des Domchores in diesem Moment bewusst gewesen, an diesem Morgen ihr Bestes geben zu müssen, erinnert sich Bernhard Schneider an diese Augenblicke. Von Domkapellmeister Prof. Leo Krämer (er selbst war während des Gottesdienstes als Sprecher der deutschen Fürbitten vor dem Hochaltar zu sehen und zu hören) optimal auf diesen vom Fernsehen in 72 Länder live übertragenen Auftritt vorbereitet, reichte den Sänger aus Speyer gerade mal eine Probe, um sich zusammen mit ihren Kollegen vom Domchor Köln in dieser außergewöhnlichen Runde zurechtzufinden.
Der Dirigent der Wiener Philharmoniker, Leopold Hager, gratulierte Leo Krämer und Michael Wagner zu dem ungewöhnlich hohen und bemerkenswerten Qualitätsstandard, wie dieser bei Laienchören sehr selten anzutreffen sei. Und der zwölfjährige Thomas stellte strahlend fest, dass „die Alten“ wenn sie nicht schon so alt wären, bestens zu ihrem Chor passen würden. Auch für den Speyerer Bischof Dr. Anton Schlembach, der zusammen mit Weihbischof Otto Georgens am Gottesdienst teilnahm, ein besonderes Erlebnis, dass Speyer dank der „Sängerknaben“ des Domchores zum ersten Mal in der Geschichte über dem Petrusgrab und unter der gewaltigen Domkuppel gleich mehrmals öffentlich erwähnt wurde. „Ein erhebendes Gefühl auch für einen Bischof.“
Was bleibe, sei, so Michael Wagner abschließend, eine große Dankbarkeit und die Erinnerung an einen ganz außergewöhnlichen Moment, der allen Sänger aus Speyer zutiefst zu Herzen gegangen sei. „Und diese Ergriffenheit wollen wir hineintragen in die kommenden Aufgaben und Konzerte in unserem Kaiser- und Mariendom, um die Botschaft weiterzugeben, dass Musik etwas Göttliches ist.“

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