Kurpfalz Regional Archiv

Geschichte(n) und Brauchtum aus der (Kur-)Pfalz

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Der Landesherr bestimmte die Religion

15.07.98 (Glaube & Religion, Kirchen & Klöster)

Schnell faßten die reformatorischen Gedanken durch den Einfluß der Universität Heidelberg auch Fuß in den Dörfern der Kurpfalz. So wurde bereits 1556 die alte katholische Georgskirche (heutiger Festhallenturm) durch Regierungsentscheid den Reformierten zugesprochen, die die Kirche gemeinsam mit den Lutheranern nutzten. Der Sitz des reformierten
Pfarrers war Reilingen. Von dort aus mußte er zudem noch Walldorf und Nußloch versorgen. Das älteste Kirchenbuch, das heute noch vorhanden ist, stammt aus der Zeit des Pfälzischen Erbfolgekrieges. Alle früheren Bücher wurden während des Krieges mit Frankreich zerstört.
Zu den Herrschaftsregeln in der Kurpfalz gehörte auch der Grundsatz, daß der Landesherr zu bestimmen hatte, welcher Religion seine Untertanen anzugehören hatten. So machten auch die Hockenheimer viele Bekenntniswechsel in ihrer mehr als 1.200jährigen Geschichte mit  je nachdem, zu welchem Glauben sich eben der gerade regierende Herrscher bekannte.
Die Gleichberechtigung in Glaubensdingen kam erst mit Ende des Dreißigjährigen Krieges. Den Landesherren wurde verboten, die Untertanen zu einer bestimmten Religion zu zwingen. Um 1700 begann eine groß angelegte Rekatholisierung in der reformierten Kurpfalz. Auch die Katholiken in Hockenheim bekamen ihre Besitzungen zurück.
Die Christen evangelischen Glaubens mußte aber wieder nach Reilingen zur Kirche gehen. Nachdem man 1722 eine Notkirche auf dem freien Gelände im Bereich des heutigen Lutherhauses errichtet hatte, war 1750 der Bau einer festen
Kirche fällig. Als kleinen Seitenhieb auf die Katholiken im Dorf bauten die Evangelischen 1757 ihren Kirchturm als genaue Kopie des Glockenturms der Georgskirche.
Die evangelische Kirchengemeinde wurde immer größer und 1846 war man schließlich gezwungen, eine Empore in der Kirche einzuziehen. Diese wurde übrigens auch von den anderen Konfessionen benutzt. Als frühestes Zeichen der Ökumene in Hockenheim hielten zwischen 1814 und 1819 die Katholiken während der Bauphase an ihrer neuen Kirche (die heutige Festhalle) dort ihre Gottesdienste ab. 1823 entstand dann das evangelische Schulhaus (Gebäude hinter dem
Lutherhaus), da zur damaligen Zeit das Schulwesen noch Sache der Kirche war. 44 Jahre später wurde das Schulhaus zum Pfarrhaus umgebaut, nachdem jahrelang das Geld dafür gesammelt worden war. 1869 wurde die evangelische Kirchengemeinde in Hockenheim unabhängig von Reilingen.
Mit dem Einsetzen der Industrialisierung und der Entwicklung der Zigarrenfabriken ging es auch den Menschen in der größten Arbeiterwohngemeinde in Baden immer besser. Dies hatte natürlich auch seine Auswirkungen auf das Gemeindeleben der Protestanten. Längst war eine neue Kirche notwendig geworden und im Oktober 1905 wurde
schließlich der Grundstein hierzu gelegt. Zwei Jahre später folgte die Einweihung. Als Kirchplatz hatte die Stadt Hockenheim für den neubarocken Bau den alten Friedhof zur Verfügung gestellt. Mit der neuen Stadtkirche baute
man zugleich ein Pfarrhaus. Das bisherige Dienstgebäude der evangelischen Pfarrherrn hinter dem Lutherhaus diente später zuerst als Schwesternhaus und und bis zum Neubau des zweiten Pfarrhauses in der Kirchenstraße als Vikarswohnung.
Das Langhaus der alten Kirche an der Oberen Hauptstraße, ein Saal zu vier Fensterachsen mit dreiseitigem Chorschluß, wurde 1927/29 zum Lutherhaus umgebaut. Von der alten Kirche ist heute im wesentlichen nur noch der Grundriß erhalten.
Als besondere Zeugnisse der Vergangenheit hat man noch heute in der evangelischen Kirchengemeinde zwei gleiche Abendmahlskelche, die aus Silber gefertigt und anschließend vergoldet wurden. Einer alte lateinische Inschrift ist zu entnehmen, daß Pastor J.W. Radau-Hashus den Auftrag für diese handgearbeitete Kelche gegeben hatte.

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