Speyer im 16. und 17. Jahrhundert

Ein nur zum Teil bekanntes Kapitel der Stadtgeschichte
War die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert in Speyer geprägt von einer Phase des Stillstands, um nicht zu sagen: eines schleichenden Niedergangs? Dieser Eindruck kann entstehen, wenn man sich mit der Speyerer stadthistorischen Literatur beschäftigt. Entsprechende Beiträge sind z.B. überschrieben mit „Alltag in einer Zeit des Friedens 1570-1620“, anderswo werden die Jahrzehnte bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618) mehr oder weniger übersprungen. War Speyer um 1600, also zwischen den turbulenten Jahrzehnten der Reformation und den im Stadtbrand von 1689 gipfelnden Verheerungen des 17. Jahrhunderts, geprägt von einem Zustand der Passivität und bequemen Selbstbeschränkung?
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Eine königliche Rundreise durch die Pfalz

maxDie Inbesitznahme der Pfalz als neuer bayerischer Kreis durch König Max I. Joseph im Jahr 1816
Im Vertrag von München von 1816 gelang es den beiden einstigen Kriegsgegnern Bayern und Österreich, ihr gespanntes Verhältnis wieder zu normalisieren und sich auf einen verbindlichen Verlauf der gemeinsamen Landesgrenzen zu verständigen. Als Entschädigung für größere Gebietsabtretungen (z. B. Salzburg) an das Habsburger-Reich erhielt das Königreich Bayern die linksrheinische Pfalz. Continue reading

Die Pfalz unter bayerischer Herrschaft

Eine Entscheidung des Wiener Kongresses 1816 führt zur Neuordnung im Südwesten
Infolge der französischen Revolutionskriege fiel 1797/98 ein Großteil des linksrheinischen Gebiets samt der heutigen Pfalz an Frankreich. Die neuen Landesherren fassten einen Gutteil der pfälzischen Lande mit Rheinhessen im Departement du Mont-Tonnerre (Donnersberg-Departement) zusammen, dem ab Mai 1800 ein in Mainz residierender Präfekt vorstand. Zu dessen Unterstützung diente seit November 1800 – wie in allen anderen von Frankreich annektierten Gebieten – auch im Donnersberg-Departement ein Generalrat (Conseil general). Er war kein demokratisches Gremium, da seine 20 Mitglieder nicht gewählt, sondern von Napoleon Bonaparte aus dem Kreis der 600 Höchstbesteuerten berufen wurden. Seine Kompetenzen waren sehr begrenzt und lagen vor allem auf dem Gebiet der Steuererhebung und -verteilung. Nach Napoleons Niederlage und als Folge des Wiener Kongresses ging „das Gebiet auf dem linken Rheinufer“ am 30. April 1816 an das Königreich Bayern über. Continue reading

Stadtarchiv Speyer älter als bisher vermutet

Älteste Handschrift stammt aus der Zeit um 900 / Zufallsfund diente bisher als Einband
KarolingischeMinuskel(122-1)Kloster LorschDas älteste „Fragment“ (Handschriftenbruchstück)  macht das Stadtarchiv Speyer über 280 Jahre älter – vom Jahr  1182, aus dem mit dem Privileg Kaiser Friedrich Barbarossas für Speyer die älteste Urkunde des Archivs stammt,  geht es jetzt zurück in die Zeit des frühen Mittelalters – in das Jahr 900.
Das Fragment wurde kürzlich innerhalb der Fragmentensammlung des Archivs wieder entdeckt, als diese neu verpackt und in die Datenbank eingegeben wurde. Die lateinischen Pergamentblätter stammen aus der Zeit um 900 und können von ihrer Schrift her dem damals berühmten Kloster Lorsch (Bergstraße) zugeordnet werden. Continue reading

Ist Speyer eine geplante Stadt?

Von der Römerstadt über die Bischofstadt zur Kaiserstadt
Die Bürger Speyers haben allen Grund, auf die zweitausendjährige Geschichte ihrer Stadt stolz zu seins, doch verführt diese Begeisterung sie leicht dazu, eine ungebrochene Kontinuität der an diesem Ort vorhanden gewesenen Besiedlungen zu behaupten. Dies würde mit der historischen Wirklichkeit nicht übereinstimmen. Zwar weist der Siedlungsraum am Rhein insoweit eine Kontinuität auf, dass hier seit unvordenklicher Zeit Menschen gelebt haben, doch gab es im Laufe der Geschichte hier drei voneinander sehr unterschiedliche Ansiedlungen, die nach ihren Zwecken und Verfassungen nichts oder doch nur wenig miteinander zu tun hatten. Das deuten bereits die Ortsnamen an, die man den Siedlungen im Laufe der Geschichte beilegte. Die keltische hieß Noviomagus, die römische Nemetum und die mittelalterliche – erstmals 614 – Spira, wobei aber bis in das 11. Jahrhundert auch Nemetum in Gebrauch war. Continue reading